Krefeld: Was andere Stadtteile von der Hülser Kirmes lernen können

Hülser Kirmes : Was andere Stadtteile von der Hülser Kirmes lernen können

Die Stadtteilkirmes scheint für Familien mit kleineren Kindern gemacht zu sein. Ist das ihr Erfolgsgeheimnis?

Die Stadtteil-Kirmessen leiden unter Schwund. Sie sollen so neu aufgestellt werden, dass sie sowohl für Kinder als auch für Senioren attraktiv sind. Dazu hat die Stadt ein Budget von 8.500 Euro für alle fünf Kirmessen zur Verfügung gestellt. Aufgabe der Planer war es nun, mit überschaubaren finanziellen Mitteln Verbesserungen vorzuschlagen. In ihrem Papier nennen sie Vorschläge, um den Volksfest-Charakter einer Stadtteilkirmes stärker zu betonen. Die Vorschläge mit Spielen wie Tauziehen, Schubkarrenrennen oder Torwand-Schießen fanden bei einigen Bezirksvertretern keine positive Resonanz.

Die Hülser Kirmes dagegen läuft rund. Schlagermusik erschallt weithin, es duftet nach gebrannten Mandeln und Backfisch. Die Schausteller sind am Christi-Himmelfahrtstag und auch am Oma-Opa-Familientag mit dem Besuch vollauf zufrieden. Und auch die großen und kleinen Kirmesfans erfreuen sich am Rummel. Nur dass der angekündigte Trödelmarkt innerhalb des Frühlingsfestes am Donnerstag kurzfristig abgesagt wurde, finden alle schade. Da der Trödelmarkt nicht stattfinden konnte, wollen die Verantwortlichen des Hülser Werberings nun selbst aktiv werden und einen kleinen Antikmarkt durchführen. „Was konkret geplant ist, steht noch nicht fest“, sagt Vorsitzende Kathrin Fuldner. Vorstandskollege Klaus-Dieter Ohlig ergänzt: „Der Betreiber des Trödels musste kurzfristig Sanitätshelfer stellen, das ist ihm nicht gelungen. Er musste absagen.“

Gut für Kinder: Überschaubar und günstiger als die große Kirmes

Am Kinderkarussell stehen Tanja und Patrick Steinfort und sehen ihrem Sohn Lucas (3) zu, wie er seine Runden auf Motorrad und Trecker dreht. Die kleine Familie ist mit der Kirmes zufrieden. „Für die Kinder reicht das Angebot vollauf“, finden die Eltern. „So müssen wir nicht auf die große Sprödentalkirmes. Hier treffen wir nette Leute, waren mit Lucas auch schon auf dem Mini-Jet und beim Entenangeln.“ Nur einen Euro für jede Fahrt zu bezahlen, finden sie beim Familienangebot richtig gut.

Eva-Maria Brackelmanns ist mit Enkelin Lilly (5) beim Kirmesbesuch unterwegs. „Das ist doch eine tolle Abwechslung für die Kinder“, sagt die Oma und zeigt auf Pfeilschießen und Entenangeln für die Kinder. „Es könnte aber noch mehr geben für die Kleinen“, findet sie. „Früher war mehr los, es gab mehr Schießstände und Losbuden. Jetzt gucke ich zu, wie sich meine Enkelin auf dem Kinderflieger amüsiert.“ Margret Selke wiederum findet die Kirmes gut, wie sie ist. „Für das Enkel-Alter ist sie in Ordnung.“

Derweil werden Handy-Fotos von den Kleinen aufgenommen, Omas reichen Fahrchips an sie weiter und halten Tüten mit Mandeln bereit. Schausteller Paul Müller sieht auf die Kirmes und erklärt, dass das Vatertagswetter ideal und auch der Tag davor prima gewesen seien. „Was die Kasse macht, sehen wir am Sonntagabend.“ Auch er wundert sich gemeinsam mit Schausteller-Kollegin Iris Enseleit über die Trödel-Absage. Beide zucken mit den Schultern. „Von dort kommen sonst viele Kunden.“

Die Herbstkirmes und der Kirmesmontag sind in Hüls bereits Geschichte. Der Frühlingsrummel soll erhalten bleiben. „Die Standgebühren sind gar nicht so teuer“, findet Müller. „Wir müssen aber jetzt 75 Euro – früher 20 Mark - Verwaltungsgebühr bezahlen. Sie war, als wir noch mit der Bezirksverwaltung zusammen gearbeitet haben, nicht so hoch. Die Zentralisierung hat ihren Preis.“

Enseleit, sie betreibt den Sweet Pub und den Crêpes-Wagen, rechnet vor: „Wir zahlen die Verwaltungsgebühr und dann noch rund 25 Euro Standgebühr pro Geschäft. Dazu kommen Wasser- und Stromkosten.“ Müller ergänzt: „Für Betreiber von Losbuden mit drei bis vier Metern Länge ist das nicht tragbar. Die großen Fahrgeschäfte wurden subventioniert. Mit nur zwei Kinderfahrgeschäften würde die Hülser Kirmes untergehen.“

Damit die großen attraktiven Fahrgeschäfte als Kirmes-Magneten den Stadtteil anfahren, ist die Stadtverwaltung den Betreibern mit den Standgebühren entgegen gekommen. „Das ist auch gut so. Sonst könnten wir das nicht machen“, berichtet Romano Lehrmann, der den Twister Heartbreaker“ betreibt. „Wir kommen aus Essen, haben schon hohe Transportkoten.“ Für ihn ist es eine Premiere in Hüls. „Hier sind wir das erste Mal. Es gefällt uns sehr, es ist eine schöne Familienkirmes mit netten Leuten, die wir mögen. Kerle, die sich die Köpfe einschlagen, wollen wir nicht. Wir kommen wieder.“

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