KFC Uerdingen - Der Abgang von Stefan Krämer und die Gründe

KFC Uerdingen : Der Abgang von Stefan Krämer und die Gründe

Der KFC Uerdingen sieht den Aufstieg gefährdet und handelt. Das Team präsentiert sich fahrig.

Drei Gegentore für den KFC Uerdingen in einem Heimspiel. Eine Mannschaft, die völlig neben sich steht. Zuschauer, die schon nach 80 Minuten das Stadion verlassen. Ein zorniger Kevin Großkreutz, der erst auf dem Platz eine Rudelbildung auslöste, dann wütend und fluchend durch die Katakomben Richtung Kabine stapfte. Eine Mannschaft, die auf dem Platz fast immer nur zweiter Sieger blieb gegen die Würzburger Kickers, die am Sonntag ihre Überlegenheit nicht so recht glauben konnten.

Indizien einer sportlichen Krise beim Aufstiegsanwärter KFC Uerdingen. Das alte Jahr hatte mit einer 0:4-Klatsche gegen die spielstarken Unterhachinger geendet. Das neue Jahr beginnt mit einem ähnlich schwachen 0:3 gegen Würzburg. Und einer Trainerentlassung. Am Montagnachmittag stellte der KFC Stefan Krämer frei. „Wir hatten zuletzt leider zu oft unterschiedliche Vorstellungen und Sichtweisen“, ließ sich KFC-Chef Mikhail Ponomarev in einem Bulletin des Clubs zitieren.

Der geschasste 51-Jährige war für ein Statement nicht mehr zu erreichen. Kurz zuvor hatte er noch Rede und Antwort gestanden, seine Vorgehensweise für die nächsten Tage beschrieben. Dann war er weg, hat fertig. Einen Nachfolger benannte der KFC am Montag noch nicht. Am Sonntag, im Heimspiel gegen Würzburg, hatte die Clubführung Stefan Effenberg an ihrer Seite. Das sorgte für Spekulationen.

Die Mannschaft war ordentlich in die Saison gestartet, leistete sich dann im Herbst eine Negativphase,  fand aber im November und Dezember bis zum Spiel in Unterhaching zur Stabilität zurück. In fünf Begegnungen gab es nur ein einziges Gegentor. Es folgten ein 0:4 in Unterhaching und ein 0:3 gegen Würzburg. Wie kann das, fragt man sich? Was ist geschehen mit der Mannschaft?

Schorch: Nächste Woche zeigen wir ein anderes Gesicht

Die Körpersprache war ein Thema nach diesem 0:3, das deutlich klingt und deutlich aussah auf dem Rasen der MSV-Arena. Die Mängelliste des Kapitäns Christopher Schorch war lang. Zu wenig Aggressivität, zu wenig gewonnene zweite Bälle, zu große Abstände, kaum Bälle in der Spitze gehalten. Seine Forderung für das nächste Punktspiel am Samstag beim SV Meppen: „Wir müssen die Härte bringen mit Zweikampfführung und Laufbereitschaft.  Dann geht es auch ganz schnell wieder in die andere Richtung.“ Der Uerdinger Spielführer ist sicher: „Nächste Woche zeigen wir ein anderes Gesicht. Dann ist ein anderer Tag.“

Acht bis neun Spieler agierten unter ihren Möglichkeiten

Verwunderung hatte sich bei Krämer nach der Niederlage breit gemacht. Acht bis neun Spieler waren unter ihren Möglichkeiten geblieben. Zu viel, um in der 3. Liga zu bestehen, in der in erster Linie nicht die Künste des Einzelnen entscheiden, sondern die engagierte Leistung eines Kollektivs über 90 Minuten. „Haut man sich rein? Zeigt man sich, auch wenn mal etwas schiefgeht? Wir müssen mit Herzblut in jede Aktion gehen. Jeder muss sich reinhauen, dann sieht die Sache auch wieder anders aus“, sagte Torwart René Vollath nach dem Spiel.

Und auch offensiv lief wenig zusammen. Viele Bälle gingen verloren, wenige kamen am Ziel an. Gegner Würzburg schaltete schnell von Abwehr auf Angriff um, brachte die Uerdinger immer wieder in die Bredouille. Lösungen, die sich Krämer für seine Mannschaft im Trainingslager in der Türkei ausgedacht hatte, sah man nicht.

Kommentar: Warum nicht jeder die Entlassung von Stefan Krämer versteht

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