Wuppertaler Auslese Wuppertaler Buchhändlerin Kerstin Hardenburg über „Booktok“, Pandemie und was sie am liebsten liest

Wuppertal · „Mein Ein und Alles“: Wenn das Herz für Bücher schlägt.

Kerstin Hardenburg vom Glücksbuchladen hat Mitarbeiterinnen eigens für die Bereiche Feminismus und „Booktok“ eingestellt.

Kerstin Hardenburg vom Glücksbuchladen hat Mitarbeiterinnen eigens für die Bereiche Feminismus und „Booktok“ eingestellt.

Foto: Andreas Fischer

Soziale Medien halten junge Menschen vom Lesen ab – ein Vorurteil, dass sich hartnäckig hält. Doch auf Plattformen wie Tiktok werden gerade Bücher im Bereich Young Adult und New Adult von jungen Menschen präsentiert und beworben. Durch die Kurzvideo-Plattform kann eine neue Leserschaft auf Bücher aufmerksam und gewonnen werden. Eine Begebenheit, die Kerstin Hardenburg, Inhaberin des Glücksbuchladens, dazu bewogen hat, eine junge Mitarbeiterin eigens für „Booktok“ einzustellen. „Wir haben dadurch ein ganz junges Klientel bekommen“, erzählt Hardenburg im WZ-Podcast.

Darüber hinaus: „Ich habe schon seit längerer Zeit eine Werkstudentin, die bei mir arbeitet, die nur für den Bereich Feminismus zuständig ist. Und ich habe seit drei Jahren einen Azubi, der dieses Jahr fertig wird – der ist für den Bereich Fantasy und Manga zuständig“.

Dabei war es für sie zunächst gar nicht so leicht, sich auf die neuen Gebiete wie Tiktok und Instagram einzulassen, doch ihre jungen Mitarbeiter haben sie eines Besseren belehrt. Die Veränderungen im Sortiment ziehen nun ein jüngeres und auch anderes Publikum an. „Wenn ich den Laden alleine weitergeführt hätte, dann wäre ich wahrscheinlich in meinem Bereich geblieben und meine Kundschaft wäre mit mir alt geworden.“ Doch „Mainstream“-Literatur ziehe immer noch zahlreiche Leser. Das seien etwa Bücher, die auf den Spiegel-Bestsellerlisten landen.

Der Glücksbuchladen erfreut sich einer wachsenden, lesebegeisterten Kundschaft. Was die Namensgebung angeht, sagt die Inhaberin: „Bücher machen glücklich.“ Das sei die offizielle Erklärung. Und inoffiziell? „Der Laden macht mich glücklich“, sagt die studierte Betriebswirtin. „Es ist nicht nur ein Geschäft, es ist mein Steckenpferd, mein Hobby, mein Ein und Alles.“

Die Corona-Pandemie hat dem Lesen einen regelrechten Boom beschert. „Also Corona war für uns geschäftlich das Beste, was uns passieren konnte“, sagt sie. Ihre Kunden hätten sie in der Zeit sehr unterstützt und Hardenburg hatte direkt ihr System geändert. „Wir haben sofort ausgeliefert. Mit mindestens vier Fahrrädern jeden Tag, die in sämtliche Himmelsrichtungen gestartet sind.“ Zunächst hatte sie jedoch Angst, was mit dem Geschäft passieren wird. Doch bald verflüchtigten sich die Sorgen. Kunden hätten den Lockdown genutzt und teilweise Bücher bestellt, die Hardenburg sonst nie sehen würde. „Also von 600-Euro-Büchern bis hin zu einem 8500-Euro-Buch“, sagt sie. Das sei samt Plexiglas-Aufsteller geliefert worden. Das 600-Euro-Buch war ein Riesen-Maxi-Buch, das Hardenburg mit einer Schubkarre ausgeliefert hat.

Auch die Werke zahlreicher Wuppertaler Autorinnen und Autoren hat Hardenburg im Sortiment. Viele der Autoren schauen auch immer mal wieder im Laden vorbei. So haben Kunden auch die Gelegenheit, signierte Exemplare zu bekommen.

Neben den Büchern hat Kerstin Hardenburg mit ihrer Glücksbuchhandlung noch ein weiteres Steckenpferd: So veranstaltet sie immer wieder Events wie etwa Büchertische, wo man Autoren kennenlernen kann, Autoren- und Schauspielerlesungen, mit der Weinhandlung Orthmann gibt es Weinlesungen. Ein besonderes Fest in diesem Jahr ist die Feier zum zehnjährigen Bestehen der Glücksbuchhandlung am Samstag, 3. August.

Neben den Veranstaltungen findet Kerstin Hardenburg dennoch Zeit zum Lesen und Schmökern. Sie selbst liest gerne Krimis und Thriller, hat auch ein Herz für Klassiker. „Die schönsten Bücher sind die, wo ich um halb zwölf das Licht ausmache, um zwölf Uhr wieder an, weil ich sowieso nicht warten kann, bis es weitergeht und um zwei Uhr dann irgendwann fertig bin und sage: ‚Wow, das war toll, das hat sich gelohnt, jetzt so lange wach zu bleiben.’“, sagt sie.

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