Fortuna gewinnt in Hannover : Das kleine Düsseldorfer Wunder

Mit dem 1:0-Sieg bei Hannover 96 macht Fortuna die Neun-Punkte-Woche perfekt.

Das Christkind hätte wohl heftig mit dem Kopf geschüttelt, wenn ihm vor zehn Tagen ein Wunschzettel vorgelegt worden wäre, auf den ein Fortuna-Fan neun Punkte als Ausbeute aus der englischen Woche geschrieben hätte. Das schien völlig irrational und unerfüllbar. „Das kann man nicht erklären, das ist Fußball“, sagte Friedhelm Funkel, als das kleine Düsseldorfer Wunder nach Siegen gegen Freiburg (2:0), Dortmund (2:1) und nun in Hannover (1:0) Gestalt angenommen hatte. Fortuna-Kapitän Oliver Fink hatte mit seinem Last-Minute-Glücksschuss und wohl auch mit ein wenig himmlischer Hilfe für den Sieg in Hannover gesorgt und der Fortuna damit die Punkte 17 und 18 geschenkt. „18 Punkte sind drei weniger als vor sechs Jahren“, dämpfte Friedhelm Funkel in seiner typischen Art die aufkommende Euphorie. „Und damals ist Fortuna noch abgestiegen.“

Die Voraussetzungen sind diesmal andere als damals. Ein Einbruch ist bei der diesjährigen Mannschaft aus Düsseldorf im zweiten Sasionabschnitt kaum zu erwarten. Denn das Funkel-Team hat sogar noch einige Punkte leichtfertig liegen gelassen. Entscheidender aber noch sind die Moral und der Zusammenhalt des Teams, das langsam, aber stetig gelernt und die Erfahrungen in den Spielen auch umgesetzt hat.

Torschütze Fink ist auch in dieser Saison ein Spätstarter

So wie in Hannover, wo die Fortuna auf einen verunsicherten Gegner traf. Wie ein erfahrener Boxer ließen die Gäste den Gegner 45 Minuten lang anrennen und übernahmen nach der Pause die Kontrolle. Bis zur letzten Sekunde der Nachspielzeit suchten sie ihr Glück und wurden mit dem späten Siegtreffer belohnt.

„Was man uns vorwerfen kann, ist die Tatsache, dass wir das Spiel schon wesentlich früher hätten entscheiden können“, sagte Marcel Sobottka, der nach der Pause das Kommando im Mittelfeld übernommen hatte. Doch eigentlich hätte es mit dem Siegtreffer des Fortuna-Kapitäns gar nicht besser kommen können. Der 36-Jährige Oliver Fink steht für die Tugenden, die in Düsseldorf gefragt sind. Fleiß, Laufarbeit, Leidenschaft und der Glaube an den Erfolg bis zur letzten Sekunde.

„Ihm gönnen wir den Treffer besonders, nachdem er zu Saisonbeginn verletzt war und sich erst ganz allmählich wieder heran gekämpft hat“, sagte Fortunas Stürmer Rouwen Hennings, der dann lachend hinterherschob: „Ich habe die Vorarbeit geleistet, wenn man das so sagen kann.“

Der Torschütze hat sein letztes Bundesliga-Tor im März 2013 erzielt und war zwischendurch bereits auf dem Abstellgleis bei der Fortuna gelandet. Nach seinem Kreuzbandriss vor vier Jahren, mehreren Muskel- und Adduktoren-Verletzungen ist Fink auch in dieser Saison ein Spätstarter und noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte. „Olli ist für uns aber unglaublich wichtig, auf dem Platz und in der Kabine“, lobt der Trainer seinen „untadeligen Sportsmann“. Dieser bleibt auch im Moment des Erfolgs bescheiden, weil er einfach nur jeden Moment in der Bundesliga genießen will. „Ein Siegtreffer in der 90. Minute ist natürlich glücklich, aber es war heute alles andere als unverdient“, sagte Fink. Und als er gefragt wurde, was ihm da durch den Kopf gegangen ist, antwortete er unnachahmlich: „Als ich den Ball bekam, hatte ich keine bessere Idee als aufs Tor zu schießen. Und dann ist er auch noch reingegangen.“

Breitenreiters Zukunft in
Hannover ist ungewiss

Während sich die Düsseldorfer in den Armen lagen, machte sich bei den Hannoveranern Frust breit. Sieben Punkte liegt der Tabellenvorletzte bereits hinter den Fortunen. Trainer André Breitenreiter lobte zwar den Kampfgeist seiner Mannschaft, bestätigte aber, dass es in den Wochen zuvor im Team überhaupt nicht gestimmt habe. Ob der Trainer auch in der Rückrunde noch Hannover 96 trainieren darf, wird Martin Kind entscheiden. Der Klubchef gab Breitenreiter eine kurzfristige Jobgarantie, die Sportchef Horst Heldt mehr oder weniger zähneknirschend bestätigte.

Ob die Profis nun tatsächlich keinen Weihnachtsurlaub erhalten, wollte Breitenreiter nach dem Spiel weder bestätigen noch dementieren. Mit dieser Maßnahme, die bei den Spielern auch öffentlich auf wenig Gegenliebe stößt, versucht der Trainer das Team zusammen zu schweißen. „Ich bin froh, dass ich damit nichts zu tun habe“, sagte Friedhelm Funkel. „Ein schlechtes Gewissen, mit meiner Mannschaft für diese Probleme gesorgt zu haben, verspüre ich nicht. In der Hinsicht bin ich Egoist hoch drei.“ Und Fortuna kann jetzt tatsächlich in himmlischer Ruhe Weihnachten feiern.

Mehr von Westdeutsche Zeitung