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Gerhard Finckh setzt Schlusspunkt mit Doppelausstellung

Von der Heydt-Museum : Finckhs furioser Abschluss ist eine Doppel-Ausstellung

„Blockbuster - Museum“ präsentiert die Sammlung und blickt hinter die Kulissen.

Diese Ausstellung sind zwei – die darüber hinaus die eigentlich geplante große Herbstausstellung über das kulturelle Frankreich des 18. Jahrhunderts ersetzt. Sie war an der Finanzierung gescheitert. Stattdessen zeigt das Von der Heydt-Museum nun seine „wunderbare Sammlung“, sagt Museumsdirektor Dr. Gerhard Finckh. Hinzu gesellt sich ein Blick hinter die Kulissen, ein „Making of einer Ausstellungsversion, wie sie bei uns durchaus erfolgreich war“, so Finckh. „Blockbuster Museum“ öffnet am Sonntag seine Türen - Finckh beweist ein letztes Mal (bevor er in den Ruhestand geht) seinen weltweit guten Ruf.

Nach der Absage im April stand die Frage „Was machen wir?“ im Raum. Die saloppe Antwort: „Na, dann hängen Sie doch einfach ihre Sammlung an die Wände.“ nahm sich Finckh zu Herzen, „weil wir eine tolle Sammlung haben, weil viel Arbeit hinter den Ausstellungen steckt, und weil Besucher immer wieder fragen, wie diese entstehen“. Vor allem in Teamarbeit, sagt der Museumschef ausdrücklich, hängt Fotos der einzelnen Mitarbeiter auf, von den vier Kuratoren bis hin zum Restaurator. Zirka 3000 hochkarätige Gemälde, 500 Skulpturen und 30 000 grafische Blätter aus vorchristlicher Zeit bis in die Gegenwart besitzt das Museum, die 130 schönsten Werke hat es ausgewählt, auf die elf Räume im zweiten Stockwerk im Gebäude am Turmhof gehängt oder gestellt. Hinzu kommen jede Menge Materialien, von der Sperrholzwand bis zum Arbeitstisch, vom Farbeimer bis zum Zeitungsartikel.

Bevor eine Ausstellung beginnt, wird die vorherige abgebaut - Raum eins empfängt die Besucher im Umbruch. Mittendrin eine wieder freigelegte Vitrine, darin ein Spielzeugturm, auf dessen Spitze das Schwarzweiß-Titelfoto der neuen Ausstellung thront: Der Museumschef selbst als kleiner Junge, der einen Turm baut. Eine Tätigkeit, die dem eines Kurtoren ähnele, erklärt Finckh die Wahl, denn auch dieser schaffe Ordnung.

Ohne Geld gibt es keine Ausstellungen

Über die Ideenfindung einer Schau (Raum zwei) geht es zu den ersten Schritten ihrer Realisierung. In Raum drei steht ein riesiger Arbeitstisch, dahinter zwei Pinnwände mit Skizzen, Post-Its, Raumplänen, Korrespondenzen. Ein Nachbau des Arbeitsplatzes von Finckh, der die nötige Kleinarbeit spiegelt - von der Suche nach Bildern Monets bis hin zu den Werken, die in Versailles für die Frankreichausstellung ehedem geliehen werden sollten.

Ohne Geld, keine Ausstellungen - das wird gleich in zwei Räumen (vier und elf) deutlich: Finanzpläne von Stadt und Museums GmbH können nachgelesen werden. Einige Mäzene (von den Sammlerehepaaren Holze und Lohmann bis hin zu Tony Cragg) werden herausgestellt. Die Aufbereitung der Ausstellungswerke - von der Ankunft und eventuellen Restaurierung, über die bessere Präsentation durch einen wirkungsvollen Rahmen bis hin zur passenden Wandfarbe und einem „perfekten Raum“- wird in den Räumen fünf bis acht nachgegangen.

Dass Museen durchaus politisch, gesellschaftlich und ethisch Stellung beziehen (müssen), wird im neunten Raum thematisiert, der die Schwierigkeit der Provenienzforschung darstellt und Fragen zu nationalsozialistischer Kunst, politischer Korrektheit oder zum Kurzifixstreit aufwirft.

Welche Schätze das Museum hat, wird in jedem Raum deutlich: Es werden Impressionisten und Schalen aus der Zeit um 2500 vor Christus gezeigt, asiatische Buddha-Figuren und mittelalterliche Heiligenfiguren. Nach einem „Hinweis“ auf die 100 000 Bände starke Museumsbibliothek, endet die Schau mit einem Glanzpunkt: Werken von Bonnard, Picasso, Mohol-Nagy, Rauch und Richter.