Fortuna Düsseldorf: Genki Haraguchi: Über die Fortuna zur WM

Fortuna Düsseldorf : Genki Haraguchi: Über die Fortuna zur WM

Der neue Japaner hatte Angebote aus Bundesliga, Einsatzzeit waren ihm wichtiger.

Genki Haraguchi hatte ernstzunehmende Angebote aus der Fußball-Bundesliga. Und trotzdem ist er von Hertha BSC lieber nach Düsseldorf als nach Bremen gegangen. „Die 1. Liga wäre besser gewesen, um mich leichter fürs Nationalteam zu empfehlen. Ich wollte aber lieber in einer Mannschaft spielen, für die es um den Aufstieg geht als gegen den Abstieg“, sagt der von Fortuna bis Juni ausgeliehene Japaner sehr bestimmt.

Was für ihn ebenfalls feststand: Wenn schon 2. Liga, dann nur die Fortuna. Das liegt nicht etwa an der großen japanischen Gemeinde in Düsseldorf oder am vielleicht noch halbwegs zu vergleichenden Großstadtflair. „Der Wechsel hierhin hatte rein sportliche Gründe“, sagt der 26-Jährige, der seine sportliche Klasse in den beiden siegreichen Spielen der Fortuna gegen Aue (2:1) und in Kaiserslautern (3:1) zuletzt eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte. „So ist mir die Eingliederung ins Team natürlich leichter gefallen, weil die Mitspieler nach meiner Leistung in Kaiserslautern gemerkt haben, dass ich der Mannschaft tatsächlich helfen kann.“

Dasselbe will er im Sommer auch über die japanische Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland behaupten können. Aber um für sein Heimatland nominiert zu werden, muss Haraguchi spielen. Da würde auch die 2. Liga in einem Spitzenteam zu reichen, meint der Stammspieler der japanischen Nationalelf. „Deshalb war ich froh, dass es bei der Fortuna auf Anhieb so gut geklappt hat.“

Unter Trainer Pal Dardei hatte er bei der Hertha zuletzt nur auf der Bank gesessen. Die beiden Spielzeiten zuvor, in denen Haraguchi unumstrittener Stammspieler war, zählten in der Hauptstadt offensichtlich nicht mehr viel. Für seine Position habe Hertha zudem Alternativen verpflichtet. Und da sich der Offensivspieler auch noch mit leichteren Verletzungen herumgeplagt hatte, kam er in der aktuellen Saison nur auf sieben Einsätze mit gerade mal 207 Spielminuten.

Dass er offensiv eine Waffe sein kann, davon können die Kaiserslauterer berichten. Ein Tor und zwei Torvorbereitungen — wenn das Herausholen des Elfmeters mitgezählt werden darf — trugen maßgeblich zum 3:1-Erfolg des Tabellenführers am Betzenberg bei. Trotzdem beantwortet er die Frage, ob die Klasse der Fortuna denn für einen Aufstieg ausreichen würde, mit der typisch japanischen Bescheidenheit: „Wir haben die Qualität, um oben zu bleiben. Aber der Unterschied zwischen Mannschaften wie der Fortuna und zum Beispiel Kaiserslautern ist so klein, dass alle noch kommenden Spiel schwierig sein werden.“

In Sachen eigene Qualitäten verkauft sich Haraguchi dagegen eher offensiv. „Ich bin ein typischer Teamplayer, versuche überall zu helfen, wo es nötig ist. Ich gebe nie auf und bin immer mit 100 Prozent bei der Sache“, sagt er. Das bestätigt sein neuer Kapitän. Oliver Fink hat unter anderem beobachtet, dass Genki Haraguchi seinem Landsmann Takashi Usami aufgebaut und wieder zum Lachen gebracht hat.

Das „große Ziel“, wie Haraguchi den möglichen Aufstieg nennt, steht genau so auf seiner To-Do-Liste wie die WM-Teilnahme. Danach könnte sich der Japaner vorstellen, in Düsseldorf zu bleiben. Allerdings hat die Hertha seinen Vertrag bis 2019 verlängert. „Ganz ehrlich, da habe ich keine Ahnung. Warten wir den Sommer mal ab, dann wird die Entscheidung fallen“, sagt der 26-Jährige, der in Düsseldorf derzeit für seine Familie, Frau und Labrador-Hund („Sie ist wie eine Tochter“). eine Wohnung sucht. Vielleicht lebt er dort ja doch länger als nur die nächsten vier Monate.

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