Holocaust-Zeitzeugin diskutiert mit Fortuna-Fans

Geschichtsunterricht für Fortuna-Fans : Holocaust-Zeitzeugin diskutiert mit Fortuna-Fans

Fortuna-Fans und der TuS Maccabi besuchen eine Synagoge und eine Zeitzeugin.

Gemeinsam mit dem Fortuna Düsseldorf Fan-Bündnis F95.Antirazzista, das aus mehreren Fangruppierungen besteht, hat der TuS Maccabi Düsseldorf eine Synagogenführung und einige Tage später ein Zeitzeugengespräch organisiert. In den letzten Tagen hat sich die Gruppe intensiv mit der Geschichte des Judentums beschäftigt. Im Mittelpunkt stand der Holocaust und die schrecklichen Taten während des zweiten Weltkriegs.

Im jüdischen Elternheim dem Nelly-Sachs-Haus besuchten Verantwortliche von Maccabi sowie 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Zeitzeugin, Frau Edith Bader-Devries. Sie erzählte über ihre persönlichen Erlebnisse während des Holocaust und auch über die Zeit unmittelbar danach. Beispielsweise wie es ihr gelang, ein Leben nach dem Krieg aufzubauen.

Ein junger Gast fragte, warum sie nicht nach dem Krieg das Weite gesucht hat, sondern trotzdem in diesem Land geblieben ist, wo diese schrecklichen Taten geschehen sind. Wie auf diese Frage, hatte sie auf alle weiteren Fragen, die gestellt wurden, immer eine überzeugende Antwort. Nach dem Krieg war sie einige wenige Jahre in den Niederlanden, kam aber zügig nach Deutschland zurück. Sie hatte sogar die Gelegenheit nach dem Krieg nach Australien ans andere Ende der Welt auszuwandern, doch sie entschied sich dagegen.

Frau Bader verlor trotz der Schwierigkeit über solche Erlebnisse zu sprechen, zwischendurch auch den Humor nicht und witzelte über einige Geschehnisse in ihrem bisherigen Leben. Sie zeigte mehrere Bilder, die ihre Geschichte beschrieben und Personen zeigten, die sie in ihrem Leben begleitet haben oder es teilweise auch noch tun. Während sie erzählte, packte sie irgendwann ihren Judenstern aus ihrer Folie und befestigte ihn auf Brusthöhe an ihrer Jacke. Dazu las sie ein Gedicht vor, welches den Namen „Ich bin ein Stern“ trug.

Nach dem Gespräch folgte ein ganz besonderes Geschenk, das Frau Bader stolz in die Höhe streckte und sich sehr darüber freute. Die Gruppe F95.Antirazzista organisierte für sie als Dankeschön einen Fußball, der von allen Spielern des Bundesligisten unterschrieben wurde.  „So ein tolles Geschenk habe ich noch nie bekommen. Und das behalte ich auch“, sagte Frau Bader. Mittlerweile hat sie nach Absprache mit ihren Söhnen ihre Meinung darüber geändert und möchte den Ball bei der nächsten Gelegenheit für einen wohltätigen Zweck versteigern.

Gespräche mit jungen Menschen über die Geschichte sind wichtig

Auch das Bündnis F95.Antirazzista war nach dem Gespräch mit Frau Bader sehr angetan von ihr: „Die Möglichkeit, mit Edith Bader-Devries über ihre Erlebnisse während des Holocausts und danach sprechen zu dürfen, ist ein äußerst kostbares Geschenk. Nichts erweckt die Vergangenheit greifbarer zum Leben als das persönliche Gespräch mit Zeitzeugen.“

Zum Abschluss gab es noch ein Gruppenfoto, auf dem ebenfalls gelacht wurde und das auch aus vollem Herzen. Sie appellierte an alle Teilnehmer: „Wir sind nicht zum Hassen auf der Welt, sondern zum Lieben. Wenn man in ein hässliches Gesicht lächelt, wird es automatisch schön.“ Es ist ihr ein großes Anliegen gerade mit jungen Menschen zu sprechen: „Mein Vater sagte, es wird nie mehr sein. Aber da es doch immer wieder Menschen gibt, die Krieg wollen und Feinde suchen oder vertrieben werden, zeigt mir, dass ich die junge Generation über die schrecklichen Erlebnisse aufklären muss“, sagte Frau Bader. Sie könne auf der Welt in ihrem Alter nicht mehr viel bewegen, aber die junge Generation kann vieles zum Positiven verändern. „Nur gegenseitiges Lieben kann etwas Gutes bewirken. Feindschaft und Hass der Menschen verdirbt das Klima und den Frieden in der Gesellschaft.“

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