Kritik an Polizei nach Randale-Spiel zwischen KFC und Rostock

Fußball : Kritik an Polizei nach Randale bei KFC-Spiel lässt nicht nach

Die Aufarbeitung der Vorfälle beim Spiel des KFC gegen Hansa Rostock läuft. Rund 100 Zeugen würden zu den Vorfällen befragt. Viele Fragen ungeklärt.

Auch drei Tage nach den Ausschreitungen rund um das Drittligaspiel zwischen dem KFC Uerdingen und Hansa Rostock stehen Polizei und Staatsanwaltschaft bei der Aufarbeitung der Vorfälle noch am Anfang. In Duisburg wurde eine Ermittlungskommission gebildet, die die Vorkommnisse im und am Stadion untersucht. Ergebnisse gebe es laut Polizeisprecherin Jacqueline Grahl noch keine.

Rund 100 Zeugen würden zu den Vorfällen befragt. Gleichzeitig soll das Videomaterial aus dem Stadion gesichtet werden. „Wir müssen uns erstmal einen Überblick verschaffen“, sagt Grahl. Die Aufarbeitung dürfte Monate dauern.

Ermittler stehen erst am Anfang ihrer Arbeit

Es ist ein verwirrendes Bild, dass sich den Ermittlern nach dem einsatzreichen Samstag zeigt. Die Bestimmung von Schuldigen, Tätern, Opfern und Zeugen sei schwierig. Viele Fragen bleiben derzeit noch unbeantwortet. Wie konnte es dazu kommen, dass sich augenscheinlich gewaltbereite Fans direkt am Stadion quasi in die Arme liefen?

Wie konnten Anhänger beider Vereine trotz der Vorfälle vor dem Spiel am Stadion – rund 160 Menschen beider Fanlager hatten sich eine Massenschlägerei geliefert – nach Abpfiff am Hauptbahnhof erneut begegnen? Fragen, die sich auch der Fanbeauftragte des KFC Uerdingen, Matthias Finken, stellt. „Bei solch einer Fantrennung kann man auch in der Grotenburg spielen“, sagt er. Ob bestimmte Gruppen oder Einzelpersonen von Krefelder Seite aus an den körperlichen Auseinandersetzungen am Samstag beteiligt waren, könne er nicht sagen.

Der Journalist und Autor Marco Bertram erlebte die Szenerie vor der Partie persönlich mit und sagt: „Zirka eine Stunde vor Spielbeginn rollte ein Reisebus auf der Straße direkt am kleinen Fanhaus ein.“ Die Rostock-Fans, die sich in diesem Bus befanden, hätten in aller Ruhe ihre mitgebrachten Materialien wie Trommeln und Fahnen ausgepackt – inmitten der verdutzten KFC-Anhänger. Laut Bertram wäre die Polizei zu dieser Zeit nur „spartanisch“ vertreten gewesen.

Schlägerei soll sich am Stadionvorplatz ereignet haben

Als dann eine größere Gruppe von KFC-Anhängern am Stadion angekommen sei und die Rostocker erblickt hätte, sei es zu den Auseinandersetzungen gekommen. Als die Polizei mit berittenen Einsatzkräften eingeriffen hätte, soll sich das Geschehen vor den Stadionvorplatz verlagert haben, wo sich beide Fanlager laut Bertram Schlägereien geliefert hätten.

Die Polizei bestätigt den Vorfall, spricht davon, Personalien von beiden Fanlagern aufgenommen zu haben. „Wir haben zudem zwei Anhänger von Hansa Rostock festgenommen aufgrund von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte“, so Polizeisprecherin Jacqueline Grahl. Zudem hätte es mehrere Leichtverletzte gegeben. Weitere Erkenntnisse, warum der Bus die Gästefans am falschen Teil des Stadions ablud, seien noch zu ermitteln. Fest stehe bislang nur, dass die Busse polnische Kennzeichen gehabt hätten.

Einen Schritt weiter in seinen Ermittlungen ist Martin Mende. Der Duisburger Staatsanwalt kann am Montag mitteilen, dass der Fan am Samstag am Duisburger Hauptbahnhof nicht absichtlich gestoßen wurde. „Das geht aus dem Bildmaterial hervor, das wir gesichtet haben. Zudem konnte das Unfallopfer am Montag erstmals selber Aussagen zu dem Vorfall machen.“ Weitere Zeugen wurden ebenfalls von den Ermittlern befragt. „Danach ergibt sich für mich ganz klar das Bild, dass der Mann nicht geschubst oder gestoßen wurde“, so Mende.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Körperverletzung

Am Samstag war aufgrund des Vorfalls nicht nur der Duisburger Hauptbahnhof zur Beweisaufnahme für rund anderthalb Stunden gesperrt worden, auch war eine Mordkommission eingerichtet worden. Nach den neuesten Erkenntnissen ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung aufgrund des Vorfalls am Bahnhof.

Wie genau es zu dem Sturz kam, soll noch untersucht werden. Der Fan des KFC Uerdingen erlitt nach Angaben des Staatsanwaltes durch den Sturz eine Fraktur des Oberschenkels. Die Staatsanwaltschaft gehe laut Mende auch der Frage nach, ob die Bundespolizei, die am Samstag die Fantrennung im Duisburger Bahnhof vornahm, den Bereich im Hauptbahnhof nicht ausreichend gesichert habe.

Auch die Vorfälle vor der Partie beschäftigen den Staatsanwalt, der unter anderem sagt, dass derzeit noch nicht abschließend gesagt werden könne, ob die Reisebusse, die vor dem Stadion falsch abgebogen sein sollen, eventuell absichtlich falsch gefahren seien. „Das sind alles Dinge, die es zu überprüfen gilt“, so Mende.

Für den KFC Uerdingen stehen in diesem Jahr keine Partien mehr in der Duisburger Schauinslandreisen-Arena an. Erst am 27. Januar sind die Blau-Roten wieder in einem Heimspiel gefordert, wenn die Würzburger Kickers nach Duisburg reisen. „Spätestens dann werden wir die Vorfälle mit allen Beteiligten noch mal beleuchten“, sagt KFC-Pressesprecher Jan Filipzik. Durchaus möglich, dass Polizei und Staatsanwaltschaft bereits vorher Redebedarf haben.

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