Firma Portica - Kempen als Standort der Lotto-Logistik

Lokale Wirtschaft : Kempen als Standort der Lotto-Logistik

Die Firma Portica ist Dienstleister für viele namhafte Unternehmen. So werden hunderte Annahmestellen von West-Lotto versorgt.

Für Frau Meyer aus Kempen ist es ein lieb gewordenes Ritual am Samstagnachmittag: Sie geht in den Schreibwarenladen um die Ecke, macht mit dem Kuli sechs Kreuzchen und drückt am Abend feste die Daumen, das daraus sechs Richtige werden – wenn es geht mit Zusatzzahl. Was unsere fiktive Frau Meyer nicht weiß, ist, dass die Lottoscheine, die sie Samstag für Samstag in stiller Hoffnung ausfüllt, aus ihrer unmittelbaren Nachbarschaft geliefert werden. Denn die Portica GmbH mit Sitz an der Von-Galen-Straße (nahe der Deula) übernimmt für West-Lotto einen großen Teil der Logistik. Von Kempen aus werden hunderte Annahmestellen in ganz NRW unter anderem mit Lottoscheinen, Werbeplakaten und den sogenannten Kundenstoppern beliefert, auf denen vor der Ladentür der jeweils im Jackpot befindliche Betrag zu lesen ist.

Druckerei Te Neues gründete Portica vor etwa 50 Jahren

Auch die Rubbel-Lose kommen bündelweise an, werden bei Portica versandfertig gemacht und an Transportdienste übergeben. „Diese Lose haben hier bei uns noch keine Gültigkeit, sie werden erst in den Annahmestellen aktiviert“, erklärt Betriebsleiter Rüdiger Rohde bei einem Rundgang über das etwa 16 000 Quadratmeter große Areal. Heißt: Niemand könnte vorab mit den schier unzähligen Glücks-Kärtchen Schindluder treiben.

Seit fast einem halben Jahrhundert existiert das Unternehmen bereits. Anfang der 70er Jahre gründete die bekannte te Neues Druckereigesellschaft zusammen mit der Direkt-Marketing-Firma R. L. Polk aus dem amerikanischen Detroit die Portica GmbH Direkt Marketing. „Damals war es üblich, dass die verschiedenen Werbemittel an den jeweiligen Auftraggeber fertig produziert geliefert wurden“, so die Firmenhistorie. „Der Auftraggeber musste sich dann um Lagerung, Kommissionierung, Versand und Reporting selbst kümmern.“ Die Gründungsgesellschafter hätten das Potenzial von entsprechenden Marketing-Support-Dienstleistungen erkannt.

Erster Kunde von Portica
war der Autokonzern Opel

Erster Kunde war die Adam Opel AG. Von der Nähe zum Autobauer zeugt auch der zweite Standort im hessischen Rüsselsheim. Bis heute sind die Kempener für Opel, inzwischen Teil der französischen PSA-Gruppe, tätig. „Wir liefern beispielsweise Marketing-Material in die Autohäuser, aber auch Prospekte zu potenziellen Endkunden nach Hause“, erklärt Angela te Neues, im Familienunternehmen fürs Marketing zuständig. Ihr Bruder Michael ist im Vertrieb tätig und kümmert sich um die wichtigen Themen Datensicherheit und Qualitätsmanagement. Vater und Gründungsgesellschafter Jan te Neues bildet zusammen mit Bernd Kothes die Geschäftsführung.

Vereinfacht lässt sich das komplexe Geschäftsmodell so erklären: Portica stellt nichts selber her, sondern kümmert sich für seine Auftraggeber darum, dass der richtige Artikel zur richtigen Zeit beim richtigen Adressaten landet. Das fängt bei der Lagerlogistik an. Der Firmenname leitet sich ab von „porticula“, auf Deutsch „kleine Halle“. Ihr Vater sei „ein alter Lateiner“, erklärt Angela te Neues. Wobei: So klein sind die Hallen längst nicht mehr. In den Hochregalen finden rund 20 000 Paletten ihren Platz. Dort lagern auch Materialien der Kreuzfahrtmarke Aida, zum Beispiel bunte Mini-Sonnenliegen für Kinder. Bestellbar sind solche Artikel über den Aida-Webshop – auch für diesen zeichnet Portica verantwortlich. Das Tochterunternehmen, der IT-Spezialist Gedak, konfiguriert Webshops und Microsites, programmiert Schnittstellen und entwickelt Workflow-Lösungen. „So können wir auf Wunsch alles aus einer Hand anbieten“, sagt die Marketingleiterin. „Von der Webshop-Erstellung über  die Distribution der Waren bis zur Abwicklung von Retouren.“

Marketing für Dr. Oetker,
Underberg und Pirelli

Im Marketingbereich ist Portica für große, namhafte Mittelständler und Konzerne tätig, neben Opel, West-Lotto und Aida sind das beispielsweise Dr. Oetker, Underberg und Pirelli. „Wir nehmen ihnen Aufgaben ab, damit sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können“, so Angela te Neues. Sprich auf Backmischungen, Spirituosen oder Reifen. Im Bereich Onlinehandel (eCommerce) gehören auch kleinere Firmen zu den Auftraggebern. Deren Gründer haben vielleicht selbst in der heimischen Garage mit dem Verpacken der bestellten Waren angefangen und müssen sich nun, nach entsprechendem Wachstum, professioneller aufstellen. Auch Mischformen gibt es. Etwa dann, wenn die Kempener nur zu bestimmten Zeiten helfend einspringen. Ein Klassiker diesbezüglich ist die Vorweihnachtszeit.

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