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Kempen: Kommentar zum Ärger um den Sirenenalarm

Kommentar : Die falsche Entscheidung

Die Entscheidung der Stadt Kempen, die Beschwerde-Anrufer unter der 112 nicht anzuzeigen, ist vollkommen falsch.

Es war ein starkes Signal, das Bürgermeister Volker Rübo und Feuerwehrchef Franz-Heiner Jansen nach dem Sirenen-Ärger in der Ratssitzung gesendet haben. Sie stellten sich demonstrativ vor die vielen freiwilligen Feuerwehrleute und prangerten die Kritik aus der Bürgerschaft an. Unterstützt wurde dies von mehrfachem Applaus der Fraktionen. Und dann folgte auch noch die gute Anregung von Lutz Strothmann (SPD), das missbräuchliche Nutzen der Notrufnummer zu verfolgen und womöglich mit aller Härte zu bestrafen. Erneut Applaus.

Und das war’s dann. „Nach Abwägung der Gesamtumstände“ – was auch immer das heißen mag – verzichtet die Stadt auf Anzeigen. Das ist alles andere als ein starkes Signal. Das ist die vollkommen falsche Entscheidung. Mit Strafanzeigen – wie viele es auch immer gewesen wären – hätte die Stadt ein spürbares Zeichen gesetzt. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungskräfte schon seit längerem immer wieder Pöbeleien und Übergriffen ausgesetzt sind – vor allem in Großstädten. Im Kleinen hätte die Stadt Kempen deutlich machen können, dass die Verwaltung und sicher die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sich vor die vielen ehren- und hauptamtlichen Helfer stellt.

Die Handlungen im Zusammenhang mit dem Sirenen-Ärger ernsthaft zu verfolgen, wäre ein wichtiges Symbol gewesen. So aber wird das Thema im Sande verlaufen. Auch die Berichterstattung der Medien und die daraus resultierenden Diskussionen werden irgendwann verhallen.

Womit wir beim Thema Kommunikation wären. In Sachen Einsatz der Sirenen ist diese seitens der Stadt (mal wieder) nicht gut. Denn es ist weiterhin ungewöhnlich, dass die Bevölkerung des Nachts per Sirene geweckt wird. Schließlich hat es das über Jahrzehnte nicht gegeben. Daher ist es völlig logisch, dass viele aufgeschreckt sind und womöglich sofort an ein schlimmes Ereignis denken, das Auswirkungen auf viele tausend Bürger hat. Wenn es sich dann „nur“ um einen Wohnungsbrand handelt, tauchen Fragen auf. Und diese haben die Behörden bislang nicht ausreichend beantwortet. Daher ist es wichtig, dass in Sachen Alarmierungen Aufklärungsarbeit geleistet wird. In dieser Angelegenheit könnte man die sogenannten Sozialen Medien tatsächlich mal für etwas Sinnvolles nutzen.

Abschließend mache ich aber noch einmal deutlich, dass Unwissenheit und Unsicherheit keinesfalls rechtfertigen, sich über die Notrufnummer 112 zu beschweren. Zudem sollen Mitarbeiter der Leitstelle beleidigt worden sein. Und auch die Ehrenamtler der Kempener Feuerwehr sollen sich in den Tagen danach einiges angehört haben. Wenn das stimmt, ist das nicht weniger als eine Unverschämtheit.

tobias.klingen@wz.de