Konzerte in der Musikhochschule: Im Schmelztiegel der Klang-Kulturen

Konzerte in der Musikhochschule: Im Schmelztiegel der Klang-Kulturen

Internationales Flair, Werkstatt-Charakter und eine persönliche Note: Konzerte in Barmen sind beliebt.

Barmen. Musikliebhaber werden es gerne hören: Die Profis von der Sedanstraße starten mit Vollgas in die kommenden Konzert-Wochen. „Es gibt mittlerweile ein echtes Stammpublikum“, freut sich Lutz-Werner Hesse. Der Direktor des Wuppertaler Standorts der Hochschule für Musik und Tanz Köln ist hörbar zufrieden.

„Viele schätzen den Werkstatt-Charakter unserer Konzerte“, erklärt der 58-Jährige. „Wir haben weder ein Foyer noch eine Garderobe — weil wir kein professioneller Veranstalter sind.“ Aber ein beliebter. 120 Plätze hat der Konzertsaal. Wenn es nach den Zuhörern und nicht zuletzt nach ihren Gastgebern ginge, dürften es durchaus mehr sein. „Knapp 200 Plätze wären ideal“, sagt Hesse, der Gäste mitunter mangels Platz nach Hause schicken muss. Sie lockt die Mischung, wie der Hausherr vermutet: „Bei uns treten junge Musiker, aber auch renommierte Dozenten auf.“ Dabei gibt es einen zusätzlichen Anreiz: „Wir haben internationales Flair.“ Dafür sorgt zum Beispiel das Enigmi Quintett: Krisztián Palágyi (Akkordeon) und Benjámin Piller (Gitarre) stammen aus Ungarn, Luciano Casalino (Violine) ist Argentinier, Frane Rusinovic (Klavier) kommt aus Kroatien. Ein Kontrabassist macht das Ensemble komplett: Markus Conrads ist Deutscher. Die fünf Studenten stellen sich am Mittwoch, 12. Juni, um 19.30 Uhr vor.

Welches Instrument am gefragtesten ist? „Das kann man schwer sagen“, meint der Experte. „Cello-, Gitarren- und Klavierabende sind sehr beliebt.“ Wirkliche Ausreißer nach unten gebe es jedoch bei keinem Instrument.

Wobei ein wesentlicher Punkt nicht zu verschweigen ist: Der Eintritt zu den Konzerten ist frei. Um die Vielfalt der Musiker und ihrer klangvollen Werke zu zeigen, bringen die Akteure das Günter-Wand-Haus reihenweise zum Klingen. Unter den Veranstaltungsreihen finden sich Dozentenkonzerte, Themenabende und Epochen-Feiern („Barock!“) genauso wie Auftritte aktueller und ehemaliger Studenten („Eigengewächse“). Nicht zu vergessen ist die „Frauenpower“, die am Samstag, 15. Juni, um 19.30 Uhr und am 16. Juni um 16 Uhr erlebt werden kann: „Powerfrauen im Musical“ verspricht die Musical-Klasse. Ihr neues Programm stammt — wen wundert es? — aus weiblicher Hand: Die Leitung übernimmt Stefanie Krahnenfeld. Willkommen sind allerdings nicht nur Powerfrauen, sondern auch männliche Zuhörer. Apropos: Hesse freut sich auch über die Mischung des Publikums. „Es kommen traditionelle Konzertgänger, andererseits viele Nachbarn aus dem Sedansviertel — und Neugierige, die sonst zu keinen Musikveranstaltungen, etwa in der Stadthalle, gehen.“ Was sie an der Sedanstraße suchen? „Unmittelbarkeit und Ungekünsteltes.“ Eine ganz persönliche Note eben.

Ein heißer Tipp ist deshalb das Gedenkkonzert für Professorin Nancy Gildner: In ihrem Namen präsentieren Blechbläser Kammermusik. Aber Achtung: Diese Veranstaltung geht am 11. Juni um 19.30 Uhr nicht in Barmen, sondern in der Citykirche in Elberfeld über die Bühne.

Mehr von Westdeutsche Zeitung