Programm: Feier trotz Baustelle: Das ist zum Schauspielhaus-Jubiläum geplant

Programm : Feier trotz Baustelle: Das ist zum Schauspielhaus-Jubiläum geplant

Das Schauspielhaus wird im Januar 50: Gefeiert wird mit Festakt, Premieren, einem dicken Buch und Rockmusik.

Beinah wäre das Jubiläum am 16. Januar 2020 geplatzt. Wegen der Fassaden-Verblendungen. Wenn auch die Proben zur Premiere „Leben des Galilei“ mit Burghart Klaußner und dem eingesprungenen Regisseur Lars-Ole Walburg auf Hochtouren laufen, so wird die sanierte historische Fassade der Architektur von Bernhard Pfau zum ursprünglich vorgesehenen Termin nicht fertig werden. Daher wurde Intendant Wilfried Schulz kürzlich vorstellig bei Stadtspitze und Landesregierung. Doch Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen und OB Thomas Geisel gaben Grünes Licht für den Fest-Termin. Denn genau vor 50 Jahren wurde das Haus am Gustaf Gründgens-Platz eröffnet. Und das soll zehn Tage (16. bis 26. Januar) gefeiert werden. Mit einem reichhaltigen Programm, das Schulz und Chef-Dramaturg Robert Koall jetzt vorstellten.

Ein breitgefächertes Angebot machen die Theatermanager dem Publikum auf dem Sonder-Leoporello „Fünfzig“ in sattem Orange. Die Leucht-Farbe wählten sie in Anspielung an 70er Jahre-Schick und an die orangefarbenen Leuchtkegel im Foyer. Zu erleben: Festakt und Reden, u.a. von Landesvater Armin Laschet, drei Premieren, großes 400-Seiten-Buch über Schauspielhaus-Geschichte – Titel: „Fünfzig“. Und allerlei Gespräche über Geschichte und Theater-Zukunft mit Geistesgrößen. Darunter Peter Sloterdijk, der am 19. Januar mit Düsseldorfs allgegenwärtigem Groß-Baumeister Christoph Ingenhoven diskutieren wird: über „Theater als öffentlicher Raum der Stadtgeschichte“. Vielleicht werden die Herren dabei auch darüber sprechen, wie kompliziert, aufwendig und kostspielig es sein kann und ist, ein Theater-Denkmal wie den Pfau-Bau fachgerecht und zeitgerecht zu sanieren. Wer weiß? Großbaustellen haben’s, wie man weiß, in sich.

Fakt ist: Wenn auch auf den Fassaden-Verblendungen farbliche Veränderungen sichtbar sind und womöglich (schlimmstenfalls) zum Teil abmontiert und noch einmal neu hergestellt werden müssen (das kann Monate dauern!) – eine gute Nachricht hatte er parat, der Neu-Düsseldorfer Wilfried Schulz, der seit Amtsantritt 2016 so manche Überraschungen mit Sanierung, Terminen, Bau-Investoren etc. erlebte. Und mehr als nur ‚überlebte’. Dank seiner zielorientierten Beharrlichkeit, der Erfolge seines Teams auf der Bühne, der großen Publikums-Resonanz und dank seines Verhandlungs-Geschicks stößt er bei Spitzenpolitikern und Sponsoren nicht nur auf offene Ohren. Vielmehr schätzt man Schulz als diplomatischen, verlässlichen, aber auch leidenschaftlichen Intendanten. Sonst wäre der Termin vermutlich verschoben worden.

Die gute Nachricht also: Das Gerüst am Eingang wird bis Mitte Januar verschwinden. Das Publikum wird nicht länger durch Pfützen waten, kann sich im Foyer wohlfühlen. Am 30. Dezember wird das neue Theaterrestaurant „Schillings“ (laut Schulz: „stylish und cool“) eröffnet, zwei Wochen vorher die Theaterkantine, die in der Umbauphase als wichtiger Treffpunkt von künstlerischen und technischen Mitarbeitern gefehlt hat. Einige neue Formate ragen im ‚Paket’ für das Zehn-Tage-Fest heraus. Neben Jubiläumsbrunch (19. und 26. Jan.) fällt besonders der „Tag der offenen Tür“ auf: ein Konzert der Rockband „Woods of Birnam“ mit Frontmann und Starschauspieler Christian Friedel und anschließender Party auf der Großen Bühne (Eintritt: 10 Euro). Der Clou aber: „50 mal 50 Karten“. Mit Blick auf neues, bisher theaterfernes Publikum schenken sie 50 Karten zu 50 ausgewählten Vorstellungen. Für eine Schutzgebühr von zwei Euro pro Karte. Das Angebot, das bis Spielzeit-Ende läuft, richtet sich weniger an Einzelpersonen denn an Gruppen – vom Kegelverein bis zum Tennisclub. Die Termine sind im Leporello und online mit „50!“ markiert. Wer zuerst anruft, hat die besten Chancen.

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