Musik Online-Kammerkonzert: Wie die Sinfoniker trotz Corona musizieren

Krefeld · Beim jüngsten Video der Niederrheinischen Sinfoniker stand Musik mit und von Holger Hockemeyer im Mittelpunkt. Solange Konzerte mit Publikum nicht machbar sind, sollen samstags immer neue Kammerkonzerte als Video erscheinen.

 Holger Hockemeyer (l.) und Albert Hametoff spielen bei einem Online-Kammerkonzert der Niederrheinischen Sinfoniker ein Duo für Violen. Im Fokus standen Kompositionen Hockemeyers.

Holger Hockemeyer (l.) und Albert Hametoff spielen bei einem Online-Kammerkonzert der Niederrheinischen Sinfoniker ein Duo für Violen. Im Fokus standen Kompositionen Hockemeyers.

Foto: Screenshot: Youtube/Theater Krefeld und Moenchengladbach

Für Orchestermusiker ist das gemeinsame Musizieren etwas künstlerisch Lebenswichtiges. Wohl auch deshalb, aber natürlich auch, um dem Publikum zumindest eine mediale Art von kleineren Konzerten anbieten zu können, organisieren die Niederrheinischen Sinfoniker als Stream abrufbare Kammerkonzerte. Samstagsmittags präsentieren sie ein bündiges halbstündiges Konzertvideo, das auf der Facebook-Seite (facebook.com/NiederrheinischeSinfoniker) und auf dem Youtube-Kanal (youtube.com/user/gemeinschaftstheater) des Orchesters zu sehen ist.

Holger Hockemeyer ist
Bratschist und Komponist

Das Besondere an diesen musikalischen Leckerbissen trotz Corona-Krise ist, dass die Musiker, anders als bei den Homeoffice-Videos, hier tatsächlich im Konzertsaal miteinander spielen – natürlich unter Einhaltung der Hygienebestimmungen. Nachdem den Anfang schon das Vitus-Quartett am 2. Mai gemacht hatte, kann man seit dem 9. Mai das musikalische Porträt von Holger Hockemeyer betrachten. Jener ist nämlich nicht nur stellvertretender Solobratscher der Niederrheinischen Sinfoniker, sondern auch Komponist.

Wie er selbst auf seiner Webseite beschreibt, schreibt er seit 1991 regelmäßig eigene Kompositionen und beschreitet mit seinen Werken tonale oder auch polytonale Pfade. Das heißt, seine Musik spricht eine eher den Traditionen der europäischen Kunstmusik verpflichtete Sprache. Die, wenn man sich seine Musik anhört, zwar sehr expressive Auslotungen von emotionaler Klangrede zulässt, aber letztendlich recht konservativ den tradierten Regeln verhaftet ist. Dabei entsteht indes eine sehr persönliche, sehr aus dem Innersten des 1954 in München geborenen Musikers entsprießende, Art des musikalischen Ausdrucks. Der zwar einige reichlich mannigfaltige Einflüsse in sich zusammenführt, aber doch so wirkt wie die ganz authentische Reflexion eines Orchestermusikers, der in ruhigen Momenten zwischen Probe- und Konzertbetrieb zu sich finden möchte.

Gemeinsam mit Albert Hametoff spielte Hockemeyer bei diesem Kammerkonzert zunächst sein „Duo für zwei Violen in c-moll“. Dieses Werk, das die Opuszahl 14 trägt, ist zwischen 2001 und 2003 entstanden, spielt mit orientalischen Einfärbungen und bezieht sich im zweiten Satz sogar explizit auf ein ostjüdisches Liebeslied, wie der Komponist in seinen einführenden Worten, die dem Konzert vorangestellt sind, erklärt.

Im zweiten Teil des Konzertes wird die selbstreflexive Energie von Hockemeyers Kompositionsweise noch deutlicher spürbar. „Sonate an das Meer“ für Viola solo in e-moll, op. 10 ist wie ein innerer Dialog, bei dem das Meer als vielleicht eine Art seelische Spiegelfläche erscheint. Bei sich, hoch konzentriert und ohne einen Hauch von überflüssigem Effekt, verströmte Hockemeyers Spiel eine klanglich beseelte Ernsthaftigkeit. Ein schönes Beispiel für tiefgründige Musizierkunst.