Weihnachten mal anders: Ein Ensemble beschenkt sich selbst

Weihnachten mal anders: Ein Ensemble beschenkt sich selbst

Das Taltontheater wird sesshaft und verbringt die Festtage auf der Baustelle.

Wuppertal. „Weihnachten gibt es nicht. Zumindest nicht für uns.“ David Meister freut sich trotzdem — nicht unbedingt darauf, dass das Ensemble des Taltontheaters keine Zeit für einen Bescherungsmarathon im Familienkreis haben wird, dafür aber auf ein Geschenk, das noch gar nicht fertig ist. Doch der Schauspieler ist guter Dinge — auch wenn die Feiertage alles andere als geruhsam werden dürften.

Diesmal verbringt er das Fest der Feste ja auch an einem eher unbeschaulichen Ort: auf einer Baustelle. Insgesamt 230 Quadratmeter nennt das Wuppertaler Taltontheater seit kurzem sein Eigen. Das Ensemble beschenkt sich sozusagen selbst — mit einem neuen Theater. Es ist die erste eigene Bühne, die die Truppe um Regisseur Jens Kalkhorst mit kleinen und großen Dramen, mit Lesungen und vor allem mit Komödien füllen möchte.

Am 21. Januar soll es so weit sein — damit sich der Vorhang an der Wiesenstraße 118 zum ersten Mal heben kann, müssen allerdings erst einmal die Feiertage genutzt werden. Noch gleicht die 50 Quadratmeter große Erhöhung, die bald schon das Herzstück — eine richtige Bühne — sein soll, nämlich eher einer Ablage für Getränkeflaschen, Leitern und allerlei Handwerker-Utensilien.

„Der Theatersaal wird auf jeden Fall pünktlich fertig werden — und wenn wir noch fünf Minuten vor der ersten Aufführung den letzten Staub wegfegen müssen“, kündigt Meister an. Ob zum großen Stichtag auch die Backstage-Räume bezugsfertig sind, steht hingegen noch in den Sternen — das allerdings sei auch zweitrangig, wie der Schauspieler erklärt.

Hauptsache, das Ensemble kann endlich wieder das tun, was seit Monaten zu kurz gekommen ist: Meister und seine Kollegen möchten einfach „nur“ Theater machen. Wie schwierig es ist, nicht nur das passende Programm zu bieten, sondern vor allem auch die richtigen Rahmenbedingungen zu haben, hat die Gruppe in den vergangenen Monaten schmerzhaft erfahren. Als sich die damalige Geschäftsführerin Martina Steimer überraschend aus dem Rex-Theater zurückzog, verlor das Taltontheater quasi über Nacht seine Haupt-Spielstätte (die WZ berichtete).

Nach einer monatelangen Odyssee zieht das Ensemble nun an die Wiesenstraße — und macht aus der Not eine Tugend. „Es wäre wahnsinnig schön, wenn hier ein neues Kulturzentrum entstehen könnte“, sagt Meister. Wenn das Ensemble nicht selbst spielt, möchte es die neuen Räume vermieten. Auch neue Schulprojekte kann sich der Schauspieler vorstellen. „Wir haben jetzt viele Möglichkeiten und werden uns mit dem städtischen Kulturbüro zusammensetzen.“

Das Ziel ist hoch gesteckt, der Druck ist ebenfalls groß. Rund 50 000 Euro stecken Vereinsmitglieder aus eigener Tasche in das neue Zuhause — mittels privater Darlehen. Weitere 25 000 Euro steuern Spender und Sponsoren bei. Damit sich das Ganze rechnet, muss das Haus quasi immer halbvoll sein. „Es trägt sich, wenn wir bei jeder Vorstellung durchschnittlich 40 Zuschauer haben.“ Maximal 80 können am Ende im neuen Theatersaal Platz nehmen.

Mehr von Westdeutsche Zeitung