Wuppertaler Kultur: Die Orchestermusiker können auch guten klassischen Jazz

Wuppertaler Kultur : Die Orchestermusiker können auch guten klassischen Jazz

Während die Kinder spielerisch etwas über Musik erfuhren, sorgten im Großen Saal die städtischen Sinfoniker für gediegene Klänge.

Béla Bartoks Konzert für Orchester ist ein gewaltiges Werk. Die Besetzung ist sein größter Orchesteraufwand. Die Satztechnik ist nicht für jeden eingängig. Freunde des reinen Dur und Moll müssen sich neu orientieren. Das Jonglieren mit dem Tonintervall Quarte ist im Gegensatz zum Balkan hier nicht alltäglich. Deswegen bietet es sich an, dieses Stück Kindern ab sechs Jahren zu erklären. Also gab es während der ersten Konzerthälfte des dritten städtischen Sinfoniekonzerts in der Stadthalle dieses Angebot in einem der kleinen Säle. Nach der Pause konnten die Kinder dann live miterleben, wie die nicht ganz 40-minütige Musik richtig gut klingen kann.

Für dieses sehr junge Alter bietet sich die musikalische Früherziehung an. In diesem Fall wurden Klänge mit Tieren assoziiert. Zu den Melodien aus dem Werk kamen etwa ein Dino, Zebra, Giraffe oder Löwe daher. Musikstudenten der hiesigen Musikhochschule waren für diese tolle kindgerechte Vermittlung zuständig. „Ohrenkitzel“ heißt das Projekt des Sinfonieorchesters Wuppertal, das in dieser Saison noch dreimal (19. Januar, 15. März, 14. Juni) parallel zu den Konzerten stattfinden soll.

Während die Kinder also spielerisch etwas über Musik erfuhren, sorgten auf der Bühne im Großen Saal die städtischen Sinfoniker für gediegene orchestrale Klänge. Los ging es mit drei Episoden aus Leonard Bernsteins erstem Musical „On The Town“. Und ja, die Orchestermusiker können auch richtig gut klassischen Jazz. Unter der umsichtigen, vorausschauenden und deutlichen Leitung des Gastdirigenten Matthias Foremny gelang ihnen ein mitreißender Opener dieser Matinee.

Jedes Motiv wurde
deutlich herausgearbeitet

„The Great Lover Displays Him“ fetzte kultiviert. „Lonely Town: Pas de deux” kam innig-ruhig daher. Und beim „Times Square“ swingte es so richtig. Die Bläser (Blech wie Holz) und Schlagzeug spielten gekonnt wie von einer Big Band gewohnt. Dazu gab es sonore Streicherklänge.

Detailverliebt ging es mit Wolfgang Amadeus Mozarts bedeutendem Klavierkonzert in c-Moll (491) weiter. Es war ein Wegbereiter für etliche andere Konzerte späterer Komponisten wie Ludwig van Beethoven, der das Stück verehrte. Jedes Motiv, jede kleinste Phrasierung wurde deutlich herausgearbeitet. Ein eher schlichter und jederzeit durchhörbarer Klang stand im Vordergrund. Pianist Herbert Schuch feilte konzentriert an jeder Note und Akzentuierung. Doch der musikalische Fluss und große Spannungsbögen litten ein wenig an dieser trockenen Interpretation.

Der Solist glänzte zwar mit einer Klaviertechnik erster Güte, spielte aber manche Dynamiken etwas verhalten. Nicht tragfähig genug war sein eigentlich traumhaft schönes Piano, das sich aber nicht bis in den letzten Winkel des Auditoriums durchsetzen konnte. Für den lang anhaltenden Beifall bedankte er sich mit einer der sechs Bagatellen aus dem Opus 126 Beethovens.

Mit der gleichen Akribie wurde Bartóks Konzert für Orchester aufgeführt. Doch im Gegensatz zum Klavierkonzert gab es keine Brüche im musikalischen Fluss. „Die Grundstimmung des Werks stellt (...) einen stufenweisen Übergang vom Ernst des ersten und dem Klagelied des dritten zur Lebensbejahung des Finales dar“, äußerte sich einmal der Komponist über sein Spätwerk. Zu Recht bezeichnete es Foremny in seiner kurzen Ansprache als sein musikalisches Vermächtnis. Diesen Charakteristiken wurde mit großem Respekt Rechnung getragen. Die Gegensätze von Ernst und Heiterkeit, Klage und Scherz in den ersten vier Sätzen kamen deutlich zum Tragen. Diese Kontraste sind im Finale aufgehoben. Stattdessen ließ das Orchester wirbelnd-tänzerisch die ihm innewohnende große Lebensfreude zum Schluss prachtvoll erstrahlen.

Berechtigt waren schließlich die stehenden Ovationen dank einer schlüssigen und mitreißenden Darbietung des Bartok-Stücks, wobei auch der nötige Schwung zwischendurch nicht außer Acht gelassen wurde.