Humor : Schicke Comedy-Helden in Mülheim

In den Brainpool-Studios in Mülheim wurde der Deutsche Comedy Preis verliehen.

Bei einer feierlichen Preisverleihung mit rotem Teppich darf es ruhig auch mal etwas schicker sein als im gewöhnlichen Leben. Da werden dann die Abendkleider und Anzüge aus den Schränken geholt und den Fotografen vor Ort präsentiert. „Ich bin gerne schick und gut angezogen unterwegs. Ohne so einen Anzug würde ich mich bei dem Anlass nackt fühlen“, erklärt Michael Mittermeier, der beim Deutschen Comedy Preis in den Brainpool-Studios an der Schanzenstraße als Laudator für die beste Comedy-Show im Einsatz war. Den Preis konnte er an Luke Mockridge für „Luke! Die Woche und ich“ überreichen.

Ebenfalls sehr elegant war Comedian Chris Tall mit Anzug und Fliege zum roten Teppich gekommen. „Ich trete in meiner Kategorie gegen die Große der Nation an, das ist für mich eine Ehre“, sagt Tall, der für den besten Komiker nominiert war. Der Preis ging an Carolin Kebekus, die von Laudator Chris Tall auch noch die Trophäe für das beste TV-Solo-Programm überreicht bekam.

Als Moderatorin des Abends überzeugte sie wieder einmal. Ihre Gäste begrüßte sie bei der gut dreistündigen Preisverleihung, die erstmal live bei RTL zu sehen war, mit den Worten: „Herzlich willkommen zur alljährlichen Selbsthilfegruppe. Das erste Mal live im Fernsehen und die lassen mich hier moderieren, die sind verrückt.“ Richtig böse Witze verkniff sich Kebekus an diesem Abend und lobte sogar Schlagerstar Helene Fischer dafür, dass diese Haltung gegen Rechts gezeigt hat.

Eine besondere Kombination ausgewählt hatte der Kölner Comedy-Star und Moderator Guido Cantz: „Schick trifft bei mir auf zerrissene Hose. Sonst wäre es zu übertrieben gewesen“, sagt der Mann im glamourösen Jackett mit Weste und Pailletten-Hemd. „Comedy ist immer wichtig und das gilt besonders in der aktuellen politischen Lage. Da sollte man auf der Bühne auch als Comedian politisch sein. Humor ist ein wichtiges Mittel, um gegen Missstände anzugehen“, ergänzt Cantz.

Nicht ganz zufrieden mit ihrem Outfit war Travestie-Star Olivia Jones: „Normalerweise brauche ich für mein Outfit so anderthalb Stunden, da gibt es inzwischen eine gewisse Routine. Aber heute wollten die Haare nicht so, wie ich wollte. Sie sehen noch immer ein wenig wie ein Vogelnest aus.“ In der Hand hatte Jones eine Banane und eine Tüte mit Studentenfutter. „Bei der letzten Preisverleihung bin ich fast verhungert, das passiert mir nicht noch einmal.“

Abdelkarim weiß da zur Not Abhilfe: „Wir sind hier in Mülheim und nicht weit weg von der Keupstraße. Da hat man, wenn es einem bei der Preisverleihung langweilig wird, direkt Döner in großer Auswahl.“ Für ihn ist der Comedy Preis immer wie ein großes Klassentreffen: „Man weiß nie, wer alles kommt, aber spannende Gespräche mit den Kollegen sind immer möglich.“

Für den Berliner Mario Barth war die Preisverleihung gleich im doppelten Sinne spannend. Zum einen war er für den besten Komiker nominiert, zum anderen war er als Laudator für den Sonderpreis zuständig, der an Gerburg Jahnke ging. „Das ist eine Frau, die ich immer bewundert habe, sie ist für mich ein Idol. Dass ich ihr diesen Preis überreich darf, ist sensationell.“

Für die beste Innovation war Michael Kessler mit „Meine heile Welt“ nominiert. „Darüber freut man sich, weil die eigene Arbeit so gewürdigt wird. Für mich ist das hier wie ein Familientreffen, da trifft man viele Kollegen, die man länger nicht mehr gesehen hat“, sagt Kessler. Der Preis ging schließlich an „Das Institut – Oase des Scheiterns“ unter anderem mit Nadja Bobyleva, Omar El-Saeidi und Christina Große.

Für die beste Satire-Show war die „Heute-Show“ (ZDF) nominiert. Vor Ort in Mülheim waren unter anderem Sebastian Puffpaff, Alexander Schubert, Martina Hill und Lutz van der Horst, der von Ehrenfeld an die Schanzenstraße kam. „Die anderen Shows sind genauso gut wie wir, ich gönne es den Kollegen, wenn sie gewinnen.“ Witze mag er nicht unbedingt. „Ich habe noch nie einen erzählt. Humor muss immer aus der Situation entstehen.“ Der Preis ging schließlich an „Mann, Sieber“ mit Tobias Mann und Christoph Sieber.

Zu den Gewinnern des Abends zählte auch Max Giermann und sein Team von „Sketch History“. Die ZDF-Sendung wurde als beste Parodie-/Sketch-Show ausgezeichnet. „Normalerweise bin ich ja immer als Laudator noch im Einsatz. Heute ist dagegen alles entspannt. Da kann ich mir sogar ein Glas Wein vor der Show gönnen“, sagt der Mann, der dank seiner vielen Verkleidungen ganz unbehelligt in der Öffentlichkeit unterwegs sein kann. „In der U-Bahn werde ich nur selten erkannt.“

Als Nominierter und Laudator war Ruhrpott-Star Markus Krebs nach Mülheim gekommen. „Preise sind schon wichtig, mein erster bedeutete den Start meiner Karriere. Ich habe mich aber auch über die Nachfolger gefreut. Heute mache ich mir ein wenig Hoffnung bei der besten Comedy-Shows.“

Ganz entspannt kam Ilka Bessin nach Köln. Als Cindy aus Marzahn war sie immer mit ihrem pinken Jogginganzug unterwegs. „Davon hatte ich etwa 15 Stück. Jetzt muss ich mir mehr Gedanken machen, was ich anziehe. Heute freue ich mich auf einen kunterbunten Abend und vor allem auf Caro als Moderatorin. Das war das Beste, was diesem Abend passieren konnte.“

Mit Vorfreude auf die Show kam auch Bastian Pastewka zum roten Teppich, der in der Kategorie beste Comedyserie nominiert war. „Ich war jetzt vier Jahren nicht mehr beim Comedy Preis und bin gespannt auf die neue Location hier in Mülheim. Wenn gute Produktionen für die Preise nominiert sind, gibt es Grund zur Freude.“ In dieser Kategorie ging die Auszeichnung an „jerks“ mit den Kollegen Christian Ulmen und Fahri Yardim.

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