WZ-Redaktionsleiter Tobias Klingen kommentiert die Lage im Rathaus

Kommentar : Handeln statt streiten

Bei den handelnden Personen in der Verwaltung hat sich offenbar einiges aufgestaut. Die Stimmung im Rathaus und vor allem in der sogenannten Nebenstelle des Jugendamtes ist miserabel. Ein Team scheint gespalten zu sein.

17 Mitarbeiter unterzeichnen eine Solidaritätserklärung mit Michael Klee. 17 andere nicht. Dieser Brief an Bürgermeister Volker Rübo ist ein Hilferuf. Er ist ein öffentlich gewordenes Indiz dafür, dass in der Führung der Stadtverwaltung einiges nicht stimmt. Die Mitarbeiter – und nicht nur die des Jugendamtes – fühlen sich allein gelassen. Ein Zustand, den der Bürgermeister, drei Dezernenten und alle Amtsleiter so nicht länger hinnehmen dürfen. Es wird Zeit, eigene Befindlichkeiten zu vergessen und zum Wohle des Kempener Steuerzahlers  zu handeln – zum Beispiel zum Wohle von 69 Familien ohne Kita-Platz.

Besinnen sollten sich auch die politischen Akteure. Derzeit scheint es nur darum zu gehen, wem man denn die Schuld an gewissen Dingen geben kann. Im Fokus der Kritik steht Michael Klee, der ohne Frage einige Fehler begangen hat. Und der deshalb auch mit sachlicher Kritik umgehen muss. Leben muss Klee auch damit, dass Teile der Fraktionen ihm intern bereits mitgeteilt haben, ihn nicht mehr wählen zu wollen. Die öffentliche Schelte der CDU ist aber so überflüssig wie ein Kropf. Und die populistischen Äußerungen des Linken Günter Solecki, der das Gehalt des Dezernenten ins Spiel bringt, sprechen nicht für ein besonders hohes Niveau.

Auch Bürgermeister Rübo muss derzeit einiges einstecken. Hier gilt ebenso, dass sachliche Kritik berechtigt ist, weil er als Verwaltungschef eben die Verantwortung trägt. Und weil er ebenfalls nicht alles richtig gemacht hat. Die Wortwahl – vor allem vonseiten der Grünen – in Richtung des Bürgermeisters schießt indes deutlich über das Ziel hinaus. Zu behaupten, dass Rübo unfähig sei und mit der Beschlussvorlage zum gescheiterten Begegnungszentrum seinen Offenbarungseid geleistet habe, ist ziemlich daneben. Die immer aggressiver werdende Rhetorik in Teilen der Politik ist nicht wirklich nachvollziehbar. Zumal der Wahlkampf noch nicht anfangen darf – bitte nicht! Bis Herbst 2020 gibt es für Kempens Zukunft noch einiges zu entscheiden. Auf geht’s!

Mehr von Westdeutsche Zeitung