3000 Besucher in sechs Monaten: Kontakthof stärkt die Heimatliebe

3000 Besucher in sechs Monaten: Kontakthof stärkt die Heimatliebe

3000 Besucher in sechs Monaten — die Bühne an der Genügsamkeitstraße läuft. Doch Oliver Brick feilt weiter an seinem Projekt, um noch mehr Impulse für Wuppertal zu geben.

Elberfeld. Versteckt liegt es an der Genügsamkeitstraße, die von Grautönen dominiert wird. Wagt man einen Blick durch die großen Fenster, kann man einen kleinen Schatz finden. Gold, roter Samt und barocke Elemente lassen den Betrachter in eine andere Welt eintauchen, die durch ihre Gemütlichkeit punktet: „Es ist wie ein Wohnzimmer, in dem Opa, Oma, Tanten und Enkel zusammen sind“, sagt Oliver Brick, Geschäftsführer des Kontakhofes.

Die Eröffnung liegt jetzt schon sechs Monate zurück und der Schatz wurde von Besuchern wie Künstlern gefunden. „Wir können uns momentan vor Anfragen kaum retten“, sagt Brick stolz. „3000 Besucher kamen insgesamt zu den Veranstaltungen.“ Ob Musik, Kabarett, Lesungen oder Comedy — die Resonanz war gleichbleibend gut. „Am Anfang habe ich zu viel angeboten, wollte eine 100-prozentige Auslastung und mit dem Kopf durch die Wand“, sagt der ehemalige Verwaltungsleiter des TiC-Theaters. Jetzt sorgt er sich darum nicht mehr. Der Kontakthof ist bekannt und hält immer wieder Überraschungen bereit. „Ein Höhepunkt war zum Beispiel als Roland Bless von der Band Pur hier aufgetreten ist. Bis halb sechs Morgens hat er gespielt.“ Für Oliver Brick hieß es anfangs oft, das eigene Bett gegen die Kontakthof-Couch einzutauschen — denn schon morgens standen die ersten Café-Besucher auf der Matte.

„Im April habe ich einiges umstrukturiert“, sagt Brick jetzt. So wird es im Sommer nur noch zweimal pro Woche ein Kontaktcafé geben. „Es fehlt die Laufkundschaft und viele haben es noch nicht verstanden, dass Theater und Café auch zusammengeht.“ Dafür gibt es demnächst zu Kaffee und Kuchen noch einen kulturellen Leckerbissen. „Live-Musik, eine Talkshow oder eine Lesung möchte ich dazu anbieten — das Ganze gibt es nicht auf Masse, sonst ist es ja nicht mehr etwas Besonderes.“

Getreu dem Motto „Alles neu macht der Mai“ wird die Programmspanne erweitert. Neu sind Talkshows, die das Bewusstsein der Wuppertaler für ihre Heimat stärken sollen: „Das ganze nennt sich ,Donnerstalk’, weil es jeden Donnerstag eine Talkrunde gibt.“ Themen sind Stadtmenschen, -geschichten und -gespräche: „Die Menschen sollen beteiligt werden an dem, was hier passiert“, sagt Brick, der sich selbst als Lokalpatriot bezeichnet. Im Kontaktkreis können sich die Heimatverbundenen austauschen und Ideen entwickeln, wie die Stadt verschönert werden kann. „Mit dem Kontakthof können wir Impulse setzten.“

Dem Geschäftsführer ist wichtig, dass alle Generationen angesprochen werden. „Hier soll sich der Student, der Rentner und die Managerin wohlfühlen.“ Ob Rockkonzerte, Plattkallerabende mit Lore Duwe oder ein Familiennachmittag — der Kontakthof wird seinem Namen gerecht. Bricks Vision: „Die Menschen vor dem Fernseher weglocken.“

Um Kultur allen zugänglich zu machen, bietet er kostenfreie Veranstaltungen an. Beispielsweise ersetzt beim Kaffeeklatsch mit Fabienne van Straten alias Kristof Stößel ein selbst gebackener Kuchen die Eintrittskarte. Zusammen wird dann getöttert und vom großen Kuchenbuffet genascht. Dass viele die kulturelle Situation im Tal als Krise empfinden, entmutigt Brick nicht: „Man muss nicht nach Düsseldorf fahren, um Kultur zu erleben. Das ist Blödsinn.“

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