Wülfrath : Flüchtlingshilfe sucht Deutschlehrer

Inga-Vorsitzender Paul Surminski ging in der Wülfrather Fußgängerzone auf Pädagogensuche.

Für einiges Aufsehen konnte Paul Surminski, der Vorsitzende der Wülfrather Flüchtlingshilfe Inga, mit seiner Aktion in der Fußgängerzone schon sorgen. Mit einer von ihm gestalteten Anzeige auf einer überdimensionalen Zeitungsseite machte Surminski Passanten darauf aufmerksam, dass die Flüchtlingshilfe dringend einen Deutschlehrer für einen ihrer Schützlinge sucht. „Unter Wahrung des derzeit gebotenen Abstands bin ich schon mit einigen Leuten ins Gespräch gekommen, aber leider war keine passende Lehrerin oder ein Lehrer dabei“, sagt der Inga-Vorsitzende im Gespräch mit der WZ. Deshalb hat er sich mit seinem Anliegen nun auch an die örtlichen Medien gewandt.

Konkret geht es der Inga um Nachhilfe in deutscher Grammatik für einen jetzt 18-Jährigen, der 2015 vom Horn von Afrika den Weg nach Wülfrath fand. „Kurz vor seinem Abschluss mit dem Fachabitur merkt er jetzt, wie plötzlich alle seine Noten leiden, weil er Schreibfehler macht. Und wenn er länger überlegt, wie man etwas schreibt, bleibt weniger Zeit für die Lösung des eigentlichen Problems. Wenn man mit ihm spricht, sieht das ganz anders aus. Mit etwas Hilfe klappt das mit der Integration bestimmt. In der Schule bekommt er das nicht mehr beigebracht“, erklärt Paul Surminski. Noch vor der Corona-Pandemie sei bereits ein von der Inga Betreuter stolz mit einem Schreiben der Rentenversicherung zur Beratung gekommen. „Dass jemand in die Rentenkasse einzahlt, halte ich für ein positives Indiz der Integration“, so Surminski.

Der Corona-Virus schränkt auch die Arbeit der Flüchtlingshilfe stark ein. Zehn Aktive aus dem Verein mit gut 30 Mitgliedern betreuen normalerweise Flüchtlinge in Wülfrath im direkten Kontakt. Einmal pro Woche durfte die Inga dafür auch die CDU-Geschäftsstelle in der Fußgängerzone nutzen. „Doch der kleine Raum steht uns coronabedingt nicht mehr zur Verfügung. Außerdem hat die Stadt Wülfrath uns untersagt, die Flüchtlingsheime zu besuchen. Uns bleibt nur noch der Austausch über das Handy oder mit Hilfe von Zoom-Videokonferenzen. Das ist nicht schön, lässt sich aber derzeit nicht ändern“, so Paul Surminski. Der Inga-Vorsitzende hofft, dass das Raumproblem für den Verein künftig dauerhaft im WIR-Haus gelöst werden kann.

Nach Einschätzung der Inga wohnen in Wülfrath einige Flüchtlinge nicht mehr im Heim, sondern sind anerkannt, haben eine Lehre angefangen, arbeiten schon oder gehen noch zur Schule. Der Bedarf für einen Pädagogen für das Fach Deutsch sei somit weitaus größer. „Hier leben mehrere Hundert Flüchtlinge“, so Surminski. Und fügt hinzu: „ Wer als Quereinsteiger die Schulbänke drückt, hat das Problem, dass im Deutschunterricht die Grammatik meist schon behandelt worden ist. Für Ausländer wirkt sie manchmal etwas unregelmäßig und inkonsequent, denn wieso ist das Weib nicht weiblich und eine Sache nicht sachlich? Wer die Sprache als Kind erlernt und über viele Jahre hört und übt, macht vieles automatisch richtig. Wer Deutsch als Fremdsprache erlernt, tut sich da schwerer und braucht extra Hilfe.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe mit dem „Wir schaffen das“ vor fünf Jahren den Bundesbürgern eine Botschaft zur Flüchtlingslage ins Merkheft geschrieben. Das stehe einerseits eine beruhigende Bestätigung, aber auch für die Aufforderung, sich persönlich zu engagieren. „Denn mit ,wir’ sind wir alle gemeint. Und einiges ist so bereits erreicht worden. Wir schaffen das. Die Frage ist nur wie gut und wie schnell. Und das hängt auch davon ab, wie viele mithelfen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir doch noch einen Deutschlehrer finden“, sagt der Inga-Vorsitzende. Interessierte können sich per E-Mail an paul.surminski@arcor.de oder unter Telefon 02051/63 913 melden.