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Wuppertal: Ein Bahnhof für die Utopisten

Wuppertal : Ein Bahnhof für die Utopisten

Die Sparkasse hat dem Verein Utopiastadt den Bahnhof Mirke nun geschenkt. Seit drei Jahren wirkt er dort. Nun wird saniert.

Mirke. Ein riesiger Schlüsselbund klimperte in der Hand von Sparkassenvorstand Gunther Wölfges, als er Christian Hampe ein großes Geschenk machte: Hampe, einer der Initiatoren von Utopiastadt, und die gleichnamige gGmbH sind jetzt Besitzer des Mirker Bahnhofs. Nach fünf erfolgreichen Jahren Projektarbeit in dem historischen Bauwerk hat die Sparkasse ihm das Gebäude nun geschenkt.

Wuppertal: Ein Bahnhof für die Utopisten

Im alten Wartesaal kamen die Vertreter der Sparkasse, der Stadt und des Vereins zusammen. Christian Hampe war sichtlich gerührt, als er allen Anwesenden für ihr Kommen und allen Unterstützern insbesondere für das Ermöglichen des Anlasses dankte. „Wir werden mittlerweile oft beforscht. Unis und Institute fragen sich, warum dieses Projekt des bürgerschaftlichen Engagements gerade bei uns funktioniert“, sagte er. Denn oft endeten solche Vorhaben, die zur Entwicklung des Quartiers beitragen sollen, in endlosen Streitigkeiten mit Eigentümern und Behörden. „Es braucht wohl Menschen wie Sie“, mutmaßte Hampe und sprach damit die Vertreter der Sparkasse, aber auch den Oberbürgermeister Andreas Mucke an. „Ihre Begeisterungsfähigkeit und der Glaube an unser Projekt sind einmalig.“

Und das ist das Projekt: „Es ist die Initialzündung eines andauernden Kultur- und Gesellschaftskongresses mit Ambitionen und Wirkung“, so die eigene Definition. Gelebt bedeutet das, dass in dem einzigartigen, und bis vor fünf Jahren ungenutzten Gebäude mitten im Quartier Mirke Platz geschaffen werden soll, um den Bewohnern die Möglichkeit zu bieten, sich an der Gestaltung und Verbesserung ihres Viertels aktiv zu beteiligen. „Das kann auch schon ein Nähkurs sein, der einfach Räumlichkeiten braucht. Aber dadurch entsteht ja auch schon ein begrüßenswerter Austausch“, erklärt David J. Becher, Vorsitzender des Vereins Utopiastadt. Mittlerweile stößt der Verein an seine räumlichen Grenzen, so viele verschiedene Aktionen finden in dem alten Bahnhof statt. Nicht nur Kurse, auch Konzerte, Ausstellungen und Parties werden hier veranstaltet und die Nähe zur Nordbahntrasse intensiv genutzt.

Den genauen Wert, der an dem Schlüsselbund hängt, wollte die Sparkasse nicht nennen. „Hier geht es schließlich um eine gute Sache, nicht um Geld“, entgegnete Jürgen Harmke von der Sparkasse einem Fragenden. Allein das Grundstück, auf dem der Mirker Bahnhof steht, ist aber schon 2800 Quadratmeter groß.

Viel größer sind aber noch die Pläne der Utopisten: Ganz konkret 60 000 Quadratmeter groß. Denn so groß ist das umliegende Gelände bis zur A46, das der Verein sehr gerne erwerben würde, um darauf den Campus Mirke zu errichten. „Alles ist denkbar, vom Kulturkindergarten zu Gemeinschaftsstudios“, so Becher. Das alles sei aber noch buchstäbliche Utopie, erst einmal stünden Verhandlungen mit dem Besitzer Aurelis an.

Viel konkreter sind da die nächsten Maßnahmen von Utopiastadt: Der eigene Bahnhof soll für 3,9 Millionen Euro vollständig saniert werden. Dann stünden auch mehr Räume zur Verfügung. Finanziert wird das durch Stadt und Land durch Städtebaufördermittel, die Hilfe der Dr. Werner Jackstädt-Stiftung, die NRW-Stiftung, private Spenden und bauliche Selbsthilfe.