Puppentheatertage: Kati, Ole und der Wunderbalkon

Kultur : Puppentheatertage: Kati, Ole und der Wunderbalkon

Mit einem Stück des Buchfink Theaters enden die Krefelder Theatertage 2019. Die Aufführung begeistert große und kleine Besucher.

Selbst das Dunkel des kleinen ehemaligen Kirchenraums täuscht nicht darüber hinweg, dass die letzte Aufführung der Krefelder Puppentheatertage 2019 schlecht besucht ist. Gerade einmal zur Hälfte ist das Klöske gefüllt.

Anke Zwering, eine der Organisatorinnen des Puppentheaterfestivals, kann mit dem Besuch der anderen Aufführungen jedoch sehr zufrieden sein. Zahlreiche Gastspiele von Puppentheatern aus ganz Deutschland waren sogar ausverkauft, wenn nicht mindestens sehr gut nachgefragt.

„Die Stücke ab drei Jahren werden besser angenommen“, erklärt die Mitarbeiterin des Kulturbüros. „Aber wir haben immer wieder gerne Stücke ab fünf Jahren in den Puppentheatertagen. Ich vermute einmal, dass Kinder mit fünf und älter schon selber so viel Programm haben, dass da für einen Theaterbesuch kein Platz ist.“

Für den Puppenspieler Christoph Buchfink wird es bei seiner Aufführung von „Kati, Ole und der Wunderbalkon“ nicht deutlich, dass die Stuhlreihen in der hinteren Raumhälfte leer sind. Er hat den größten Teil seines junges Publikums gleich vor der Bühne auf dem Boden bzw. einer Decke sitzend. Damit hat er das Ohr auch nah an den Kindern.

Aus einer ungewöhnlichen Perspektive startet sein Spiel. Er beginnt aus seinem Leben zu erzählen: „Es war nicht immer leicht, Kind zu sein.“ Und holt unter der Bühne eine Tischpuppe hervor, die ihm ähnelt. Sie trägt ebenso ein kariertes Hemd; aber auch die Frisur der Puppe macht deutlich, dass dieser Ole den Puppenspieler als Kind darstellt.

Das folgende Gespräch zwischen den beiden macht es unmissverständlich. Schön und witzig sind dabei die Sprünge zwischen den beiden Zeitebenen. Ole fragt Buchfink: „Kauft Mama immer noch die hässlichen Hemden?“

Dann tritt der Schwarm des schüchternen Jungen auf die Bühne. Gemeinsam mit Kati „rettet“ er schließlich einen alten Herrn, der an einer roten Ampel über die Straße gehen will.

Die Kinder freunden sich
mit Opa Gustav an
Die Kinder freunden sich mit Opa Gustav an, während sie mit anderen Erwachsenen aus dem Hochhaus, in dem sie wohnen, ihre Schwierigkeiten haben. „Wenn man groß ist, muss man dann verrückt werden?“ fragt Ole den Großvater.

„Nein“, meint der alte Herr und erklärt: „Jeder trägt eine Last auf seinem Herzen.“ Darum handeln Erwachsene eben manchmal unverständlich für die Kinder.

Natürlich lösen sich die Probleme zwischen den Generationen, auch wenn Kati und Ole mit ihrer Hilfsbereitschaft und dem Blumengießen auf Gustavs Balkon und dem Versetzen eines Ameisenhaufens erst mal für viel Wirbel sorgen.

In einer gemeinsam Runde auf Gustavs Balkon am 85. Geburtstag des Opas fallen Lasten von den Herzen, fallen Vorurteile und falsche Beschuldigungen. Buchfink erinnert sich: „Kati und ich waren beste Freunde geworden.“ Ole konstatiert: „Wir helfen immer, wir sind ja schließlich Retter!“

Nach seinem Spiel und einem langen Applaus ist Buchfink zufrieden mit seiner Aufführung im Klöske. „Eine kleine Runde ist auch von Vorteil, man ist so direkt und nahbar. Einen Jungen musste ich bremsen, aber das haben wir gut zusammen gekriegt. Obwohl das Stück 60 Minuten lang ist, waren die Kinder gut dabei.“

Es geht ihm in seinem Stück darum aufzuzeigen, was es bedeutet, alt bzw. jung zu sein. Eine Botschaft, die bei den Kleinen wie Großen ankommt und sicherlich auch nach dem Theaterbesuch noch zu Gesprächen führen wird.

Zwei junge Mütter äußern sich sehr zufrieden mit den Anregungen aus dem Stück, auch dass sogar der „letzte Flug“ – der Tod – von Opa Gustav im Spiel angesprochen wurde. „Es war ein zauberhaftes Stück über den liebevollen Umgang miteinander“, meint eine Besucherin. „Mir hat es gefallen, dass der Puppenspieler meine beiden Kinder so mitgenommen hat. Mein Sohn macht auch Quatsch, aber er tut jeden Tag sein Bestes, so wie die beiden, Ole und Kati.“ „Was wir als Erwachsene als Quatsch sehen“, ergänzt eine andere Mutter, “ ist meistens gar nicht so gemeint und das hat das Stück auch transportiert.“ Eine Großmutter, die mit zwei Enkeln, die Aufführung besucht hat, ist „rundum zufrieden“. „Es war sehr kindgerecht, das haben die Kinder gut verstanden,“ und richtet gleich noch die Frage an Zwering: „Wann sind die nächsten Aufführungen?“

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