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In Kempens Verwaltung stehen Personal-Entscheidungen an

Kempener Rathaus : Das Dezernenten-Karussell startet

In der Führung der Stadt Kempen stehen wichtige personelle Entscheidungen an. Eine Analyse vor der nächsten Ratssitzung am Dienstag.

Der viel diskutierte Umbruch in der Führungsetage der Verwaltung geht in eine entscheidende Phase. In der nächsten Sitzung des Stadtrates am 12. März präsentiert die Verwaltungsspitze ein mögliches Verfahren, um die Nachfolge des Ersten Beigeordneten Hans Ferber zu regeln. Dieser geht zum 31. Dezember in Pension, wird aber wegen „Zeitguthaben und Resturlaub“ schon im Juli aus dem aktiven Dienst ausscheiden, heißt es in der Vorlage für die Sitzung. Mit dem Ende der Ära Ferber steht auch eine Veränderung der Dezernats-Zuschnitte an. Dieses Verfahren soll mit der Ratssitzung am kommenden Dienstag um 18 Uhr im Rathaus begonnen werden.

Ein Baustein dieses Verfahrens ist, dass zunächst eine vierte Beigeordneten-Stelle geschaffen wird. Bislang sind es in Kempen drei – neben Ferber (Personal, Ordnung, Recht) sind dies Marcus Beyer (Technisches Dezernat) und Michael Klee (Schulen, Soziales, Jugend, Sport). Ein vierter Beigeordneter soll ab 1. August den Bereich Kämmerei und Finanzmanagement leiten. Dies ist bislang nur ein Amt mit Leiter Jörg Geulmann, das im Dezernat von Bürgermeister Volker Rübo angesiedelt ist.

In Willich ist der Kämmerer
auch Erster Beigeordneter

Laut Vorlage für die Ratssitzung will die Stadtspitze den Bereich der Kämmerei zur Dezernats-Ebene aufwerten, weil dieser in den vergangenen Jahren immer bedeutender geworden sei. Zudem war es eine Empfehlung eines externen Gutachters, die Kämmerei aus dem Bürgermeister-Dezernat herauszunehmen. In anderen Kommunen ist die Kämmerei schon längst eine Dezernenten-Aufgabe. So ist zum Beispiel Willichs Kämmerer Willy Kerbusch Erster Beigeordneter. Und auch auf Kreisebene ist Kämmerer Thomas Heil einer von vier Dezernenten.

Wer die neu geschaffene Stelle in Kempen ab August bekleiden wird, ist offiziell natürlich nicht entschieden. Von April bis Juni soll das in einem Bewerbungsverfahren entschieden werden. Es müsste aber schon mit dem Teufel zugehen, wenn Jörg Geulmann es nicht wird.

Nachdem die vierte Beigeordnetenstelle besetzt worden ist, geht es im Verfahren der Umstrukturierung um die Festlegung der Vertretung des Bürgermeisters. Diese hat nämlich bislang der Erste Beigeordnete Ferber inne. Über die vorübergehende Vertretung soll im Juli der Rat entscheiden. Ebenso geht es dann darum, wie die Dienstgeschäfte des Ersten Beigeordneten von Juli bis Dezember auf die anderen Dezernenten verteilt werden. Die Bereiche Haupt- und Personalamt, Rechtsamt und Ordnungsamt sollen auf mehrere Schultern verteilt werden.

Spannend wird es dann, wenn Hans Ferber auch offiziell im Ruhestand ist. Dann wollen Verwaltung und Politik darüber entscheiden, wie es dauerhaft weitergeht. Bleibt es langfristig bei vier Dezernenten? Oder werden es wieder drei sein? Welche Ämter werden welchen Dezernaten zugeordnet? Wer wird künftig Erster Beigeordneter und damit Stellvertreter des Bürgermeisters? Offiziell will man sich im Rathaus spätestens Anfang 2020 mit diesen und anderen Fragen auseinandersetzen.

Die Antworten auf diese Fragen hängen auch mit der wichtigsten Personalie im Rathaus zusammen. Nämlich mit der Frage, wer im Herbst 2020 Bürgermeister wird. Und mit der Frage, wie der Nachfolger von Volker Rübo, der nicht mehr antreten wird, sein Dezernat zuschneiden möchte. Gut möglich, dass das wichtige Ressort Personal im Bürgermeister-Dezernat landet. Das hat zum Beispiel Landrat Andreas Coenen auf Ebene des Kreises Viersen so strukturiert. Vorher war er als Kreisdirektor für Personalangelegenheiten zuständig.

Ebenso spannend ist die Frage nach dem Posten des Ersten Beigeordneten, also der Stellvertretung des Bürgermeisters. Die meiste Kempen-Erfahrung im künftigen Dezernenten-Trio hat Michael Klee. Dieser ist im April 2020 seit acht Jahren im Amt und müsste sich zunächst mal zur Wiederwahl stellen, wenn er es denn will. Möglich ist auch Marcus Beyer, der als Technischer Dezernent bei den meisten Fraktionen in seiner knapp einjährigen Amtszeit schon viele Pluspunkte gesammelt hat. Oder aber doch der Kämmerei-Chef nach dem schon erwähnten Willicher Modell, das in der Nachbarstadt sehr erfolgreich praktiziert wird.

Die nächsten Wochen und Monate sind also richtungsweisend für die Struktur der Kempener Stadtverwaltung. Dabei geht es nicht nur darum, wer nach dem Stopp des Dezernenten-Karussells wo sitzt und welche Aufgaben hat. Die personellen Entscheidungen sind ebenso richtungsweisend für die künftige Ausrichtung der Stadtverwaltung bei diversen Projekten: Burg, Wirtschaftsförderung, Ausbau der Kita-Landschaft, Konzeption der Schulen, Personalentwicklung unterhalb der Dezernenten-Ebene. In Kempen gibt’s viel zu tun.