Kein Theater in der Comödie

Kein Theater in der Comödie

Die Bühnen gastieren im Haus der Jugend und in der Börse — aber nicht am Karlsplatz.

Wuppertal. Zieht das Wuppertaler Schauspiel in die Comödie? Als die WZ vor sechs Monaten berichtete, dass es Überlegungen gibt, die Räume der einstigen Boulevardbühne ab Herbst 2013 für kleinere Produktionen zu nutzen, war das Echo groß. Viele Leser fanden die Idee gut, andere formulierten deutliche Vorbehalte — sie kritisierten, dass ein subventioniertes Stadttheater an einem Ort seine Zelte aufschlagen könnte, an dem ein Privattheater für leichte Unterhaltung gesorgt hatte.

Enno Schaarwächter, Geschäftsführer der Wuppertaler Bühnen, über die Saison 2013/2014.

Inzwischen sind die Pläne vom Tisch, wie Enno Schaarwächter auf WZ-Nachfrage erklärt: „Es hätte uns personell und finanziell überfordert.“ Womit der Geschäftsführer der Wuppertaler Bühnen nicht allein die Miete am Karlsplatz meint, sondern auch auf die Tatsache anspielt, dass die sogenannten „technische Einrichtungen“ in Räumen, die schon seit mehreren Jahren nicht mehr Heimat der Comödie sind, schwierig geworden wäre.

Stattdessen wollen sich die Bühnen in der Saison 2013/2014 vor allem in der Börse an der Wolkenburg und im Haus der Jugend Barmen präsentieren — also an bewährten Veranstaltungsorten. In der Börse beispielsweise feiert im Januar Anne Leppers Stück „Oh ist das Morrissey“ Premiere. Regie führt Jakob Fedler. Bedenken, dass das Publikum nicht mitziehen könnte, hat Schaarwächter nicht: „Als wir 2008 schon einmal in der Börse gastierten, hatten wir eine irre Auslastung.“ Zur Erinnerung: Während damals das Internationale Tanzfestival im Schauspielhaus Furore machte, fand das städtische Schauspiel-Ensemble Asyl in der Börse — und machte aus der Not eine Tugend. Das sechswöchige Festival am alternativen Standort war ein voller Erfolg.

Flexibel will sich indes auch die Oper zeigen: Wie die WZ berichtete, weicht Intendant Johannes Weigand mit seinem Team für kleinere Inszenierungen in Schulen, Kirchen und Fabriken aus. Fest steht etwa, dass die „Irrfahrten des Odysseus“ zunächst ins Carl-Fuhlrott-Gymnasium führen und „Die ägyptische Maria“ Kurs auf die Immanuelskirche nimmt. „Wir sind in Verhandlungen“, sagt Schaarwächter, „und finden sicherlich noch weitere interessante Orte.“

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