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Meerbusch: Evangelische Kirche braucht neue Pfarrer

Evangelische Kirche : Kaum jemand will noch Pfarrer werden

Die evangelische Kirche leidet nicht nur unter einer sinkenden Zahl der Gemeindeglieder, auch an Pfarramtsanwärtern fehlt es.

Um den theologischen Nachwuchs in der evangelischen Kirche ist es nicht gut bestellt. Als Pfarrer Wilfried Pahlke 1986 sein Zweites Theologisches Examen absolvierte, tat er dies zusammen mit rund 70 anderen Studenten. 2019 ließen sich nur noch zehn Anwärter für das Amt des Pfarrers prüfen. In der Region ist der Mangel an Pfarrern noch nicht dramatisch, könnte aber zu einem Problem werden. „Die Rheinische Landeskirche steht noch einigermaßen gut da. Optimal ist es aber nicht“, so Pahlke.

Die zukünftigen Folgen eines Pfarrer-Mangels machen dem 59-Jährigen Sorgen. „Die Gemeindegliederzahlen pro Pfarrstelle müssten erhöht werden. Hat eine Gemeinde jetzt rund 3000 Gemeindeglieder, könnten es dann bis zu 5000 sein. Außerdem könnte ein Pfarrer dann für mehr Bereiche zuständig sein, und das wäre schrecklich“, sagt Pahlke. Die Ausweitung der Pfarrbezirke würde dazu führen, dass die Pfarrer sich nur noch auf bestimmte Schwerpunkte in der Pfarramtsarbeit beschränken könnten. Für alles andere würden Ehrenamtler benötigt, an denen es aber auch mangele.

Der Weg zum Pfarramt ist nicht leicht und sehr lang, das ist Pahlke bewusst. Wer Pfarrer werden möchte, braucht das Abitur, um das Theologie-Studium absolvieren zu können. Einen Numerus Clausus gibt es nicht. Im Rheinland ist ein Studium beispielsweise in Bonn, Wuppertal, Bochum und Münster möglich. Das Studium dauert in der Regel sechs bis acht Jahre, sagt Pahlke. Dann folgt das Erste Theologische Examen. Ist das geschafft, folgen zweieinhalb Jahre praktische Ausbildung als Vikar/Vikarin in einer Gemeinde. Angeleitet von ihren Mentoren verrichten die Vikare alle Aufgaben, die zum Pfarramt gehören, dazu gehören Amtshandlungen (Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen), Predigten, Konfirmationsunterricht und auch Jugend- und Seniorenarbeit. „Das ist immer sehr spannend für die Vikare, da sie mit vielen unterschiedlichen Menschen und Bereichen zu tun haben“, so Pahlke. Die Bezahlung für das Vikariat ist vergleichbar mit einem Azubi-Gehalt.

Auf das Vikariat folgt das Zweite Theologische Examen. Dann müssen die frisch gebackenen Pfarrer noch einmal eineinhalb Jahre als Pfarrer zur Anstellung arbeiten, bevor sie sich auf eine freie Pfarrstelle bewerben können. Das sei ein langer Ausbildungsweg, der manche vielleicht entmutige, Pfarrer zu werden, gibt Pahlke zu.

Im Studium sind Latinum,
Graecum und Hebraicum Pflicht

„Die größte Schwierigkeit sehe ich aber darin, dass im Studium sowohl das Latinum als auch das Graecum und das Hebraicum Pflicht sind“, sagt der 59-Jährige. „Das schreckt viele ab, die praktisch für den Beruf geeignet, aber sprachlich vielleicht nicht so gut sind.“ Alle Sprachen können auch während des Studiums erlernt werden. Dieser Mehraufwand verlängere aber auch oft die Studiendauer. „Zusätzlich zu den akademischen Anforderungen sollten zukünftige Pfarrer auch tief und fest im Glauben stehen und für ihren Beruf geboren sein“, meint Pahlke. „Wichtig ist es auch, mit Menschen gut umgehen zu können und keine Scheu zu haben. Pfarrer müssen ihren Gemeindegliedern vermitteln können, dass sie angenommen und aufgehoben sind.“

Der Kontakt zum Menschen ist es auch, der den Beruf des Pfarrers für Pahlke so spannend macht. „Nirgendwo kommt man so nah an den Menschen heran. Man erlebt Freud’ und Leid, muss mit Groß und Klein umgehen können und kann die wunderbare Botschaft verkünden, dass wir nicht allein sind und Gott bei uns ist.“ Außerdem könne man als Pfarrer in verschiedenen Facetten des Lebens kreativ sein und seine Schwerpunkte in der Pfarrarbeit selber setzen.

Die Berufsaussichten für Pfarrer sehen gut aus, so Pfarrer Wilfried Pahlke. Gerade im Rheinland gebe es bald eine große Pensionierungswelle. Mit Zusatzausbildungen können Pfarrer auch an Schulen unterrichten oder in die Krankenhausseelsorge einsteigen. Wer nach mehr strebt, kann auch Dozent oder Superintendent werden. Auch ein Aufstieg in ein Landeskirchenamt ist möglich.