Ein uneitles Duo glänzt im Dienst der Musik

Ein uneitles Duo glänzt im Dienst der Musik

Jubel beim Klavier-Festival: Frank Peter Zimmermann und Emanuel Ax begeistern.

Elberfeld. Wenn vor der Stadthalle der rote Flügel parkt, ist es wieder soweit: Das Klavier-Festival Ruhr macht Station in Wuppertal. Das renommierte Musikfest, das in diesem Jahr „Silbernes“ feiert, wartet jedes Mal mit großen Namen auf. Frank Peter Zimmermann (Violine) und Emanuel Ax (Klavier) haben alle drei Violinsonaten von Johannes Brahms und das kuriose Scherzo c-Moll aus der „F.A.E“-Sonate im Gepäck.

„Frei, aber einsam“, der Wahlspruch des Geigers Joseph Joachim, stand Pate für diese Sonate, für die Robert Schumann, Albrecht Dietrich und Johannes Brahms jeweils einen Satz schrieben. Ax und Zimmermann spielen das kurze Brahms-Allegro mit kraftvoll-drängendem Charakter.

Die drei Violin-Sonaten stammen aus dem Spätwerk des Komponisten und sind mit technischen Raffinessen gespickt. Kein Problem für das Duo, das seit einigen Jahren miteinander musiziert und sich blind versteht.

Auffallend ist das uneitle Spiel und Auftreten: Ganz im Dienst der Musik zelebrieren die beiden Brahms. Kurz nehmen sie die Phrasen im Kopfsatz der A-Dur-Sonate, tief empfunden und mit sichtlicher Freude spielen sie das schöne „Andante tranquillo“ mit den hüpfenden Wechseln zum „Vivace“, klangvoll und dicht schließlich ist das Rondo-Finale.

Zimmermann bringt sein schönes Stradivari-Instrument in der G-Dur-Sonate beseelt zum Klingen. Lyrisch-fließend und ohne Brüche musiziert das Duo, und die innigen und wehmütigen Melodien gehen zu Herzen. Wie ein Auflehnen gegen das Schicksal klingen die harschen Einwürfe, rhythmisch und zupackend vorgestellt. Ganz leichtfüßig und ohne sichtbare Anstrengung gestaltet Zimmermann das liedhafte Thema des letzten Satzes und lässt die unendlich sich verströmende Musik in der hohen Lage tröstlich ausklingen.

In der d-Moll-Sonate scheut Zimmermann auch Glissando-Aufgänge nicht, um Seufzer-Figuren herauszustellen. Stürmische Ausbrüche und atemlos dahinjagende Passagen trägt das virtuose Klavierspiel ebenso wie die feine und feierliche Musik des herrlichen „Adagio“.

Das ist große Kunst, und die Vollblut-Musiker warten auch den letzten Huster ab, bevor sie ins spannungsreiche und schwierig zu spielende finale „Presto“ starten. Großer Jubel im gut besetzten großen Stadthallen-Saal, der in die abgeklärt vorgetragene Zugabe, einen Schumann-Sonatensatz, endet.

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