Krefelder Jazzkeller: Ein Vorgeschmack auf die Jazz-Rally

MUSIK : Ein Vorgeschmack auf die Jazz-Rally

Der Jazzkeller und das Festival wollen kooperieren. Als Auftakt gab es ein Konzert mit dem Xaver-Fischer-Trio.

Die Jazz-Rally in Düsseldorf ist noch ein bisschen hin, doch einen Vorgeschmack, ein Horsd’œuvre, für Krefelder Jazz-Freunde gab es schon an diesem Wochenende. Denn Jazzkeller und Jazz-Rally wollen kooperieren und als symbolhaften Einstieg in diese überfällige Verbindung der regionalen Szene gab es nun ein Konzert hier in Krefeld. Auch weitere gemeinsame Projekte seien denkbar und durchaus gewünscht, hieß es sowohl von Bernard Bosil vom Jazzkeller als auch von Boris Neisser vom Vorstand des Jazz-Rally-Veranstalters Destination. Man darf gespannt sein, was nächstes Jahr noch kommen mag. Dieses Jahr indes fiel die Wahl bei dem Auftakt auf das Xaver-Fischer-Trio, das eine reizvolle Mischung aus Jazz und elektronischer Musik spielt.

Xaver-Fischer-Trio setzt nur noch aufs Improvisieren

Songs, fertige Stücke, die man vielleicht von Platten oder Auftritten kennt zu spielen, das ist Xaver Fischer inzwischen allerdings zuwider. Immer wieder die gleichen fertigen Werke dem sehnsüchtig erwartendem Publikum – mal mit dieser oder jener Variante – vorzusetzen, das ist dem Keyboarder und seinem Trio, bestehend aus dem Bassisten Krischan Frehse und dem Drummer Hendrik Smock, zu Mainstream. So setzen die drei auf spontane Eingebung, auf Improvisation, wenngleich man weiß, dass das aus dem Moment entstehende Musizieren natürlich niemals aus dem Nichts heraus entsteht. Der improvisierende Musiker wird sich immer auch auf ihm Bekanntes, melodische motivische Keimzellen, gerade im Jazz auch harmonische Muster stützen, aus denen heraus er seiner Phantasie freien Lauf lässt.

Da der Begriff gerade fiel: Jazz kann ja heute zum Glück viel sein, dennoch und vielleicht auch deswegen ist dem Trio zeitgleich wichtig, sich nicht dem Diktat eines Stils oder eines Genres zu unterwerfen. Seinerzeit mit seinem ursprünglichen Trio zwischen 1996 und 2011 machte Fischer auch schon eine eigene Mischung aus Jazziger Grundhaltung mit viel elektronischem Synthie-Zauber. Wenn Improvisation – sich die musikalischen Bälle gewitzt und auch mal subtil zuzuspielen, rhythmische Strukturen auf melodische Schnipsel treffen zu lassen, diese in einen Rausch der Entwicklung oder auch Verwicklung aufgehen zu lassen – Jazz ist, dann ist zweifelsohne das, was das Trio bei ihrem Konzert im Jazzkeller spielte, bester Jazz.

Gerne auch über eine halbe Stunde entwickelten die drei sich auftürmende Klanglandschaften durchtränkt mit Synthie-Flächen, gespickt mit kleinen motivischen Schnipseln, die ganz schlicht wirken, aber gut wirken, wenn sie wie nicht selten mit Seele besprenkelt werden. Das kann auch mal ganz konventionell klingen oder auch mal orgiastisch ausarten in spacige Fluten. Da vermisst man das „Komponierte“ im Hintergrund auch nicht – oder fast nicht. Denn man hört trotz dichtem musikalischen Strom, wenn die Drei kurzzeitig, nach einem Faden suchend, die innere Spannung verlieren.

jazzkeller.info

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