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Wuppertal: Der Ölberg soll bezahlbar bleiben

Wuppertal : Der Ölberg soll bezahlbar bleiben

Mit der Frage, wie das Quartier lebenswert bleiben kann, beschäftigen sich engagierte Ölberger.

Elberfeld. Wem gehört die (Nord)Stadt? Das fragen Gaby Schulten und Thomas Weyland von den Unternehmern am Ölberg in einem vielbeachteten Beitrag für die aktuelle Nordstadtbroschüre zu Leben, Wohnen und Wohnraum im Quartier.

Wuppertal: Der Ölberg soll bezahlbar bleiben

Ein Anlass für die Überlegungen seien die jüngsten Pläne zum Umbau des Bunkers Schusterstraße gewesen, sagt Gaby Schulten: „Dafür interessieren sich Anwohner und Nachbarn, auch vor dem Hintergrund, dass dort Luxuswohnungen entstehen sollen.“

Zwar gebe es am Ölberg keinen akuten Anlass zur Sorge: „Noch haben wir in Wuppertal nicht solche Entwicklungen wie sie aus Hamburg, Berlin, Köln, Düsseldorf, Stuttgart oder München berichtet werden: Mieten zwischen 10 und 20 Euro pro Quadratmeter kalt. Die Mieten in der Nordstadt liegen im Vergleich dazu noch relativ moderat bei fünf bis acht Euro pro Quadratmeter.“

Gleichwohl lassen sich auch in der Elberfelder Nordstadt Veränderungen feststellen. Der Bestand und die Wohnungen müssten an neue Erfordernisse und Bedürfnisse angepasst werden, sagen Schulten und Weyland: „Stichworte sind Klimaschutz beziehungsweise Energieoptimierung und Abbau von Barrieren.“ Das koste Geld und müsse refinanziert werden. „In dem Zusammenhang ist eine Erhöhung von Mieten okay — auch der Ölberg kann Aufwertung vertragen — keiner will die Toilette auf halber Treppe und die Badewanne in der Küche.“

Aber eben Anpassung mit Augenmaß. Wichtig für die Quartiersentwicklung sei die Identifikation mit dem Quartier. „Neulich sagte eine Frau zu mir: ,Und wenn ich im Lotto gewinne, ich bleibe auf dem Ölberg’, berichtet Gaby Schulten. Daran arbeite man in der Elberfelder Nordstadt seit Anfang der 2000er Jahre „mit vielen Formaten wie Ölbergfest, Lesefestival oder auch den Märkten“.

Damit positive Entwicklung in einem Viertel vorangebracht werden könne, seien aber ebenso Gesetzgeber und Stadt gefragt: „Wie in anderen Kommunen auch, könnte man stärker die Immobilienwirtschaft regulieren“, meinen Schulten und Weyland - beispielsweise mit Instrumenten wie Baugenehmigungen gegen Auflagen wie Mietobergrenzen, keine Umwandlung in Eigentumswohnungen, Abgaben in soziale Töpfe. „Eigentum verpflichtet, und zwar dem Gemeinwohl gegenüber. Das kann man auch umsetzen in dem man gesetzliche Rahmen ausschöpft. Oder der Umgang mit Eigentümern von Schrottimmobilien - hier könnte viel vehementer gehandelt werden.“ Und auch Hausbesitzer und Investoren in der Nordstadt könnten noch stärker für das Viertel sensibilisiert werden: „Gewinne versus Gemeinwohl - darüber muss man wieder reden, das ist nicht tendenziös“, so Schulten und Weyland: „Wohnungen braucht man zum Leben, sie dürfen nicht vorrangig dazu dienen, Profite zu erwirtschaften. Man darf nicht alles dem Markt überlassen.“