Freizeit: Hülser kämpfen für ihr Schwimmbad

Freizeit : Hülser kämpfen für ihr Schwimmbad

Knapp 40 Bürger setzen sich leidenschaftlich für eine Alternative zum stillgelegten „Naturbad“ ein.

Zwei Stunden dauerte am Mittwochabend der öffentliche Workshop, zu dem die Stadt die Hülser Bürger eingeladen hatte. Eine richtige Entscheidung, denn das Interesse war groß. Knapp 40 Teilnehmer waren gekommen – ein Querschnitt aus Bürgern, Verantwortlichen von Sportvereinen, Politikern und Verwaltungsexperten der Stadt.

Entsprechend vielseitig waren die Vorschläge und Meinungen, wie das künftige Bad aussehen könnte. Einig waren sich alle Beteiligten darin, dass am Ende des Prozesses ein neues Bad stehen sollte.

Die Ideen sollen laut Sportdezernent Markus Schön gesammelt, auf Machbarkeit überprüft, in ein Konzept umgesetzt und der Entwurf dem Stadtrat zur Genehmigung vorgelegt werden. Bezirksvertretung und Stadtsportbund sollen einbezogen werden.

Gesundheitliche und betriebsrechtliche Bedenken

Dem Workshop voraus ging eine Präsentation des von der Stadt beauftragten Projektentwicklers Christian Kuhn, geschäftsführender Gesellschafter der Deutschen Sportstättenbetriebs- und Planungsgesellschaft DSBG, die deutschlandweit Schwimmbäder plant. Kuhn machte deutlich, dass laut einem Gutachten der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen ein Weiterbetrieb als Naturbad auszuschließen ist. „Das Naturbad hat sicherheitsrelevante Mängel und ist nicht sanierungsfähig.“ Selbst nach einem Umbau zum reinen Naturbad ohne Betoneinbauten blieben gesundheitliche und betriebsrechtliche Bedenken bestehen.

Auch Schöns Urteil war eindeutig: „Der Betrieb eines Naturbades ist strafrechtlich wie haftrechtlich schwierig.“ Daher sei es kaum möglich, einen Betreiber wie einen Sportverein zu finden, der das Risiko trägt.

Als Alternative käme daher lediglich ein klassisches Freibad oder ein kombiniertes Hallen- und Freibad in Frage. Letzteres scheide allerdings schon aus Kostengründen aus, meinte Kuhn, der diese Lösung auf etwa 18 Millionen Euro schätzte. Verbleibt also ein Freibad, das in durchschnittlicher Ausstattung für etwa acht Millionen Euro zu haben ist, bei sparsamem Konzept günstigstenfalls für fünf Millionen. Damit haben die Gremien schon einmal einen Richtwert, mit welcher Investition zu rechnen ist. Bedenken äußerte Kuhn jedoch wegen der Genehmigung einer Freibadlösung am Standort des bisherigen Bades, weil dieser im Landschaftsschutzgebiet liegt.

Diese Aussage löste einen heftigen Disput durch Bezirksvorsteher Hans Butzen aus. Er interpretierte die Rolle des Gutachters dahingehend, eine positive Lösung für ein Bad an gleicher Stelle zu finden und nicht, Argumente dagegen zu suchen.

Gemäßigt ging es bei vielen Anregungen der Bürger in der folgenden Diskussion zu. Gründe wie Gesundheit und Natur wurden angeführt sowie die Historie mit 90 Jahren Schwimmen in Hüls.

Auch der Freizeitwert spielte eine Rolle, ebenso die Hülser Situation mit vielen Kindergärten und Seniorenheimen. Weil es in ganz Krefeld kein behindertengerechtes Bad gebe, solle ein Lifter vorgesehen werden. Carina Vogt, Abteilungsleiterin des Hülser SV mit allein 300 Vereinsmitgliedern in der Schwimmabteilung, schilderte ihre prekäre Lage ohne Schwimmmöglichkeit für Jung und Alt sowie generell für den Schulsport, der in Hüls weitgehend nicht stattfinde. „Die Nichtschwimmergruppen stehen Schlange. Ich habe viele Neunjährige, die nicht schwimmen können, und weiß nicht, wo ich es ihnen beibringen soll.“

Viel Verständnis gab es für eine wirtschaftliche, abgespeckte Lösung. Kommentare: „Wir wollen nicht mit einem Spaßbad konkurrieren. Auch Schwimmwettkämpfe sind nicht nötig, weil es genügend Schwimmsportvereine gibt.“ Auf breite Zustimmung stieß der Vorschlag, viel längere Öffnungszeiten für die verschiedenen Nutzer einzuführen.

Kuhn fasste die Wünsche der Bürger in einem gemäßigten Grobentwurf zusammen. Das Freibad könnte bestehen aus einem 25-Meter-Becken mit vier bis sechs Bahnen, das eventuell temporär als Freizeitwasserfläche freigegeben wird, einem Lehrschwimmbecken, einem zuschaltbaren Strömungskanal, einem Kinderplanschbecken oder alternativ einem Spraypark, einer Breitrutsche und einem kleinen Sprungbecken mit Ein- und Drei-Meter-Brett – auch zur Abnahme von Schwimmabzeichen. Im Umfeld sind Umkleidekabinen, ein Beachvolleyballplatz und Liegeflächen vorgesehen. Schön: „Ich hoffe schon deshalb auf ein neues Hülser Bad, damit unsere Aktion ‚Krefeld lernt schwimmen‘ ein Erfolg wird.“

Das Gutachten der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen hat die Stadt auf ihrer Homepage veröffentlicht:

krefeld.de