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Sanierung des Schauspielhauses: Was neu ist und wo es noch hakt 

Schauspielhaus : Sanierung des Schauspielhauses: Was neu ist und wo es noch hakt

Die Baustelle zieht sich mindestens bis Sommer, vieles ist aber auch schon fertig. Ein Rundgang vorm Jubiläum.

Das Schauspielhaus ist einen Tag vor dem großen Jubiläum immer noch eine Baustelle. Bagger fahren über den Gustaf-Gründgens-Platz, die neue Glasfassade ist von Folie verhangen, ein Arbeiter bückt sich im Inneren über den zu sanierenden Mosaikboden. Es rattert und hämmert, es riecht nach Farbe, Gerüste stehen im Weg. Kurzum: Kaum vorstellbar, dass hier am Donnerstag der große Empfang 50 Jahre nach der Eröffnung des Baus von Architekt Bernhard Pfau über die Bühne gehen kann. Klappt aber, wie Intendant Wilfried Schulz versichert. Auch das große Loch, das sich da noch im Gründgens-Platz auftut, soll am Donnerstag geschlossen sein. „Das hat mir die Stadt gerade bestätigt.“

Sicher, schön wäre es schon gewesen, wenn die Bauarbeiten fertig wären, wie das ursprünglich ja mal geplant war. Doch Schulz und der für die Sanierung für 60 Millionen Euro verantwortliche Architekt Christoph Ingenhoven gaben sich am Mittwoch bei einem Rundgang durchs Theater gelassen angesichts der Verzögerungen. Die seien unter anderem auf die unterschiedlichen Interessen der zahlreichen Beteiligten zurückzuführen gewesen: Denkmalamt, Erben des Architekten, Bauherren Stadt und Land, Schauspielhaus, Bauarbeiten am Kö-Bogen und so weiter. Bis zur Sommerpause soll dann  – zumindest fast  – alles fertig sein. Parallel sollen dann die ersten Geschäfte in den von Ingenhoven gebauten neuen Nachbargebäuden eröffnen.  Nur der neue Belag für die Flächen rund ums Theater wird noch bis Herbst verlegt werden müssen. Und eine Unwägbarkeit gibt es: die Fassade. Auf einzelnen Elementen gibt es wie berichtet leichte Abweichungen im Farbton, Korrekturversuche schlugen fehl. „Mittlerweile sind damit nicht mehr nur Gutachter, sondern auch Anwälte beschäftigt. Es ist nicht möglich zu sagen, bis wann die Fassade erneuert werden kann. Wir befinden uns da zurzeit auf hoher See“, sagt Ingenhoven. Die Arbeiten an dieser Stelle sind gestoppt, auch um zu verhindern, dass es am Ende aus juristischer Sicht nicht zumutbar sein könnte, die Fassade wieder auszutauschen.  „Das geht hier aber gar nicht, da die amorphe Form des Gebäudes dann nicht mehr lesbar wäre“, sagt Ingenoven.

Eine der wichtigsten Neuerungen: Der Haupteingang zum großen Haus ist jetzt transparent, mit einem vorgelagerten Windfang. Foto: Hahlhege Gesellschaft für Projektsteuerung & Controlling mbH

Immerhin sei dies das einzige echte Problem, das sich während der Bauarbeiten ergeben habe. Insgesamt sei man sehr zufrieden mit dem immer zügigen Verlauf, sogar parallel zum vollen Betrieb des Hauses. Auch Schulz unterstreicht das, auch die Toleranz seiner Schauspieler. Die Lärmbelastung bei den Proben für Woyzeck etwa sei unvorstellbar hoch gewesen.

Der verantwortliche Architekt Christoph Ingenhoven (l.) und Intendant Wilfried Schulz beim Rundgang durchs Haus. Foto: Zanin, Melanie (MZ)

Doch auch wenn es an der einen oder anderen Stelle knirscht bei diesem Projekt, vieles ist auch richtig gut gelungen. Und das demonstrieren Schulz und Ingenhoven beim Rundgang.  Das wichtigste neue Element: die neue Offenheit des Schauspielhauses. Der alte Eingang ist abgerissen, eine Glasfassade samt Windfang lässt Blicke sowohl ins Theater fallen, als auch aus ihm heraus. Auch zum Hofgarten hin ist diesem Prinzip der neuen Transparenz gefolgt worden. „Das Theater soll zur Stadt hin geöffnet und sichtbarer werden“, sagt Ingenhoven. Auch deshalb lasse das von ihm konzipierte Gebäude an der Schadowstraße Blickachsen auf das große aber auch an der Bleichstraße aufs kleine Haus frei. In einem vorgelagerten Pavillon werden künftig Tickets verkauft und ein Café angesiedelt, auch der Aufgang aus der Tiefgarage befindet sich dort. Im Foyer des großen Hauses selbst sollen künftig viele andere Veranstaltungen neben dem Theater stattfinden, wodurch es mehr als bisher zu einem öffentlichen Ort werden soll.

Zur neuen Durchlässigkeit passen auch die neuen Aufzüge aus Glas, sowohl im Foyer des großen Hauses als auch am Eingang des kleinen Hauses, der das Schauspielhaus nun barrierefrei macht.

Nicht nur durch Licht von außen ist eine neue Helligkeit ins Schauspielhaus eingezogen. So sind etwa auch die gesamten Betonflächen der Säulen und auch der Decke aufgearbeitet worden und deutlich heller. „Das gibt dem Haus wieder Licht“, sagt Schulz. Die Polyester-Kunstwerke an den Wänden von Günter Grote wurden nicht nur aufgearbeitet, sondern sollen hinterleuchtet werden. Farbakzente setzt die Designerin Petra Blaisse, die neue Vorhänge in den Foyers der Häuser und auch im Restaurant installiert hat. Gelb sind sie etwa im Foyer des großen Hauses und können die neuen Glaselemente verhängen.  Das soll Hall-Effekten vorbeugen, wenn der Raum nicht gänzlich gefüllt ist.

Trotz einiger neuer Elemente: Maßgabe war laut Ingenhoven eine so originalgetreue Restaurierung wie möglich. Das gilt für jedes Detail, selbst die Geländerhalterungen blinken wieder. Zum Teil habe man regelrecht Forschungen angestellt, um etwa die Originalfarbe des Teppichbodens für die Aufgänge herauszufinden. Nur das Material ist neu, es wirkt gleichmäßiger und ist ebenfalls der Akustik zuträglich. Betreten wird es zum ersten Mal von der Öffentlichkeit beim Festakt am Donnerstagabend vor der Premiere von Brechts „Leben des Galilei“ um 19.30 Uhr.