Sinfoniker und ihr Instrument (9): Der zauberhafte Klang der Klarinette

Sinfoniker und ihr Instrument (9): Der zauberhafte Klang der Klarinette

Wuppertal. Von Klassik bis Jazz und von weichen bis zu „schreiend“ lauten Tönen: Bernhard Wagner liebt die Vielfalt seines Instruments. Die WZ traf ihn zum Interview.

Herr Wagner, Sie sind seit 1990 Mitglied im Wuppertaler Sinfonieorchester. Was fasziniert Sie an der Klarinette?

Bernhard Wagner: Mich faszinieren immer noch die klanglichen Möglichkeiten auf der Klarinette — von sehr weich und geschmeidig über leuchtend bis hin zu schreiend. Damit verbunden reizt mich auch die große Ausdrucksskala von Klassik bis Jazz.

Eine Instrumentenwahl will gut überlegt sein. Was würden Sie Kinder und Eltern raten, die sich darüber gerade Gedanken machen. Für wen ist die Klarinette zu empfehlen?

Wagner: Grundsätzlich für alle Altersgruppen ab neun Jahren aufwärts — vorausgesetzt, die Kinder haben feste Zähne. Das Blasen im richtigen Maß und der entsprechenden Technik kann sogar als gesundheitsfördernd betrachtet werden.

Wie oft und lang üben Sie?

Wagner: Im Studium bis zu sechs Stunden, jetzt neben Proben und Aufführungen zwei bis drei Stunden.

In welcher Stilrichtung, in welcher Epoche und bei welchem Komponisten fühlen Sie sich „zu Hause“?

Wagner: Natürlich haben alle Stilepochen ihren besonderen Reiz und ihre Faszination — den größten Zauber kann die Klarinette bei Mozarts Klarinettenkonzert sowie bei Schubert, Weber und Brahms entfalten.

Über welchen Witz über Klarinettisten können Sie wirklich lachen?

Wagner: Gibt es fast nicht. Außer: „Treffen sich zwei Klarinettisten nach vielen Jahren wieder. Fragt der eine den anderen: Und welches Mundstück bläst Du gerade?“ Bratschenwitze sind auf jeden Fall ergiebiger und besser!

Das muss man vielleicht für Nicht-Klarinettisten übersetzen: Der Witz zielt darauf ab, dass Klarinettisten regelmäßig ihr Blatt — also ein Teil des Mundstücks — wechseln, worüber sich andere Instrumentalisten oft lustig machen. Doch Spaß beiseite: Wenn Sie Instrumentenbauer wären — was würden Sie, wenn Sie könnten, an der Klarinette ändern?

Wagner: Seit 120 Jahren — seit der Brahms-Zeit — hat sich an der Klarinette nichts Entscheidendes verändert. Eine „Verbesserung“ würde auch gravierende klangliche Abweichungen nach sich ziehen.

Das Wuppertaler Sinfonieorchester feiert in dieser Saison seinen 150. Geburtstag. Nach der langen Diskussion um eine mögliche Fusion mit den Bergischen Symphonikern sah es nicht immer so aus, als ob das Orchester seine Eigenständigkeit behalten könnte. Feiern Sie nun „doppelt“?

Wagner: Natürlich ist es im Jubiläumsjahr besonders schön und erleichternd zugleich, dass unser besonderer Klang und Ausdruck, der sich 150 Jahre lang entwickelt hat, erhalten bleibt. Dadurch, dass das Orchester seine neuen Kollegen und die Dirigenten auswählen darf, ist eine solches Wachsen überhaupt erst möglich. Der Stadtführung ein großes Dankeschön für die Erhaltung der guten Rahmenbedingungen.

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