Die Stadtwerke setzen künftig auf die Technik der Solar-Thermie

Energiewende : Die Kempener Stadtwerke ernten demnächst Sonne

Mit der Solar-Thermie-Technik will der Versorger die Energiewende im Fernwärmenetz gestalten. Das Unternehmen steht vor einem der größten Projekte in seiner Geschichte.

Dänemark, St. Hubert, Kempen – geht es nach den Stadtwerken, dann sind das die Stationen, um in der Thomasstadt eine Art Energiewende zu schaffen. Die Stadtwerke wollen auf die Technik der Solar-Thermie setzen, die in Dänemark schon seit rund 30 Jahren erfolgreich eingesetzt werde. Das Verfahren soll im Kleinen im St. Huberter Baugebiet „Auf dem Zanger“ an den Start gehen, um dann in etwa drei Jahren in Kempen zu einem Projekt zu werden, das in der Region seines Gleichen sucht. Die Geschäftsführer Siegfried Ferling und Norbert Sandmann sowie Betriebsleiter Rüdiger Leibauer erklärten am Freitag die Hintergründe.

„Wir befassen uns seit vielen Jahren mit der Frage, wie wir mehr regenerative Energien einsetzen können“, so Leibauer. Der Schritt zur Solar-Thermie sei ein guter Einstieg, um sich von den fossilen Energien verabschieden und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können. Ein Teil dieser Technik sind sogenannte Solar-Felder mit Zellen, wie man sie auch schon von etlichen Dächern am Niederrhein kennt. „Auf diesen Feldern ernten wir Sonne“, sagt Leibauer. Mit dem so gewonnenen überschüssigen Strom wollen die Stadtwerke dann einen erheblichen Teil des Bedarfs im Kempener Fernwärmenetz abdecken. Heißt: Mit Hilfe von Solarstrom wird warmes Wasser erzeugt.

In St. Hubert befindet sich schon ein Kraftwerk für das neue Wohngebiet im Rohbau. Vor diesem Kraftwerk sollen dann die Solar-Anlagen stehen. Zudem gebe es im Baukörper den Wasserspeicher, der als Zentrale dient. Von dort würden die Kunden mit Wärme versorgt, sagt der Betriebsleiter. In St. Hubert geht es um ein etwa 200 Quadratmeter großes Feld mit Solarzellen. Der Clou: Die moderne Anlage ist ein intelligentes System. „Wir können die Wärmeversorgung an den Bedürfnissen der Fernwärmekunden orientieren“, sagt Norbert Sandmann. Das System wisse beispielsweise, wann besonders häufig geduscht werde. Durch diese Steuerung gehe deutlich weniger Wärme verloren als bisher. Bei der Entwicklung lassen sich die Stadtwerke von Experten der Universität Düsseldorf beraten.

Was in St. Hubert vergleichsweise klein beginnen wird, soll in Kempen zu einem der größten Projekte in der Geschichte der Stadtwerke werden. Vorgesehen ist ein etwa zwölf Hektar großes Areal (zirka 16 Fußballfelder) im Umfeld des Krefelder Wegs. Ziel dieser Anlage mit Kraftwerk, Wärmespeicher und Solarfeld ist, dass 15 Prozent des Energiebedarfs für das Kempener Fernwärmenetz darüber abgedeckt wird. „Letztlich läuft es darauf hinaus, dass wir einen 30-prozentigen Anteil erreichen können“, so Sandmann. Durch moderne Bautechniken (Dämmung) werde der Energiebedarf in den Haushalten in den nächsten Jahrzehnten sinken. Derzeit werde das Fernwärmenetz komplett mit Erdgas versorgt, davon basierten etwa 30 Prozent auf Bio-Methan.

Fernwärmenetz aus den
60er Jahren ist das Pfund

Bei den Plänen ist das 1963 aufgebaute Fernwärmenetz, über das inzwischen rund 60 Prozent der Kempener Kunden versorgt werden, „unser größtes Pfund“, betont Siegfried Ferling. Nach der Einführung der Kraft-Wärme-Kopplungs-Technik in den 90er Jahren sei die Solar-Thermie nun der nächste große Schritt, um den Herausforderungen der Energiewende gerecht zu werden. Zu Zahlen und Details will die Geschäftsführung noch nicht viel sagen, weil man sich erst im Genehmigungsverfahren und auch in Pachtverhandlungen mit Landwirten befinde. Geplant sei eine Investition im zweistelligen Millionenbereich. Um vergleichbare Anlagen zu finden, muss man innerhalb Deutschlands schon einige Kilometer zurücklegen. Eine gebe es in Brandenburg, eine weitere in Baden-Württemberg, so Leibauer.

Und eben in Dänemark, wo sich Leibauer und Ferling eine Anlage angeschaut haben. Nach diesem Besuch verweisen sie zudem auf einen anderen ökologischen Aspekt. „Es werden keine Flächen versiegelt und die Anlagen werden auch nicht Beton eingegossen, sondern ins Erdreich gesteckt“, sagt Leibauer. Mit dem Effekt, dass auf der großen Fläche in Kempen eine Art Biotop entstehe. Wildpflanzen und Insekten bekämen neuen Lebensraum, Schafe sollen für das Mähen des Rasens sorgen.