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"Der kleine Vampir": Blutsauger kennen keine Feiertage

"Der kleine Vampir": Blutsauger kennen keine Feiertage

Als Spießbürger im Vampir-Fieber: der Liebe Theater. Mit dabei ist Ralf Grobel: Er gibt den Spießer und genießt seine Vaterrolle.

Wuppertal. Was Ralf Grobel in den vergangenen Wochen erlebt hat, ist — im wahrsten Sinne — märchenhaft. Und weil der Siegeszug der Vampire noch nicht zu Ende ist, wird der Schauspieler weitermachen und Weihnachten im Rampenlicht erleben — obwohl oder gerade weil er kein Blutsauger ist, sondern auf der anderen Seite steht und zu den menschlichen Protagonisten gehört.

Seit vier Wochen hört Ralf Grobel auf den Namen Anton Bohnsack, dabei ist er verheiratet mit An Kuohn und stolz auf seinen Sohn Anton junior, der wiederum sein blaues Wunder erlebt und Bekanntschaft mit einer Vampirsfamilie macht.

Das alles ist natürlich zu märchenhaft, um real zu sein, und deshalb muss an auch die Wahrheit ans Licht: Ralf Grobel ist und bleibt Ralf Grobel, er ist verheiratet mit Susanne und hat zwei Söhne, die wiederum mächtig stolz auf ihren Vater sind. Wer kann auch schon mit Fug und Recht behaupten, dass der eigene Papa gerne Theater macht und dafür auch noch gefeiert wird?

Jakob (14) und Jonathan (5) können es. Und so wundert es nicht, dass die beiden hellauf begeistert waren, als „Der kleine Vampir“ Familie Bohnsack auf die Pelle rückte. Am Nikolaustag haben sie eine Vorstellung, sprich ihren Vater am Arbeitsplatz besucht — und der liegt spannenderweise nicht in einem Bürogebäude, sondern im Theater.

Ob sie mit der Leistung des Vaters am Ende zufrieden waren? „Ich glaube schon“, sagt Grobel und lacht. „Besonders der Kleine war ganz aufgeregt und fand es toll, mich auf der Bühne zu sehen. Seitdem ist er im Vampir-Fieber und redet von nichts anderem.“

Dass der 51-Jährige strahlt, hat allerdings noch einen ganz anderen Grund. Als er so alt war, wie es seine Söhne heute sind, „hatte ich zusammen mit meinem Vater ein Abo der Wuppertaler Bühnen“. Die beste Basis also für prägende Erlebnisse: „Wir sind oft ins Theater gegangen. Das war etwas ganz Besonderes — da hat es angefangen.“ Damals ahnte er freilich noch nicht, dass er später einmal neben Hans Richter, den er einst als Zuschauer bewundert hatte, selbst im Rampenlicht stehen sollte: Vor zehn Jahren spielten die beiden an der Seite von Pippi Langstrumpf. „Wir waren die Räuber, Polizisten und Kaffeetanten. Eine schöne Zeit!“

Gerne erinnert er sich auch an den Einstieg ins Show-Geschäft. Kein Wunder: Grobels erste Rolle war eine echt heldenhafte. Im Schultheater, am Gymnasium Vohwinkel, startete seine Karriere gewollt dramatisch: „Ein wahrer Held“ hieß das Stück, indem er die Titelrolle spielte. „Wir hatten einen wunderbaren Lehrer“, betont Grobel. „Da ging einem das Herz auf.“

Den Wunsch, regelmäßig Theater zu machen, hatte der gebürtige Wuppertaler damals schon. Trotzdem begann er zunächst ein Lehramtsstudium (Deutsch und Geschichte). „Das hat auch Spaß gemacht, doch nach dem Grundstudium habe ich mir gesagt: Wenn ich es jetzt nicht zumindest versuche, nehme ich mir das später übel.“ Also versuchte er es — und wurde prompt genommen. An der Essener Folkwang-Hochschule klappte es direkt beim ersten Versuch — ein seltenes Glück für angehende Schauspieler.

Ralf Grobel, Schauspieler, über seine Anfängerzeit.

Von dort ging’s ans Landestheater Tübingen, ans Westfälische Landestheater nach Castrop-Rauxel und ans Theater Augsburg: „Ich hatte damals Hummeln im Hintern“, sagt Grobel.

Heute wirkt er, als habe er seinen Platz längst gefunden — in Cronenberg, wo er „direkt am Wald“ wohnt. Steht er allerdings im Rampenlicht, gibt er gerne den Spießer: Weil es die Rolle so will, ist Grobel als Bühnen-Vater „manchmal zu besorgt und behütend. Aber wer Kinder hat, kennt das ja . . .“ Der 51-Jährige überlegt sehr genau, bevor er antwortet. Er spricht ruhig, wägt ab, geht in sich. Da verwundert es fast ein wenig, wenn er auf die Frage nach der Traumrolle diese Antwort findet: „Ich liebe Figuren, die von etwas besessen sind. Das ist das Schöne an meinem Beruf. Auf der Bühne tritt zu Tage, was man im Privaten nicht unbedingt lebt.“

Apropos: Dass er am zweiten Feiertag auf der Bühne statt im heimischen Wohnzimmer steht, betrübt ihn keineswegs: „Ich spiele das Stück wirklich gerne.“ Das glaubt man ihm aufs Wort, immerhin gibt es ja auch viele kleine Hände, die großen Applaus spenden: Rund 9500 Zuschauer dürften es am Ende — nach 42 Vorstellungen — gewesen sein. Trotzdem ist kein Auftritt wie der andere: „Mal ist es ganz leise, mal entsteht ein Lärm, als ob ein Flugzeug startet.“ Zuletzt waren junge Vampir-Fans beim Zugabe-Lied kaum zu bändigen: „Das war wie bei einem Rockkonzert. Sie haben die Bühne gestürmt und uns abgeklatscht. Das war ein unglaublicher Moment.“ Mit anderen Worten: einfach märchenhaft.