Ausstellung: Kunst im Dialog mit einer historischen Bandweberfabrik

Ausstellung : Kunst im Dialog mit einer historischen Bandweberfabrik

Acht Künstler aus Wuppertal sind in der „Fabric of Art“ in Barmen noch bis 1. Dezember dabei.

Die Hallen atmen die Atmosphäre längst vergangener Zeiten, den maroden Charme aus der Industrialisierungsära des 19. Jahrhunderts, erblindete Fenster, Säulen, verbunden durch ein Treppenlabyrinth. Und doch sind die 8000 Quadratmeter der ehemaligen Bandweberei Kaiser & Dicke in Barmen voller Leben. Eine einmalige Schau führt noch bis zum 1. Dezember 51 Künstler zusammen, darunter acht aus Wuppertal. „Fabric of Art“ meint dabei nicht nur die Location, sondern auch die Kunst, die darauf reagiert.

 Keller sind dunkel – ideal für die RaumZeitPiraten und Gregor Eisenmann. Aus Häkeldeckchen ist das RaumZeitEngerieObjekt gefertigt, die sich heftig im Kreis zu drehen beginnen, wenn der Besucher den Raum betritt. Das angestrahlte Objekt erinnert dann an einen Propeller, an rotierende gespenstische Blitze. Gregor Eisenmann hat seine aus bemalten Plexiglasscheiben bestehende Installation Vilisk getauft. Sie vereint Malerei, Videoprojektion und Skulptur, ist bewusst genreübergreifend. „Das Wechselspiel von Form, Rhythmus und Farbe ist mein Thema“ erklärt der 35-Jährige, der in Wuppertal durch seine Projection Mapping Projekte bekannt wurde. Er hat die Installation in der Diagonale der Säulen dominierten Halle aufgehängt, der Betrachter kann (und sollte) um sie herum gehen.

Sieben Plastiken ihrer Serie „Elemente“ zeigt Jaana Caspary. Die aus Gipsguss gefertigten und bemalten Fundstücke ruhen auf schwarzen Sockeln, vereinen organische, technisch-funktionale und architektonische Zierformen, schicken in Verbindung mit Namen wie Wolke, Kathedrale oder Zapfen die Fantasie auf Reisen. „Jedes Element steht für sich, und doch funktionieren sie gut als Gruppe“, erklärt die 31-Jährige. Wenige Meter entfernt präsentiert Charlotte Perrin ihr Ensemble „Ikea Umwandlung“, dessen Basis verzinkte Stahlregalböden des Möbelherstellers sind. An die Wand geheftet dienen sie als temporäre Repräsentationsfläche von Papierrändern, die an Passepartouts erinnern. Ergänzt wird das Bild durch eine wenige Meter entfernt stehende Säule aus den Regalträgern, die ebenfalls mit Papierrändern umfasst sind. Die 33-Jährige spielt mit der Idee des schnellen Möbelbaus, reagiert zugleich auf den Raum.

Als Bianca Beierl die ehemaligen Fabrikräume kennenlernte, eroberte eine mittlere Halle mit ihrer Aura sofort ihr Herz. Die revolutionäre Energie, die sie hier spürt, inspirierte sie zu einem Text, den der Besucher vor Ort lesen kann, und zu drei fast quadratischen, großen Bildern, die sie mit leuchtenden Ölfarben auf Leinwand schuf. Ihre dynamischen „Machinenarbeiten 1,2,3“ erinnern an die Maschinen und die Fäden der ehemaligen Fabrik.

Bilder, Skulpturen, Videoinstallationen

Auch Peter Schmersal zeigt mit Ölfarbe gemalte Bilder: Seine fünf großformatigen expressiven Arbeiten zeigen Männer, die knien, stehen, sitzen, eines heißt „Ich /Papst Sixtus V.. Der 67-Jährige erzählt hintergründige Menschengeschichten.

Fünf Stoffcollagen, die aus bemalten und industriell gefärbten Stoffen sowie Kleidungsstücken bestehen, hat Magdalena von Rudy an die Decke einer Halle gehängt, an einer Wand drei feine Papiercollagen. „Regina“ heißt die Stoffkomposition, die aus dem Material heraus entstanden ist und eine persönliche Ebene hat, da die 46-Jährige hier Nachlassstücke ihrer Mutter verwendete. Sie male Objekte, nur nicht auf Leinwand erklärt Rudy.

Mira Sasse hat zwei Schaukästen aufgestellt, in denen sie aus sechs Polystyrolplatten überdimensionierte historische Spitzenmuster gefräst hat. Die „Barmer Artikel“ der 31-Jährigen werden von tiefhängenden, restaurierten Fabriklampen beleuchtet. „White Cube“ heißt die grau-weiße Hüpfburg von Jonas Hohnke (36), der klassische Ausstellungsraum in abstrahierter Form thematisiert die Raumwahrnehmung und bietet eine andere Perspektive an. Hüpfen erwünscht.

Anschauen lohnt sich.

Mehr von Westdeutsche Zeitung