David Kebekus überzeugt beim Auftritt im kleinen Saal der Kulturfabrik

Rising Star : Kein Hang zum Schenkelklopfer

David Kebekus überzeugt mit eher leisem Witz beim Auftritt im kleinen Saal der Kulturfabrik.

Ausverkauft: David Kebekus füllt mit seinem ersten Soloprogramm „Aha? Egal.“ sogleich den kleinen Saal der Kulturfabrik. „Hier war ich schon ein paar Mal, das ist mein Wohnzimmer“, sagt der in Köln lebende 34-Jährige. Sicher treibt aber auch die Neugier das junge Publikum um, das gespannt ist, ob es Parallelen zu seiner berühmten Schwester Carolin Kebekus gibt. Um diesem Vergleich aus dem Weg zu gehen, nannte er sich vorübergehend David Kebe. Doch das hat er aufgegeben, weil er inzwischen gereift ist und längst seinen eigenen Weg geht. Unter anderem als Autor und Gag-Schreiber für verschiedene Comedy-Formate sowie als Regisseur der Heute-Show und von Pussy Terror TV, der Sendung seiner Schwester.

Jetzt überzeugt er auf seine ganz eigene Art auch als Comedian. Als sei er unter Freunden, nimmt er im lockeren Plauderton sein Publikum bei der Hand und hält es mit Charme über zwei Stunden lang bei der Stange. Er ist kein Wortakrobat, auch wenn er ein gepflegtes Deutsch mit leicht kölschem Einschlag spricht. Nichts und niemand scheint ihn aus der Ruhe zu bringen, und er wirkt extrem relaxt. Schenkelklopfer und Aufreger sind nicht sein Ding.

Im Programm wird
viel geschmunzelt

Sein Witz kommt eher leise daher, weshalb während des Programms weniger laut gelacht wird, aber dafür fortwährend geschmunzelt – bei stets positiver Grundstimmung. Kein Anbiedern, kein Gag um jeden Preis. Action sucht man vergeblich, er ist vielmehr das Gegenteil von hyperaktiv, wirkt souverän, gelassen und abgeklärt.

„Mit 30 hat mich die Realität eingeholt“, gesteht er. Früher habe er sich über seinen Vater geärgert, der als Rentner auf der Couch vor der Glotze hängt und gleichzeitig mit dem Laptop im Netz surft. Heute sei sein Vater ein Vorbild. „Fernsehen gucken plus Internet: He is living a fucking dream.”

Kebekus hat eine nihilistische Ader, die sich nicht an Normen und Werten orientiert, sondern den persönlichen Trieben und Neigungen folgt. „Ich laufe keiner Bahn mehr hinterher und ziehe die Couch einer Party vor. Seit ich keine Ziele mehr im Leben habe, bin ich entspannt“, sagt er, und frönt seinem trockenen Humor. „Wenn ein guter Freund mir erzählt, dass er einen beschissenen Tag hatte, bekomme ich gute Laune.“

Ähnlich kann sich das Publikum daran erfreuen, wenn es David leiden sieht. So schildert er offen sein eigenes Versagen bei seinen ersten Bühnenauftritten vor einigen Jahren. Und stellt fest, dass es doch etwas anderes sei, ob man die Texte nur liefert oder sie auch selbst erfolgreich präsentieren muss.

Die Ex wird man in den
Netzwerken nicht mehr los

Doch nicht nur das Älterwerden beschäftigt ihn, auch Umweltschutz und Klimawandel zählen zu den Alltagsthemen, deren er sich annimmt. Natürlich in seiner ureigenen Sicht. So bringe der Klimawandel uns das Meer und damit ein Strandgefühl näher. Außerdem würde er sich freuen, wenn endlich einmal jemand etwas für den Umweltschutz tun würde. Zum Beispiel gegen Kreuzfahrten – das Busfahren im Meer.

Änderungen hat er auch im Kommunikationsverhalten seiner Mitmenschen festgestellt. Leute kennenzulernen, sei in den sozialen Medien total einfach. Versuche man aber, die Ex-Freundin aus seinem Leben zu streichen, erlebe man sein blaues Wunder, weil alle mit jedem verlinkt und vernetzt seien und sie immer wieder auftauche. „Früher musste ich von meiner Ex nur die Mobilnummer im Handy löschen und weg war sie.“

Kebekus versteht sein Geschäft, weiß allein schon als Autor und Regisseur genau, worauf es humoristisch ankommt. Er haut nicht drauf und ist höchstens versteckt satirisch – ganz im Gegensatz zu seiner Schwester. Etwa, wenn er die Presse kritisiert, die heute aus jedem einen Star mache. Dabei sei doch ein Soap-Star nichts anderes als ein schlechter Schauspieler.

Auch sich selbst nimmt er mit seinen langen Haaren und mit Bart als Jesus der Armen auf den Arm. Der Stand-Upper hat fraglos Talent, ist authentisch und bietet mit seinem entwaffnenden Charme eine Alternative im oft plumpen Comedy-Geschäft. Ob es zum Star reicht, wird die Zukunft weisen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung