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Düsseldorfer EG: Umstellungen bringen DEG ins Rollen

Düsseldorfer EG : Umstellungen bringen DEG ins Rollen

Nach langen Wochen offensiver Magerkost reagieren die Trainer und bauen die Angriffsreihen um. Prompt gibt es zwei Siege mit 13 Toren.

Düsseldorf. In Nordamerika ist es guter Brauch, ein Mal im Jahr die Kinder mit zur Arbeit zu nehmen. Die sollen schließlich mal aus der Nähe sehen, was die Eltern da so den ganzen Tag machen. Nun ist das bei einem Profisportler nicht einfach, gerade bei einem, der sein Geld mit Eishockey verdient. Mit dem Kind an der Hand krachende Bodychecks zu fahren oder sich mehr als 150 Stundenkilometer schnellen Pucks entgegenzuwerfen, wäre vielleicht keine so gute Idee.

Travis Turnbull hatte trotzdem den Traum, mit seiner kleinen Tochter auf dem Eis zu sein. „Meine Frau war etwas nervös, aber ich habe gesagt, das nächste Mal, wenn ich ein Tor schieße, nehme ich sie mit“, sagte der Stürmer der Düsseldorfer EG.

Am Sonntag, nach dem 7:1 über die Hamburg Freezers, bot sich endlich die Chance dazu. Nach nur einem Tor aus 21 Spielen hatte Turnbull nun bereits im ersten Drittel zwei Mal getroffen. Also schnappte er sich nachher die erst dreieinhalb Monate alte Bradley, nahm sie auf den Arm und lief mit ihr übers Eis. Angst habe er nicht gehabt: „Ich konnte skaten bevor ich laufen konnte“, sagte der Stürmer hinterher lachend.

Ja, diese Minuten nach dem 7:1 über die Freezers waren geprägt von guter Laune. Nicht nur, weil die DEG bereits am Freitag in Köln gewonnen hatte und damit das zweite Sechs-Punkte-Wochenende der Saison feiern durfte. Es war auch nicht allein der Sprung auf Rang acht der Deutschen Eishockey Liga sowie die Tatsache, dass die Düsseldorfer nun sieben Punkte zwischen sich und den ersten Nicht-Play-off-Platz gebracht haben. Es war die Offensive, die endlich explodiert war und gleich 13 Tore in zwei Spielen geschossen hatte — gegen zwei Meisterschaftsanwärter.

Besonders die, die zuletzt durchhingen und immer lauter kritisiert wurden, sind an diesem Wochenende aufgewacht. Norm Milley sammelte drei Scorerpunkte (ein Tor/zwei Vorlagen) und stand nach den 120 Minuten in Köln und gegen Hamburg in der Plusminus-Statistik bei +3. Und auch Travis Turnbull (2/1/+3), Manuel Strodel (1/3/+3) und Eduard Lewandowski (1/2/+2) hatten ihren Anteil an den beiden Kantersiegen.

Den größten Part an der spektakulären Wende der Offensive hatten aber die beiden Trainer Christof Kreutzer und Tobias Abstreiter. Zwar sagte Kreutzer nach dem Hamburg-Spiel, wie wichtig es sei, immer an sich zu glauben, der Mannschaft zu vertrauen und „nicht von außen irgendwelche Dinge zuzulassen, die die Mannschaft auseinanderbringen“. Er habe auch in den vergangenen Wochen nie an der Offensivkraft seines Teams gezweifelt. Die ganze Wahrheit war das aber nicht. Nicht umsonst hatten die Coaches vor dem Wochenende die Reihen umgestellt. Anstatt weiterhin, vereinfacht gesagt, drei erfahrene und eine junge Formation aufs Eis zu schicken, teilten sie ihre vier jungen Stürmer Marcel Brandt, Manuel Strodel, Daniel Fischbuch und Alexander Preibisch auf. So bekam jede Reihe einen gehörigen Schub — und funktionierte.

„Wenn du zu lange in denselben Reihen spielst, wirst du manchmal selbstzufrieden. Die Trainer haben uns mit der Umstellung eine Nachricht gesendet“, sagte Abwehrchef Tim Conboy, der in Köln sein Comeback gab und beeindruckt davon war, wie hart alle am Wochenende gearbeitet hatten: „Das Geheimnis eines guten Teams ist es, dass jeder zum Erfolg beiträgt, von oben bis unten. Es geht nicht nur um Tore. Jeder geblockte Schuss oder Check hilft uns. Jeder spielt gerade für den Nebenmann. Das ist das Wichtigste.“