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Düsseldorf: Fridays for Future will noch "eine Schippe drauflegen"

Interview : „Wir wollen 2020 noch eine Schippe drauflegen“

Interview Die Aktivisten von Fridays for Future wollen weiter demonstrieren. Sie finden, es hat sich noch zu wenig getan – trotz ausgerufenen Klimanotstands. Wir sprachen mit einem von ihnen, dem 18-jährigen Luca Thrams.

Seit Monaten demonstrieren sie jeden Freitag: Die jungen Aktivisten von Fridays for Future. Der 19-jährige Luca Thrams ist einer von ihnen. Im Gespräch mit uns erzählt er unter anderem, dass er hofft, dass die Gruppe noch mehr Menschen für das Thema Klimaschutz begeistern kann. Er wünscht sich zudem auch, dass die Politik endlich handeln möge.

Luca Thrams, 2020 ist da – und Fridays for Future streikt weiter?

Luca Thrams: Auf jeden Fall. Allerdings nicht mehr jeden Freitag. In der Düsseldorfer Ortsgruppe haben wir entschieden, unsere Kapazitäten zu bündeln und uns einen Termin im Monat auszusuchen, an dem wir Aktionen machen. Jeden Freitag zu mobilisieren ist auf Dauer wahnsinnig anstrengend – wir machen das immerhin nur nebenbei. Wir fokussieren uns lieber gemeinsam auf einen Termin im Monat und können dann auch noch lauter werden.

Wie schätzt ihr die Lage in Düsseldorf ein?

Thrams: Ich persönlich nehme Düsseldorf oft als elitär wahr. Hier leben viele Leute, die viel Geld haben. Und dementsprechend ist auch die gesellschaftliche Einstellung nicht unbedingt die, dass man aktiv ist und für Dinge auf die Straße geht, selbst wenn man sich hier und da engagiert. Ich glaube, da haben wir mit Fridays for Future jeden Freitag und auch anderen Aktionen etwas mehr Leben hereingebracht.

Welche Forderungen habt ihr an die Düsseldorfer Politik?

Thrams: Ganz klar der Ausbau des ÖPNV – das ist eine Katastrophe. Außerdem ist die Innenstadt viel zu voll mit Autos, und die blockieren den ganzen Verkehr. Wir finden, eine autofreie Stadt ist eine gute Stadt und da hapert es in Düsseldorf noch gehörig. Wir wollen auch, dass die Radwege weiter ausgebaut werden und die Stadt barrierefreier wird. Das sind alles Sachen, bei denen wir sagen, dass da unbedingt etwas passieren muss.

Düsseldorf hat im vergangenen Juli den Klimanotstand ausgerufen. Wie seht ihr diesen Schritt?

Thrams: Ich kann nachvollziehen, wenn Leute unterstellen, dass das Symbolpolitik ist. Es liegt an der Stadt und an denen, die sich engagieren, ob es dabei bleibt, oder ob sich wirklich etwas bewegt. Klimaschutz fängt immer kommunal an, natürlich müssen wir auch international und global denken aber der Anfang passiert hier. In einer Stadt, in der der Klimanotstand ausgerufen wurde, müssen alle möglichen Entscheidungen durch diesen Filter laufen und das Klima mit einbezogen werden.

Tut sich denn genug in Düsseldorf?

Thrams: Es ist noch lange nicht das passiert, was hätte passieren müssen. Ich habe oft das Gefühl, es wird ignoriert, dass wir tatsächlich einen Notstand haben. Wir versuchen, das mehr ins Blickfeld zu rücken. Es ist gut, dass es in Düsseldorf auch den Jugendrat gibt, der solche Themen immer wieder mit in die Stadtpolitik einbringen kann.

Oft gibt es ja den Vorwurf, die Aktivisten von Fridays for Future seien zu jung, um die Zusammenhänge zu verstehen – sie sollten die Entscheidungen lieber Profis überlassen. Was setzt ihr dem entgegen?

Thrams: Natürlich sind wir zu jung, um alles zu verstehen. Man braucht aber kein großes Fachwissen, um zu sehen, dass irgendwas mit unserer Welt passiert. Und das, was da passiert ist nicht gut. Aber es ist möglich, dass wir es aufhalten können. Da ist es ja nur logisch, dass wir auf die Straße gehen und dafür plädieren, dass sich da etwas tut.

Außerdem steht ihr ja nicht alleine da.

Thrams: Genau. Wir haben Leute dabei, die Ahnung haben. Die Forderungen, die wir stellen, haben wir mit den Scientists for Future ausgearbeitet. Wir haben dafür eine Arbeitsgruppe, in der auch Leute sind, die im Jugendrat aktiv sind und unsere Forderungen weitertragen können. Die Wissenschaftler geben ihren Input und sind auch bei unseren Vollversammlungen und Demos dabei. Wir haben also wissenschaftliche Rückendeckung. Wir wissen, was wir tun – immerhin geht es um unsere Zukunft. Und die ist uns wichtig.

Ist es manchmal frustrierend, dass sich trotz eures Engagements so wenig tut?

Thrams: Ja, manchmal schon. Andererseits ist es auch ein Antrieb, weiterzumachen. Fridays for Future hat die Energie, die es braucht, um etwas zu verändern. Und wir werden die immer weiter aufbringen. Die Sorge darum, wie sich das Klima und die Welt verändern wird, ist größer als der Frust. Deshalb hören wir nicht auf. Wir streiken, bis ihr handelt.

Was wünscht ihr euch für Düsseldorf in diesem Jahr?

Thrams: Wir wollen 2020 nochmal eine Schippe drauflegen und richtig laut sein – so dass das Thema noch mehr Aufmerksamkeit bekommt. Wir hoffen, dass wir die Gesellschaft noch mehr einbinden können und mehr ins Gespräch kommen. Im Endeffekt geht es darum, so viele Menschen wie möglich unter dem Thema zusammenzubringen und es auch denen schmackhaft zu machen, die sich noch nicht dafür interessieren.