Bandweberfabrik in Wuppertal wird zum Ort für junge Kunst

Kunst : Bandweberfabrik wird zum Ort für junge Kunst

Am Samstag, 2. November, wird die Ausstellung auf rund 5000 Quadratmetern eröffnet.

Kunst braucht Freiräume. Davon bietet „Fabric of Art“ mehr als genug. Die Ausstellung, die am 2. November ihre Pforten öffnet, präsentiert auf 5000 Quadratmetern 51 Künstler. Standort ist das Industrieareal der Bandweberfabrik Kaiser & Dicke in Barmen. Wo früher täglich Hutstoffe und Klöppelspitzen produziert wurden, gibt es nun vier Wochen lang einen „Open Space“ für alle Medien der bildenden Kunst – von Malerei und Installation bis Video- und Lichtkunst.

Fabric of Art, erklärt Dr. Michael Leistikow, werde allein von der Fläche her „die größte außermuseale Ausstellung“ in Nordrhein-Westfalen. Leistikow ist Vorsitzender des Düsseldorfer Kunstvereins 701. Getreu dem Motto „Die Kunst muss jung sein“ unterstützen seine Mitglieder nicht nur den Nachwuchs. Bettina Paust vom Kulturbüro Wuppertal gehört zum sechsköpfigen Kuratorenteam, das die Teilnehmer für die Schau in den Fabrikhallen ausgewählt hat. Absolventen der Kunstakademie Düsseldorf und der HBK Essen sind ebenso vertreten wie etablierte Künstler aus der Region. Die internationalen Verbindungen reichen bis nach Israel, China und Japan.

Zugleich wird mit der Ausstellung die neue Nutzung des Gebäudes, das von der Renaissance Immobilien AG erworben worden ist, eingeläutet. Mit dem insgesamt 8900 Quadratmeter großen Areal hat Vorstand Christian Baierl viel vor. „Die zukünftige Nutzung soll eng mit Kunst verbunden sein“, betont er. Hier soll es Ateliers und Ausstellungen geben, Konzerte und Lesungen. Gedacht ist auch an Büros für Start Up-Unternehmen und an Lernräume für Studierende der Wuppertaler Uni. In einem Nachbarschafts-Café können sich die Mieter mit Anwohnern aus dem Viertel treffen.

Die Räume sind mehr als mit Kunstwerken gefüllt

Bei Fabric of Art werden die Räume nicht bloß mit Kunstwerken gefüllt. Viele sind in direkter Auseinandersetzung mit dem historisch geprägten Ort entstanden. Jaana Caspary, die jüngst in der Kunsthalle Barmen ausgestellt hat, hebt Objekte aus lackiertem Gips aufs Podest. Die Skulpturen erinnern an Verzierungen, wie man sie an Jugendstilfassaden entdeckt. In derselben Halle hängt ein 2,5 x 3,5 Meter großes Ölbild von Gan-Erdene Tsend. Die Farbgebung hat der aus der Mongolei stammende Maler an die Wand angepasst, an dem sein Werk hängt.

Klaus Mettig, berichtet Kuratorin Pia Witzmann, habe länger nach einem Platz für sein großformatiges Foto gesucht, der den abgetakelten Charme von Kubas Hauptstadt La Habana einfängt. In der lichtdurchfluteten Dachgeschoss-Halle fand er das passende Setting. Dort ist der Putz ähnlich abgeblättert wie in der tropischen Metropole. Mehrere Künstler greifen die Geschichte von Kaiser & Dicke auf. Magdalena von Rudy hat sechs Hängeobjekte aus bunt gemischten Stoffen im Raum verteilt. Das Künstlertrio RaumZeitPiraten bezieht sich mit seiner Installation auf die Häkeldeckchen, die das Textilunternehmen hergestellt hat. „Wir fanden, es könnte Spaß machen, dieses Thema zu bearbeiten“, sagt RaumZeitPirat Tobias Daemgen. Wer das Kellergeschoss betritt, sieht eine aus Licht hergestellte Häkelei leuchten. Wenn sich der Betrachter nähert, beginnt sie zu rotieren. Nebenan wartet eine Video-Skulptur von Gregor Eisenmann auf ihren Einsatz. Premiere feiert sie bei der Vernissage.