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Sinfoniker setzen auf Schwermut, Süße und ein idyllisches Lied

Sinfoniker setzen auf Schwermut, Süße und ein idyllisches Lied

Trotz Erkältungswelle überzeugten die Musiker im Konzert.

Wuppertal. In die Zeit der Erkältungswellen fiel das 4. Sinfoniekonzert in der Stadthalle. Und nicht nur die Zuhörer kämpften gestern mit Husten- und Nies-Attacken — auch Dirigent Toshiyuki Kamioka wirkte angeschlagen. Dennoch, und das zollt großen Respekt, führte er seine Musiker engagiert und gewohnt sicher durch Mozarts C-Dur- und Mahlers vierte G-Dur-Sinfonie.

Mozarts dreisätzige Sinfonie Nr. 34 (KV 338) gehört zu den frühen Salzburger Sinfonien und ist von den Streichern dominiert. Festlich, groß angelegt und leicht pulsierend kommt der Kopfsatz daher, dem Kamioka viele feine dynamische Gewichtungen gibt.

Eine typisch intime Mozart’sche Liedhaftigkeit der Streicher, wo Süße und Schwermut so dicht beieinander liegen, kennzeichnet den langsamen Mittelsatz, wogegen der wirbelnde, stark rhythmische Schlusssatz mit Trompeten- und Pauken-Akzenten einen schmissigen Kehraus liefert. Die übliche Warnung („Beginne kein Konzert mit Mozart“) brauchen die Wuppertaler Sinfoniker also nicht zu beachten: Sehr überzeugend gestalten sie die liebenswerte, kurze Sinfonie.

Gustav Mahlers Vierte beherrschen diese Satzbezeichnungen: „Bedächtig — nicht eilen“, „In gemächlicher Bewegung — ohne Hast“, „Ruhevoll“ und „Sehr behaglich“. Dabei geht es mit großem Schlagwerk-Aufgebot durchaus nicht nur ruhig zu.

Den ersten Satz läuten kecke Flöten und Schellen ein, die immer wieder, in verwandelter Form anklingen. Fast klassizistisch wirkt der Satz mit seinen Celli-Weisen, der singenden Solo-Violine, den präsenten Bläsern. Wie viele Unklarheiten, die es auszudiskutieren gilt, wechseln die Instrumentengruppen und Soli zwischen Ruhe und großer Steigerung.

Ganz konfus wirkt zunächst der Beginn des zweiten Satzes mit extremen Takt- und Rhythmuswechseln und vielen kammermusikalischen Parts. Unheimlich klingt die höher gestimmte Solo-Violine, idyllisch ein angedeuteter Ländler, markant die Bläsersignale mit hochgereckten Instrumenten, die den Klang pointieren. Den dritten G-Dur-Satz beherrschen Dur-Thema und Moll-Antwort, in die die Streicher klagende und seufzende Glissandi fügen. Ersterbend schön, wild auffahrend und wieder erschlaffend ergreift die Musik in ihrer perfekten Ausführung in hohem Maße.

Sopranistin Kirsten Blanck singt im letzten Satz das schlichte Lied von der Paradiesidylle — nicht immer textdeutlich und manchmal zu leise. Dennoch kann ihr fein timbrierter Sopran weitgehend überzeugen.

Besonders in der letzten Strophe gelingt es ihr, das geforderte „mit kindlich heiterem Ausdruck, durchaus ohne Parodie!“ umzusetzen. Und die Liedmelodie mit Zwischenmusiken, in denen die Glöckchen wieder auftauchen, bestimmte das gesamte Thema der Sinfonie: Es ist ein Werk, das von seinem Ende her gedacht ist.