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Bei den Schulsanierungen steht Kempen vor einem Mammutprojekt

Kempener Schulcampus : 47 Millionen sind erst der Anfang

Für die Sanierung der weiterführenden Schulen liegen erste Zahlen auf dem Tisch. Nun fehlen noch die Raumkonzepte.

Nachdem beim Mammutprojekt Schulsanierung mehr als zwei Jahre ohne konkrete Ergebnisse ins Land gegangen sind, liegen nun wenigstens Zahlen auf dem Tisch. Am Montagabend gab es die mit Spannung erwartete Sitzung des Bauausschusses, zu der auch die Mitglieder des Schulausschusses zugelassen waren. Zwei Architektenbüros aus Aachen stellten die Ergebnisse ihrer Analyse der 14 Gebäude von Thomaeum, Luise-von-Duesberg-Gymnasium (LvD), Gesamtschule sowie der beiden auslaufenden Einrichtungen – Real- und Hauptschule – vor. Die spannendste Zahl hatten die Experten auf die vorletzte von 36 Präsentations-Folien geschrieben: „Die Gesamtkosten für Instandsetzung und Modernisierung aller 14 Gebäude betragen ca. 37 bis 47 Millionen Euro – je nach Kostenansatz für die technischen Anlagen.“

Um diese Zahlen einzuordnen, ist folgender Hinweis für die politischen Fraktionen wichtig: In diese Summen sind die Kosten für die Gestaltung der Außengelände sowie die Einrichtung (Möbel etc.) nicht eingerechnet. Ferner ist mit Kostensteigerungen zu rechnen, weil die Zahlen mit den Baupreisen des 1. Quartals 2019 berechnet worden sind. Je nachdem, wann tatsächlich gebaut wird, kann es also teurer werden.

Der höchste Kostenansatz mit der bestmöglichen technischen Ausstattung von knapp 47 Millionen Euro verteilt sich wie folgt auf die einzelnen Schulen: Thomaeum 12,6 Millionen Euro, LvD 12,3 Millionen Euro, Realschule 12,4 Millionen Euro, Hauptschule 6,7 Millionen Euro und Gesamtschule 2,8 Millionen Euro. Wenn man davon ausgeht, dass die Gebäude von Real- und Hauptschule der wachsenden Gesamtschule zur Verfügung gestellt werden, beträgt die Investitionssumme für diese Schulform also 21,9 Millionen Euro.

Weitere Kernaussagen des Gutachtens stützen die bisherige These der Stadtverwaltung und auch der CDU-Fraktion: „Alle Gebäude sind wirtschaftlich instandsetzungsfähig und modernisierbar. Die Kosten für Instandsetzung und Modernisierung erreichen bei keinem Gebäude Neubaukostenwerte.“

Zu diesen Aussagen bezog Grünen-Fraktionschef Joachim Straeten im Nachgang Stellung: „Ich habe eigentlich erwartet, dass Sie uns eine Gegenüberstellung von Sanierungs- und Neubaukosten liefern“, sagte er in Richtung der Gutachter. Mit der Aussage dazu allein könne er nicht viel anfangen, so Straeten. Zudem hätten die Grünen entsprechende Vergleichsrechnungen eingefordert und eine Zusage der Verwaltung erhalten. In der Tat hatte der Technische Beigeordnete Marcus Beyer Ende September in einer Ausschusssitzung erklärt, dass es entsprechende Vergleiche geben werde.

„Wir können Ihnen das alles ausrechnen“, sagte Edgar Krings vom Büro pbs. „Aber es gibt aus fachlicher Sicht keine Sanierung, die die Kosten für einen Neubau erreichen oder gar übertreffen wird.“ Die Stadt Kempen habe überwiegend Schulgebäude, die nach einem Zyklus von 30 bis 50 Jahren nun saniert werden müssen. Nach den entsprechenden Sanierungen könne aber „mit Sicherheit“ eine Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren erreicht werden, so der Architekt.

Die CDU-Fraktion sieht sich durch das Gutachten in ihrer Meinung bestätigt, dass eine Sanierung vor Abriss und Neubauten Vorrang haben soll. „Ich nehme heute Abend mit, dass die Kosten für eine Instandhaltung deutlich unter denen für Neubauten liegen“, so Georg Funken (CDU). Wenn nun die räumlichen und pädagogischen Konzepte der Schulen zu den Gebäuden passen, dürfe keine Zeit mehr verloren werden, so Funken.

Raumprogramme sollen
im Juni vorgestellt werden

Dazu passt die Stellungnahme von Bürgermeister Volker Rübo (CDU), der vor der Vorstellung der Ergebnisse einleitende Worte vortrug und einen groben Zeitplan präsentierte. Die Verwaltung sei derzeit dabei, mit den drei weiterführenden Schulen und dem Fachbüro Dr. Garbe und Lexis eine Raumanalyse durchzuführen. Am vergangenen Donnerstag habe es konstruktive Termine in Thomaeum, LvD und Gesamtschule gegeben. Aus dieser Analyse sollen dann konkrete Raumprogramme hervorgehen. „Ziel ist die Vorstellung der Raumprogramme in der Schulausschusssitzung am 17. Juni und eine Beschlussfassung durch den Rat vor der Sommerpause“, so Bürgermeister Rübo.

Danach folge das Raumkonzept. In diesem Planungsschritt werde das Programm auf den tatsächlichen Raumbestand gespiegelt, so der Bürgermeister. „Ist es möglich, die erforderlichen Funktionen im vorhandenen Raumbestand sinnvoll geordnet unterzubringen? Ob und in welchem Umfang muss zusätzlicher Schulraum geschaffen werden?“ Erst wenn die Fragen beantwortet seien, könne man mit der „architektonischen Überplanung“ beginnen. „Hier wird auch zu entscheiden sein, ob es im Einzelfall sinnvoll und wirtschaftlich vertretbar ist, bestimmte Gebäude abzureißen und durch Neubauten zu ersetzen“, sagte Volker Rübo. Wie lange die architektonische Überplanung dauern wird, könne man derzeit nicht voraussagen.

Der Bürgermeister und auch die Gutachter machten deutlich, dass bestimmte Sanierungen nicht mehr aufgeschoben werden dürfen. „Zwingend ist nahezu flächendeckend die Grunderneuerung der Haustechnik, die nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht und daher auszutauschen ist. Weiterhin kann es keine Abstriche beim Brandschutz geben“, so Rübo. Im Gutachten heißt es, dass „umgehend durchzuführende bauliche Maßnahmen in Einzelbereichen gegeben sind“. Dazu zählen zum Beispiel der Bau von zweiten Fluchtwegen in Thomaeum und Hauptschule und auch die Erneuerung der Lüftungsanlage in Aula und Turnhalle des Duesberg-Gymnasiums.

Um die Kernaussagen des 1500 Seiten starken Gutachtens zusammenzufassen, hatten die Experten ihre Arbeit am Beispiel des Thomaeum-Neubaus (1977) erläutert. Dabei wurde deutlich, dass es sehr schwierig sei, dieses Gebäude barrierefrei gestalten zu können. Es seien drei oder vier Aufzüge nötig, so die Gutachter. Deshalb laute der derzeitige Vorschlag, nur das LvD barrierefrei zu gestalten – und das Thomaeum nicht.   Edgar Krings: „Grundsätzlich ist es aber eine politische Entscheidung.“ Man könne auch alle 14 Gebäude mit Aufzügen versehen.