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Baumpaten in Kempen: Helfer für die heißen Tage

Baumpaten in Kempen : Helfer für die heißen Tage

Baumpaten wässern die Pflanzen an der Magdalene-Fervers-Straße in Kempen.

Mit dieser schnellen und positiven Resonanz hatten Waltraud und Anders Wackernagel gar nicht gerechnet. Schon seit Jahren kümmern sich die Anwohner der Magdalene-Fervers-Straße um die Bäume direkt neben ihrem Grundstück. Jeden Tag wird an heißen Sommertagen gewässert und bei Bedarf die Anlage noch von Unrat befreit.

Nun wollten sie ihre Nachbarn ebenfalls dafür gewinnen, und haben sie dazu aufgerufen, Baum-Paten zu werden und sich um die städtischen Grüninseln vor den Häusern zu kümmern. „Es hat super funktioniert. Wir haben für jeden Baum einen Paten gefunden“, sagt Waltraud Wackernagel.

Die Natur leidet besonders seit ein paar Jahren unter der großen Trockenheit im Sommer. Das gilt auch für die Bäume, die im Zuge der Entstehung des Baugebietes vor rund zehn Jahren gepflanzt wurden. Um der Natur unter die Arme zu greifen, hatte das Paar Patenschaften für vier Inseln übernommen und die Stadt gebeten, die grünen Wasser-Vorratsbehälter für die drei Bäume zur Verfügung zu stellen.

Die Stadt hatte zugesagt und schnell geliefert. Die Behälter, die je 60 Liter fassen, entleeren sich tröpfchenweise an der Baumwurzel in etwa sechs bis zwölf Stunden. Diese Säcke müssen je nach Wetterlage aufgefüllt werden. Die Stadt komme allerdings mit der Befüllung dieser Säcke nicht nach. Den Eheleuten ging es darum, bei den Nachbarn ein Verantwortungsgefühl für die „kostbaren grünen Inseln“ zu wecken. Sie kümmerten sich um die Beschaffung und Anbringung der Wasserbehälter. Auch für die 13 Bäume, für die Nachbarn Patenschaften übernahmen, lieferte die Stadt prompt.

Fährt man die Magdalene-Fervers-Straße entlang, so sieht man, dass hier viele Anwohner einen „grünen Daumen“ zu haben scheinen. Zahlreiche Vorgärten sind entlang der Straße schön bepflanzt, es grünt und blüht. Für Waltraud und Anders Wackernagel ist es selbstverständlich, der Natur wo es geht, wieder ein wenig Platz einzuräumen.

Die Steinwüsten, die heutzutage vielerorts die Vorgärten zieren, sind ihnen ein Graus. Anders Wackernagel würde sich wünschen, dass die Stadt an dieser Stelle engagierter vorgeht, damit die geltenden Regeln auch von allen eingehalten werden.

Das Baumpaten-Projekt der Nachbarn könnte ein gutes Beispiel für die Stadt sein. Ob es weitere Initiativen in dieser Richtung bereits gibt, kann an dieser Stelle nicht mitgeteilt werden. Eine entsprechende Anfrage der WZ in der Pressestelle der Stadt zum Thema Baum-Patenschaften blieb mehr als eine Woche unbeantwortet.

Bereits in der letzten Sitzung des Umweltausschusses im Juni hatte aber Grünflächenamtsleiterin Patricia Schürmann vom kritischen Zustand der Bäume in der Stadt berichtet. Die Trockenheit begünstigt Krankheiten und setzt den Bäumen so zu, dass etliche schon in den ersten Monaten dieses Jahres gefällt werden mussten.

Neuanpflanzungen, Pflanzungen aus den Vorjahren sowie ausgewählte Bäume und Anlagen müssen die Mitarbeiter des Bauhofs bereits seit Anfang April mit Wasser versorgen. Der Großteil des Altbestandes muss allerdings ohne spezielle Bewässerung über die Runden kommen.

Für diese hofft das Grünflächenamt auf die Mithilfe der Bürger. Da sich in den vergangenen Sommern auch immer wieder Kempener gefunden hätten, die Straßenbäume und Beete vor ihrer Haustür wässern, erneuerte das Grünflächenamt nun seine Bitte um Unterstützung. Die grünen Bewässerungssäcke seien nur an etwa 500 Bäumen im gesamten Stadtgebiet im Einsatz, so Patricia Schürmann im Ausschuss. Die städtischen Mitarbeiter seien aber für rund 14 000 Bäume im Stadtgebiet zuständig.

kempen.de