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Segel-Bundesliga: DYC-Kapitän Hofmann spricht über seinen Sport

Düsseldorf in der Segel-Bundesliga : „Zu den Besten zu gehören, ist nicht selbstverständlich“

Die Bedingungen sind nicht optimal, trotzdem segelt der Düsseldorfer Yachtclub seit Jahren in der Bundesliga. Ein Interview mit Steuermann Jan-Philipp Hofmann.

Am Mittwoch haben sie sich wieder auf den Weg gemacht, die Bundesliga-Segler vom Düsseldorfer Yachtclub aus Golzheim. In Berlin steht von Freitag bis Sonntag die vierte von sechs Regatten der Saison an. Wie fast immer dabei: Steuermann Jan-Philipp Hofmann. Ein Interview über die Bundesliga, Segeln als Leistungssport und die Schwierigkeiten, mit denen man als Düsseldorfer Bundesliga-Team zu kämpfen hat.

Herr Hofmann, am Wochenende geht es nach Berlin. Welchen Stellenwert hat die Bundesliga? Ist sie für die meisten Aktiven eher ein Zweitprojekt neben den internationalen Rennen mit kleineren Teams?

Jan-Philipp Hofmann: Überhaupt nicht. Die Bundesliga wurde vor sechs Jahren von den Verantwortlichen des Sailing Teams Germany und einigen große Namen aus der Szene für die größten Vereine ins Leben gerufen. Damals hieß es: Wir müssen etwas tun, um den Sport populärer zu machen. Seitdem würde ich die Liga nicht ansatzweise als Randerscheinung bezeichnen, sondern als einen zentralen Pfeiler im deutschen Segelsport.

Wo steht die Bundesliga zwischen Hobby- und Leistungssport?

Hofmann: Definitiv im Bereich des Leistungssports. Es wird viel trainiert, die Vereine investieren viel in die Trainingsboote sowie für Trainingslager. Denen ist schon sehr wichtig, weit vorne zu landen. Und mittlerweile haben wir auch gute Sponsoren. Die Messe Boot unterstützt uns beim Chartern für Trainingsboote und die Baufirma Amand sowie das Versicherungsbüro am Brunnen haben uns einen tolles Teamfahrzeug beschafft, damit wir zu den Regatten und Trainingeinheiten reisen können.

Ihr Team war bereits vergangenes Wochenende in Berlin, um auf dem Gewässer zu trainieren, auf dem jetzt die Regatta stattfindet. Betreiben Sie immer einen so großen Aufwand?

Hofmann: Man muss nicht immer genau da trainieren, wo das Rennen stattfindet, aber es hat sich diesmal einfach angeboten. Wir waren mit acht Teams zusammen da, davon einige aus der ersten Liga. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Wind eine Woche später aus derselben Richtung kommt, ist zwar nicht so hoch, aber man bekommt schon mal ein Feeling für das Gewässer.

Wie viel Zeit investiert Ihr Team im Jahr in die Bundesliga-Saison?

Hofmann: Es gibt sechs Regatten, wir reisen immer zwei Tage vorher an, um den Tag vorher zum Training nutzen zu können. Dazu kommen das Trainingswochenende vorher, und in der Saisonvorbereitung trainieren wir etwa fünf, sechs Wochenenden.

Wie sieht das Training außerhalb des Wassers aus? Laufen, Kraftraum?

Hofmann: Das macht jeder für sich, um das in der Gruppe zu organisieren, sind wir zu weit über die Republik verteilt. Wir treffen uns nur gezielt für die Saisonvorbereitung, das Wassertraining und die Rennen.

Die meisten DYC-Segler kommen also gar nicht aus Düsseldorf?

Hofmann: Der Großteil kommt schon aus der Region: drei oder vier kommen direkt aus der Stadt, andere aus dem Duisburger Süden, mein Bruder und ich sind aus Langenfeld. Aber wir sind alle für Studium oder Beruf viel unterwegs.

Wie kommt man dazu, Segeln als Leistungssport zu betreiben? Sie investieren Zeit und Geld und bekommen kaum etwas zurück.

Hofmann: Die meisten kommen über die Familie zum Sport. Bei mir kam dann relativ früh der Punkt, dass ich Regatten gewonnen habe und in einen Leistungskader gerutscht bin. Dann will man mehr, dann geht es weiter und weiter. Man wechselt aus dem Jugend- in die Junioren- und dann vielleicht noch in eine olympische Bootsklasse. Und schon investiert man extrem viel, vor allem Zeit, aber natürlich auch Geld. Aber die Zeiten, in denen ich mehr als 100 Tage im Jahr gesegelt habe und das Studium etwas zur Seite schieben konnte, sind heute vorbei. Die olympischen Ambitionen sind begraben und der Berufsalltag ist eingekehrt.

War die Entscheidung, den Olympia-Traum aufzugeben, hart?

Hofmann: Man trauert schon der Zeit hinterher, weil es Spaß gemacht hat, so viel zu segeln und von Regatta zu Regatta durch Europa zu reisen. Aber heute bin ich in einer anderen, weniger zeitintensiven Klasse unterwegs.

Welche ist das außerhalb der Bundesliga?

Hofmann: Ich segel noch etwa 20 Tage im Jahr in der 505er-Klasse, eine Jolle für zwei Mann. Da sind wir dieses Jahr Deutscher Meister geworden, wir nehmen aber auch an internationalen Wettkämpfen teil.

Zurück zur Bundesliga: Welchen Stellenwert hat das Team für den DYC?

Hofmann: Wir sind definitiv ein wichtiger Pfeiler für den Verein. Wir waren viele Jahre der einzige NRW-Klub in der Bundesliga, obwohl wir hier am Rhein ja nicht die besten Voraussetzungen fürs Regattasegeln haben. Und trotzdem zu den besten Vereinen Deutschlands zu gehören, das ist nicht selbstverständlich. Wenn man nur mal guckt, wo die anderen herkommen: Von den großen Seen in Berlin, Hamburg, Bayern und Baden-Württemberg oder sogar direkt von der Ostsee. Die spielen in vielen Bereichen einfach in einer anderen Liga als wir.

In welchen?

Hofmann: Klubgröße, finanzielle Stärke zum Beispiel durch ihre Häfen. Die können schon etwas anderes locker machen als wir, was Trainingslager und Ähnliches angeht. Die fahren für ein Trainingslager auch mal an den Gardasee, ans Mittelmeer oder fliegen direkt nach Mallorca. Und wir sind seit Jahren das einzige Erstligateam ohne eigenes Boot.

Trotzdem gehören Sie seit Jahren zur Bundesliga. Wird es dieser Jahr wieder etwas mit dem Klassenerhalt?

Hofmann: Es wird knapp. In den letzten Jahren war das letzte Rennen immer in Hamburg oder Berlin, zwei unserer Lieblingsreviere, jetzt ist das letzte in Flensburg, das sehe ich kritisch, weil die Bedingungen auf dem Meer uns nicht so liegen. Aber das müssen wir annehmen. Grundsätzlich gilt: So lange sich an unserem Etat nichts ändert oder wir aus dem eigenen Klub keinen Topstar herauszaubern — worauf ich ja immer hoffe —, wird für es Düsseldorf jedes Jahr ein harter Kampf um den Klassenerhalt.