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Neues Format ermöglicht Konzerte von Musikern des Sinfonieorchesters

Neues Format ermöglicht Konzerte von Musikern des Sinfonieorchesters : Feierliche Alphorn-Musik beglückt die Bergische Stadt

Normalerweise tragen sie Schwarz, sitzen im Graben oder auf der Bühne, auf Stühlen, die im Halbrund nach strengen Regeln aufgestellt sind. Normalerweise geht seit ein paar Wochen nicht. Und so suchen die Musiker des Sinfonieorchesters Wuppertal nach Alternativen: Im robusten Freizeitdress blasen sie in Quartettgröße musikalische Grüße in die Stadt.

Ohne Vorankündigung, um Andrang zu verhindern und Abstand zu wahren. #VomBerginsTal“ ging am Dienstagabend zum zweiten Mal an den Start und brachte diesmal alpenländisches Kultur-Flair in die Bergische Metropole.

Die erhabene Terrasse erlaubt einen weiten Blick. Das Luisenviertel mit Sophienkirche und Deweerth’schem Garten liegen ihr zu Füßen. „Endlich klingt das Viertel wieder“, freut sich Britta Norpoth. Die Leiterin der Herder-Schule freut sich über die Gäste, die die auf videobasierten Online-Unterricht reduzierte Lehrstätte für eine gute Stunde beleben. Die private Ganztagsschule ist in einer ehemaligen Fabrikantenvilla untergebracht, sein Bauherr war der künstlerisch interessierte Mäzen Julius Adolf Schmits. Klar, dass Norpoth sofort zustimmte, als nun die Auftritts-Anfrage aus dem Orchester kam.

Alexander Sojka ist im Educationteam des Sinfonieorchesters tätig. In der Coronakrise fiel ihm auf, dass viele Menschen auf Balkonen musizierten. Dass Blechbläser „weit tragen können“, weiß er aus eigener Erfahrung, schließlich spielt er selbst Posaune. Also stieg er vor zweieinhalb Wochen auf einen Berg der Stadt und spielte. Der Selbstversuch löste spontanen Jubel und Applaus in unterhalb gelegenen Häusern und Gärten aus. Und im Orchestermanagement formte sich sein Erlebnis zur Idee, in kammermusikalischer Besetzung kleine Konzerte auf den Höhen der Stadt zu veranstalten. Die Liedauswahl soll auch die Liebe zum Bergischen Land ausdrücken. Das Projekt #VomBergInsTal sei schnell umzusetzen, sicher, bringe Musik zu den Leuten und mache die Musiker glücklich, weil sie wieder zusammen und für Menschen spielen können, freut sich Orchester-Pressesprecherin Esther Klose.

Konzertreihe findet dienstags
im Livestream statt

Rasch wurden mögliche Standorte zu Fuß und mit dem Rad erkundet, am letzten Dienstag im April folgte die Premiere. Zwei Trompeter, ein Posaunist und ein Tubist spielten auf dem Aussichtspunkt „Belvedere“. Im angekündigten Livestream waren sie zu verfolgen, so dass nicht nur die Menschen in der näheren und weiteren Umgebung, sondern auch im Netz ihr Konzert hören konnten. Die Resonanz war überaus positiv, es gab viele positive Kommentare, erzählen Klose und Sojka.

Oliver Nicolai, Maria Vornhusen, Andreas Trinkaus und Johann Rindberger sind die Hornisten im Orchester. Und somit fürs Alphorn prädestiniert, sagt Rindberger. Die aus der Schweiz stammende, fingerlose Holztrompete spielen sie als Hobby. Beide Instrumente sind 3,68 Meter lang, wenngleich das eine seine Länge in Rundungen versteckt. Die vier Alphörner haben drei Mitglieder des Posaunenchors der Evangelischen Kirchengemeinde Haßlinghausen gefertigt. Aus Weichholz-Teilen, die sie im Baumarkt erworben haben, erzählt der langjährige Chorleiter Nicolai stolz. Für Trichter, Mundstück und Ständer dagegen verwendeten sie Holzreste, die beim Terrassenbau von Nicolai anfielen. Jedes Instrument ist im F-Grundton gestimmt und wird in drei Teile zerlegt im Skisack transportiert. Für ihren Auftritt wählten die Musiker alpenländisches Liedgut, das sie am Vormittag erstmals gemeinsam probten.

Punkt 19 Uhr schlagen die Glocken der Sophienkirche sieben Mal, danach führt Sojka vor der kleinen Kamera in das besondere Konzert ein. Festlich-getragene Klänge finden den Weg in die Stadt und nach Hause. Auch Kuhglocken kommen einmal zum Einsatz. Choral, Ländler, Fanfare und ein Walzer stehen auf dem Programm, eine Zugabe gibt es auch. Die Musiker spielen konzentriert, den Blick fest auf die Noten gerichtet, die sie mit einer Hand halten müssen. Am Ende schwenkt die Kamera noch zur Schule und Sojka verspricht eine Fortsetzung. Der nächste Dienstag ist gesetzt - wer wo spielen wird ist, noch offen.