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Impro-Theater: B7 bringt die Lachmuskeln zum Arbeiten

Theater : B7 bringt die Lachmuskeln zum Arbeiten

Die Improvisations-Theater-Gruppe thematisierte in der Elberfelder Börse „Herbstrausch“.

Der Matsch wurde das Thema: Beim „Herbstrausch“ der Improtheater-Gruppe „B 7“ in der Börse avancierte der eher unschöne Bodenzustand zum inhaltlichen Bogen – mit Bezug zur nassen Jahreszeit. All das nach der Idee eines Zuschauers und damit, natürlich, ungeplant.

Fünf Mitglieder der Truppe plus Moderation und Pianist Robert Erwes brachten einmal mehr zum Einsatz, was sie sonst regelmäßig hier trainieren. Die sportlichen Vokabeln haben ihre Berechtigung, denn auch Neulinge hätten heute bestätigt: Improvisationstheater hat so einiges von Sport. Konzentration, blitzschnell mit Körpergefühl reagieren und im Team eine gute Vorstellung liefern – das tun ja auch Fußballer oder sollten es tun. Unterschied heute: Es war auch lustig.

Zum Großteil lag das an einem Humor der schrägeren Art – wo sonst sieht man Trainer und Spieler beim Versuch, einen Baum zu stutzen, noch dazu als Antrieb mit einem Jungen am Bein? Dass diese Szene sich in der Tat um Sport drehte, ist reiner Zufall, denn ein Grundelement beim Impro sind die Zuschauer – ihre Vorgaben, aber schon ihre Rolle als Einheizer. „Gebt uns eure Energie mit!“, animierten die Moderatoren Jule Oberfeuer und Sven Römer die Gäste ständig zum gemeinsamen Einzählen: „Vier, drei, zwei, eins – los!“ Dass sich bei Spieler Martin Linke unten ein Bub vom Publikum verkrallte und die Bewegungen diktierte: Das hingegen war Prinzip des Spiels „Marionetten“, was als Aufgabe ungefähr hieß: Lass dich führen und füll‘ es mit Sinn. „Sinn“ war auch hier zuweilen relativ, aber bei Impro wird ohnehin nur glücklich, wer einen Draht dazu hat.

Die Vorschläge aus dem
Publikum sprudeln nur so

Den hatte das Börsen-Publikum ganz offenkundig: Hörbar das Amüsement, schnell die Einfälle, wenn etwa Spielorte gefordert wurden: „Müllkippe!“, „Schlachtfeld!“, „Bohrinsel!“ sprudelten die Vorschläge, und auf der letztlich erkorenen Insel sprudelte zwar kein Öl, aber ein geheimnisvolles „Stimmchen“ erfand eine Szene und eroberte sich den Bohrarbeiter-Joystick. Eigentlich sollte man aber Impro-Szenen besser erleben statt nacherzählen, doch in der Zeitung ist das schwierig.

Eine verdiente sich die Beschreibung trotzdem besonders: „Too Matsch in Venedig“ variierte ein Zuschauer kreativ aus englisch „Much in Venedig“, und daraus sollte sich nicht nur besagter Bogen ergeben, sondern auch eine der wohl spektakulärsten Situationen.

Die Übung „Freeze“ verlangte, mitten im Spiel reglos inne zu halten und für den Fortgang zwei Vorschläge zu machen; also ging es vom harmlos trällernden Gondoliere prompt zum Mafioso. Alexandra Peter griff schließlich das Stichwort auf und rechtfertigte sich, warum an das Geld im „Canale“ partout nicht heranzukommen war: „Zu viel Matsch im Fluss.“ Zuvor hatte Robert Erwes am Piano spontan für ein Glanzstück gesorgt, als er neben der musikalischen Begleitung (sonst ist er auch fester Mitspieler) kurzerhand mit eingebaut wurde – als charmanter „Straßenmusiker“ und ersehnter Vater von „Giovanni“. Oder so ähnlich. Denn um lexikalische Korrektheit geht es bei Impro sicher zu allerletzt. Oder wie ein Spieler selbst mal bemerkte: „Ich komm‘ da nicht mehr mit ...“

Mit schrillen Gesangseinlagen zeigte sich die Truppe zum Abschluss trotzdem noch einmal konzentriert und auf Zack und ließ die Stars des Abends paradieren … als da waren: Ein Kürbis, Matsch und Mafia. Zum Erleben statt Erzählen gibt es mit „B 7“ übrigens beim nächsten Auftritt am 15. Dezember wieder Gelegenheit.