Verlage in Wuppertal (3): Ein „Hammer“ für Denkanstöße

Verlage in Wuppertal (3): Ein „Hammer“ für Denkanstöße

Die Barmer schwimmen mit innovativen Sachbüchern, afrikanischer und südamerikanischer Literatur sowie kunstvollen Kinderbüchern gegen den Strom.

Einen Verlagsgründer Peter Hammer hat es nie gegeben, und doch gibt es ihn: den kleinen, aber feinen Peter Hammer Verlag auf dem Rott in Barmen. Seit 2001 ist Monika Bilstein Verlagsleiterin und Geschäftsführerin in Personalunion: „Peter Hammer ist die wörtliche Übersetzung von Pierre Marteau, und das war das Pseudonym für Schriftsteller und Drucker im Mittelalter, die gegen den Strom schwammen.“ Diese hätten sich mit dem Decknamen der Zensur entziehen wollen. Zensierungen hat der Verlag heute nicht mehr zu befürchten, doch der Name soll Programm sein: Neue Themen stellt er vor, er traut sich, eingetretene Pfade zu verlassen und stellt sich auch politischen Fragen.

1966 gehörte Johannes Rau zu seinen Gründern, doch nach einem Jahr übernahm er den Fraktionsvorsitz der SPD im Landtag. Hermann Schulz war 35 Jahre lang Verlagsleiter, bis Monika Bilstein den unabhängigen Verlag mit „Last und Lust“ eines selbstständigen Wirtschaftsunternehmens übernahm: „Wir können unser Programm selbst bestimmen, es macht keiner Vorgaben, aber es gibt auch keinen Konzern, der finanziell unter die Arme greifen könnte.“ Das Programm ist allerdings geschärft: Kinderbücher mit künstlerischem Anspruch, Literatur aus und über Afrika und Lateinamerika und Sachbücher mit außergewöhnlicher Thematik werden verlegt.

Bilstein: „Wir legen Wert auf eine vertrauensvolle, kontinuierliche Zusammenarbeit mit unseren Autoren. Die finden bei uns eine verlegerische Heimat und wir können besser mit einem gebündelten Gesamtwerk auf Messen werben.“ Monika Bilstein ist also viel auf Reisen: Auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig ist der Verlag vertreten, aber auch bei Ausstellungen und Treffen unabhängiger Verlage, etwa in München oder Hannover. Immer wieder wird die gelernte Buchhändlerin zu Vorträgen eingeladen: In Berufskollegs, Schulen des deutschen Buchhandels, aber auch nach Riga, Teheran oder Beirut. „Unsere Bücher haben ja schon viele Auszeichnungen bekommen, etwa den Deutschen Jugend-Literaturpreis. Aber auch Nominierungen hierfür sind wichtige Orientierungshilfen für den Buchhandel.“ 2009 wurde der Peter Hammer Verlag mit dem mit 26 000 Euro dotierten Kurt-Wolff-Preis für seine Verlagsarbeit ausgezeichnet. Der Preis fördert unabhängige Verleger und würdigte den Wuppertaler Verlag für sein Engagement für die Literatur Afrikas und Südamerikas und für die Sorgfalt bei der Gestaltung ungewöhnlicher und qualitativ hochstehender Kinderbücher.

Gerade hat der Verlag ein neues Feld beschritten: Mit „Von den Sternen bis zum Tau“ von Jens Soentgen will er beweisen: „Naturwissenschaft macht glücklich.“ Auch die Rechnung scheint aufzugehen: „Wir lassen gerade die zweite Auflage drucken — das ist eine Sternstunde an meinem Verlegerhimmel“, bekennt Bilstein.

Privat verbindet die 52-Jährige gerne die geschäftlichen Reisen mit Privatem: „So kann ich meiner fachlichen Begeisterung freien Lauf lassen und gleichzeitig meiner Reiseleidenschaft und Wanderlust frönen.“

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