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Das Unternehmen Pfeiffer am Hooghe Weg macht sich fit für die Zukunft

Wirtschaft in Kempen : Auf dem Weg in die Industrie 4.0

Das Kempener Unternehmen Pfeiffer Chemie-Armaturenbau hat sich komplett neu aufgestellt. Der Kauf einer neuen Maschine ist nun ein weiterer Meilenstein.

Bei der Firma Pfeiffer Chemie-Armaturenbau GmbH kam am Mittwochmorgen schweres Gerät zum Einsatz. Denn am Hooghe Weg wurde mit dem Kran eine neue Fünf-Achs-Fräs-Drehmaschine angeliefert, die mit Maßen von fünfeinhalb mal vier Metern die Größe einer ordentlichen Garage und ein Gewicht von rund 20 Tonnen hat. Pfeiffer investiert rund 1,5 Millionen Euro in die neue Technik.

Für Pfeiffer ist dies allerdings viel mehr als eine Investition in moderne Technik. Es ist der Auftakt für das dritte und damit letzte Teilprojekt einer kompletten Umstrukturierung, die bereits im Jahr 2013 begonnen hat, um die Effizienz zu steigern. Diese soll den Weg in die viel zitierte „Industrie 4.0“ bereiten.

Bei Pfeiffer werden Armaturen für die Chemie-, Öl- und Gasbranche, für Pharma- und Lebensmittelindustrie produziert. Wenn man also Gummibärchen oder Schokolade isst, Insulin oder Antibiotika benötigt, kann es sein, dass diese mit Hilfe von Ventilen, Klappen oder Pumpen von Pfeiffer durch die Rohre transportiert wurden. Ein weiterer Produktbereich ist die Molchsystemtechnik. Mit sogenannten Molchen können Rohre vollständig entleert und von innen gereinigt werden.

Seit 2013 ist das Kempener Unternehmen dabei, seine Strukturen zu überprüfen und sich völlig neu aufzustellen. „Operational Excellence“ heißt das Projekt. „Wir haben mit dem Materialfluss und Wertstrom angefangen“, erklärt Bernd Jenner, Leiter der Produktion und Prokurist bei Pfeiffer. Es folgte der Bereich Organisation und Prozesse. Alles wurde dafür unter die Lupe genommen. Die Veränderungen fingen bei der Neuordnung von Arbeitsbereichen an und reichten bis zum Bau eines hochmodernen Lagers, in dem ein Roboter die benötigten Teile automatisch anliefert. Mitarbeiter werden nun effizienter eingesetzt, können sich auf ihre Aufgabe konzentrieren und werden nicht mehr durch unnötig lange Wege oder zeitintensives Suchen aufgehalten. Statt im Zwei-Schicht-Betrieb wird in drei Schichten gearbeitet.

Weitere Erneuerungen und Einstellungen sollen folgen

Dies alles waren wichtige Grundlagen für die nun gestartete dritte Prozessstufe, in der der Fokus auf dem Einsatz neuer Technologie, Informationsfluss und Digitalisierung liegt. Damit die teure Maschine optimal eingesetzt werden kann, musste vorher das Drumherum optimiert werden. Steht die Maschine still, kostet das Geld. Im Vorfeld wurden bereits zwei zusätzliche Mitarbeiter eingestellt und unterstützende Computersysteme angeschafft, die für die optimierte Arbeitsvorbereitung sorgen. Bernd Jenner vergleicht die Produktion mit einem Reifenwechsel am Auto. Zuhause benötigt man dafür gerne mal eine halbe Stunde. Beim Boxenstopp in der Formel 1, wo alle Werkzeuge optimiert bereitstehen, alle Handgriffe sitzen und genügend Fachleute vorhanden sind, geht das in wenigen Sekunden und der Wagen ist schnell wieder im Rennen. Das soll auch für die neue Maschine gelten. Weitere Maschinenparkerneuerungen und Einstellung neuer Mitarbeiter sollen in den nächsten Jahren folgen.

Vor dem Start des Erneuerungsprozesses, das gibt Jenner zu, lief nicht alles optimal. Schnelligkeit sei heute oft entscheidend dafür, wer einen Auftrag erhält. Zudem sind die Anforderungen differenzierter. 35 bis 40 Prozent der Fertigungen bei Pfeiffer sind Sonderarmaturen, die in enger Abstimmung mit den Kunden nach deren Wünschen gefertigt werden. All dem will Pfeiffer durch die Optimierungen gerecht werden.

Die neue Maschine kann nun gleichzeitig fräsen und drehen. Sie ist schneller und vor allem zuverlässiger als ihr 16 Jahre alter Vorgänger. Die Investition ist aber auch durchaus als „Standortgarantie“ für Kempen zu sehen. „Wir wollen an diesem Standort weiter wachsen“, sagt Bernd Jenner. Zu dem bisher genutzten 13 000 Quadratmeter großen Grundstücks hat Pfeiffer bereits 2014 weitere 16 000 Quadratmeter hinzugekauft, um in Zukunft am Hooghe Weg wachsen zu können.