Schauspielhaus Düsseldorf: Besucher-Bilanz besser als in Saison zuvor

Theater : „Düsseldorfer Schauspielhaus spielt wieder in der Theater-Bundesliga“

Die Besucher-Bilanz der vergangenen Spielzeit fällt noch besser aus als in der Saison zuvor.

Wenn auch Baulärm von Innen und Außen in den Raum dringt oder plötzlich eine durchdringende Sirene Feueralarm anzeigt: Der Schauspiel-Intendant bewahrt Ruhe, gibt sich zufrieden mit seinem Büro. Schreibtisch in der Ecke, davor ein Konferenztisch, an dem Wilfried Schulz und sein Team eine Saison-Bilanz präsentiert, die sich sehen lassen kann. „Auftrag erfüllt, Düsseldorfer Theater spielt wieder in der Bundesliga“, schmunzelt der hartgesottene Kultur-Kämpfer und findige Netzwerker, der sich in den letzten drei Jahren von Bauverzögerungen, Umzügen und Provisorium auf der Probebühne am Hauptbahnhof (Central) nicht verdrießen ließ und lässt. Genauso wenig wie das Publikum. 238 200 Zuschauer (davon 80 720 Schüler und Studenten) haben 885 Vorstellungen an diversen Spielstätten besucht.

Im Vergleich zum Vorjahr, bereits die erfolgreichste Spielzeit der letzten 25 Jahre, legten sie noch ein Schippchen drauf: Ein Plus von knapp 13 000 Zuschauern. Mit einer Gesamtauslastung (Gründgens-Platz, Central und Junges Schauspiel Münsterstraße) von 82,4 Prozent liegen sie damit zehn Prozent vor Oper und Ballett (73 Prozent). Im deutschsprachigen Raum eine Ausnahme.

Auch „Hamlet“ liegt in der Hitliste der meist besuchten Stücke vorn, ebenfalls mit Christian Friedel in der Hauptrolle. Foto: Sandra Then

Das mag daran liegen, dass einige Produktionen durch hohen musikalischen Anteil auch unter Jugendlichen schnell populär wurden, streckenweise zur Rock-Oper oder zum Rock-Konzert mutieren. Denn Christian Friedel mit Babyface und Knabenstimme, Topstar der Saison, ist nicht nur ein durch TV und Film bekannter Darsteller, der in der ARD-Serie „Babylon Berlin“ eine tragende Rolle spielt (die dritte Staffel wurde gerade abgedreht). Friedel ist zudem ein begabter Sänger mit hohem Tenor (beinah Falsett) und tourt regelmäßig mit seiner Dresdener Rockband „Woods of Birnam“. Zum Teil integriert er sie als singende Darsteller, in ein Drama.

Der „Sandmann“ ist die erfolgreichste Inszenierung

So in „Hamlet“ und „1984“ nach George Orwell – zwei Inszenierungen, die stets Wochen vorher ausverkauft sind. In der Hitliste liegen sie mit einer Auslastung von 99,5 Prozent ganz vorn. Nur getoppt von „Der Sandmann“. 99,8 – also 100 Prozent erzielt die High-Tech-Kultinszenierung des amerikanischen Star-Regisseurs Robert Wilson (nach E.T.A. Hoffmann). Auch hier ist Christian Friedel als kleiner Quengel-Nathanael mit Rotschopf im Zentrum, der durch bizarr-groteske Komik fasziniert und seine Stimme in opernhafte Höhen schraubt. Eine Produktion, die selbst beim Gastspiel im chinesischen Shanghai mehrfach in einem vollbesetzten Kulturtempel stürmisch gefeiert wurde. Klar, dass „Der Sandmann“ als Dauerbrenner in der nächsten Saison (2. bis 4. November) erneut auf dem Spielplan steht. Friedel und „Woods of Birnam“ heizen zum Saisonschluss noch einmal ein: Am Freitag in „Hamlet“, am Samstag rocken sie richtig ab beim Open-Source-Festival auf der Grafenberger Galopprennbahn.

Zurück zum Bau: „Man sieht es von außen nicht“, so Schulz. Aber die Sanierung im Inneren sei abgeschlossen. Ab September werden fast alle Stücke und Premieren am Gründgens-Platz laufen. Und das Foyer werde, wie geplant, auch tagsüber Besuchern offenstehen. Damit kommt Schulz dem 2016 formulierten Ziel näher: die Öffnung des Hauses in die Stadt hinein. Spätestens im Frühjahr, pünktlich zum Jubiläum der Schauspielhaus-Architektur soll der geplante Pavillon fertig sein.

Die Haus-Fassade wird indes bereits ab 15. Juli aufgetragen, so Geschäftsführerin Claudia Schmitz. Von neuen Verzögerungen geht niemand aus. Optimistisch betonen beide Chefs die „gute Zusammenarbeit mit Stadt und Bauleitung“. Offen ist noch, ob das Junge Schauspiel 2021 von der Münsterstraße ins Central ziehen wird, das künftig wieder als Probebühne genutzt werden soll. Die Frage, wie das Haus danach bespielt werden soll, ist noch unklar. Im Herbst sollen im Rat die Würfel fallen.

Zum Thema „Theater-Bundesliga“. Da stellt sich die Frage, warum das Düsseldorfer Schauspielhaus mit seinen Publikumsrennern keine Einladung  zum Berliner Theatertreffen erhielt, bundesweit ein Adelsschlag für innovative, intelligente Inszenierungen. Schulz: „Wir sind keine Entertainment-Bude. Aber wir machen Theater in erste Linie für Düsseldorf.“ Das Profil des Theatertreffens habe sich in letzter Zeit verändert. Und von ihm verpflichtete Regisseure wie Armin Petras und Andreas Kriegenburg, zählen immerhin zur Crème de la Crème des deutschsprachigen Theaters.

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