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Kunstfreund, Bauchmensch und „ein Macher schöner Dinge“

Kunstfreund, Bauchmensch und „ein Macher schöner Dinge“

Hans Peter Nacke folgt zwei ungeschriebenen Gesetzen: Bücher müssen einen Stadt- oder Kunst-Bezug haben.

Wuppertal. Stolz hält Hans Peter Nacke das neueste Produkt seines Hauses in den Händen: Jüngst ist in seinem Verlag Anne Linsels „Tanzträume“ erschienen, das Buch zu ihrem „Kontakthof“-Film über die Arbeit von Pina Bausch mit Jugendlichen (die WZ berichtete).

Eine lange Tradition verbindet Hans Peter Nacke mit Pina Bausch, bringt er doch jährlich den beliebten Kalender mit Tanztheater-Fotos von Jochen Viehoff oder, wie im Kalender für 2012, mit frühen Aufnahmen von Günter Krings heraus.

Begonnen hat alles 1981, als Nacke zusammen mit Kurt W. Steffens, dem Vater von Philosoph und Schriftsteller Andreas Steffens, die Galerie Epikur wieder eröffnete: „Die Kunst hat mich seit meinem 14. Lebensjahr interessiert und bis zum 30. habe ich selbst aktiv gemalt, allerdings als Hobby und ohne Ambitionen, ausgestellt zu werden. Der Kunst und der Typographie galt mein großes Interesse.“

Ins Jahr 1981 fällt auch die Gründung der Druckerei KG und bald wurde die Idee geboren, ein Buch über Wuppertal herauszugeben — logische Weiterentwicklung des gelernten Druckers zum Verleger, der zudem eine kaufmännische Lehre absolviert hat. „Wir wollten ein Buch machen, das nicht die Postkarten-Idylle mit Geranien in Blumenkästen zeigt“, sagt Nacke.

So entstand 1998 „(K)ein anderes Wuppertal“ zusammen mit Max Christian Graeff und Björn Ueberholz, das die verborgenen und eigenwilligen Schönheiten der Stadt in Bild und Text zeigt. Viele Bücher sind gefolgt und entsprechen dem Verlags-Programm: Sie müssen einen Kunst- oder einen Wuppertal-Bezug haben.

Etliche Bücher sind vergriffen und Raritäten, die die Entwicklung und das Leben in Wuppertal beschreiben — etwa die Bücher von Klaus Göntzsche über kleine Läden, die es kaum mehr gibt, oder über berühmte Künstler, für die Wuppertal das Sprungbrett in die Karriere war. Auch Künstler-Editionen, etwa ein Brötzmann-Katalog oder „Umrisse“ mit Scherenschnitten von Hartmut Klug, sind im HP Nacke Verlag vertreten. Seit 2009 erscheint im Zwei-Monats-Rhythmus „Die beste Zeit“, das „Magazin für Lebensart“, das sich zum Kultur-Magazin entwickelt hat.

„Eigentlich sehe ich mich gar nicht als Verlag. Reich kann man damit nicht werden“, gesteht der 65-Jährige. „Ich bin vielmehr als reiner Bauchmensch ein Macher schöner Dinge.“

Dass beim Machen die Qualität der Gestaltung und die individuelle Beratung absoluten Vorrang haben, dokumentieren die Produkte: Sie wirken allesamt wie Unikate, wie handgemachte, editorische Kostbarkeiten.

Und wenn Hans Peter Nacke mal abschalten muss im Druckhaus mit 15 Mitarbeitern an der Friedrich-Engels-Allee, tollt er mit seinem verspielten Tibet-Terrier durch den Flur: Das schwarze Woll-Knäuel Lela weicht ihm nicht von der Seite.

Nähere Informationen zum Verlag gibt es unter www.hpnackekg.de