KFC Uerdingen und der Aufstieg: Konkurrenten sehen Chancen

Umfrage : Chancen auf Aufstieg? Drittliga-Trainer rechnen mit dem KFC Uerdingen

Laut einer Umfrage des Magazins Kicker sehen die Konkurrenten den KFC Uerdingen als einen der Top-Kandidaten auf den Aufstieg.

Nach einer von allerlei Nebengeräuschen begleiteten Rückrunde, die den KFC Uerdingen noch an den Rand des Abstiegs brachte, startet der Club am Sonntag im Heimspiel gegen den Vorjahres-Vierten Hallescher FC in sein zweites Jahr in der 3. Liga. Es gehört mittlerweile zu den festen Ritualen vor einer jeden Fußball-Saison, die Meisterkandidaten, die möglichen Auf- und Absteiger zu tippen. Die Favoritenrolle, sie wird gerne weitergereicht unter den Trainern und Managern. Wie ein Scheinwerfer, der weggedreht wird auf diese oder jene Mannschaft – teils aus reinem Pragmatismus, teils aus sportlich-psychologischem Kalkül. Soll sich die Öffentlichkeit doch auf den Club X stürzen, dann bleiben wir unbehelligt. Der Erfolgsdruck wird so gerne versucht zu mindern. Intern reden die Macher und Trainer natürlich anders.

In der Umfrage des Fachmagazins Kicker haben nun die 20 Drittliga-Trainer darüber befunden, welche drei Teams die besten Aufstiegschancen haben. Die Uerdinger wurden dabei siebenmal genannt, genauso oft wie Zweitliga-Absteiger 1. FC Magdeburg. Häufiger als der MSV Duisburg (6), Halle und Kaiserslautern (je 5) oder Unterhaching (3) und Würzburg (1). Die größte Wahrscheinlichkeit räumen die Cheftrainer Absteiger FC Ingolstadt und Eintracht Braunschweig ein. KFC-Trainer Heiko Vogel sieht Ingolstadt als „Topfavoriten“ auf den Aufstieg. Als weitere Kandidaten nannte er dem Kicker Kaiserslautern, Braunschweig und Unterhaching.

Aufstieg nicht als Saisonziel ausgerufen

Die Uerdinger sind also wieder mitten in der Verlosung. Das überrascht angesichts des prominent besetzten Kaders nicht. Die KFC-Führung tat jedoch gut daran, nach den schmerzlichen Erfahrungen und Lehren der Rückserie des ersten Jahres nicht vollmundig den Aufstieg als Saisonziel auszurufen. Oben mitspielen, eine gute Rolle spielen: Das war die offizielle Sprachregelung. Dass Impresario Mikhail Ponomarev und sein Cheftrainer Heiko Vogel dennoch nach 38 Spielen gerne auf einem der ersten drei Plätze stehen würden, darf selbstverständlich angenommen werden.

Der designierte KFC-Kapitän Jan Kirchhoff hatte schon Ende Juni mehr Zurückhaltung propagiert, was die Verkündung großer Ziele angeht. Die Liga sei sehr eng, man komme ja schließlich von einem Mittelfeldplatz. Der 28-Jährige verwies auf den Favoritenkreis: „Es ist eine enge Liga. Es gibt keinen festen Favoriten. Man braucht einen Lauf.“ Gerade in der vergangenen Saison hatte der KFC erfahren, dass große Namen auf den Trikots nicht alles sind, wenn es auf dem Platz kein Gemeinschaftswerk gibt. Das beste Beispiel des Vorjahres: Der VfL Osnabrück, souveräner Aufsteiger und Drittliga-Meister. Eine homogene Mannschaft ohne Stars, der niemand vor der Spielzeit diese große Tat zugetraut hatte.

Kicker-Kolumnist Kohler zweifelt am KFC

Es gibt in der Szene jedoch auch Skeptiker, die das Handeln der KFC-Führung und deren Personalpolitik mit Argwohn verfolgen. Einer von ihnen brachte in einer Kolumne im Kicker nun sein Misstrauen gegen Hauptinvestor und Entscheider Ponomarev zum Ausdruck: Jürgen Kohler, Weltmeister von 1990 und für den Ligarivalen Viktoria Köln tätig, schreibt: „Uerdingen traue ich nicht so viel zu. Wenn ein Investor wie Ponomarev, der sich sicher wirtschaftlich auskennt, alles bestimmt und die Trainer wechselt, wie es ihm lieb ist, sehe ich darin keine gute Basis für Erfolg.“ Der Saisonverlauf wird zeigen, ob man diese Worte noch einmal herauskramen muss.

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