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Meerbuschs Friedhöfe sollen schöner werden

Ein Konzept für Meerbuschs Friedhöfe : Stadt will Friedhöfe neu gestalten

Bestattungskultur verändert sich, Friedhöfe auch. Jetzt wurde ein neues Konzept vorgestellt.

„Gesellschaftliche Veränderungen spiegeln sich auch auf den Friedhöfen wider“, sagte jetzt Grünflächenamtsleiter Michael Betsch, als er das Friedhofsentwicklungskonzept für die nächsten Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte für Meerbuschs sechs Friedhöfe in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses vorstellte. Denn immer weniger Angehörige hätten Zeit oder Möglichkeit, regelmäßig zur Grabpflege auf die Friedhöfe zu kommen.

Das hat Folgen für die Gestaltung der Meerbuscher Friedhöfe. Denn dort entstehen immer mehr Lücken zwischen einzelnen Gräbern, da Urnen viel weniger Raum als Särge beanspruchen. Für das Grünflächenamt bedeuten diese leeren Stellen eine aufwendigere Pflege. Deshalb will die Stadt in den kommenden Jahren die städtischen Friedhöfe verändern. Auch in Hinblick auf die Atmosphäre.

Hintergrund ist ein allgemeiner Leitwert für die Größe von Friedhöfen, die zwischen 2,5 und vier Quadratmetern pro Einwohner liegen soll. Meerbusch befindet sich dabei mit 4,14 Quadratmetern knapp über diesem Wert. Langfristig soll dieser Wert auf 3,3 Quadratmeter verringert werden, um der gesunkenen Menge an Sargbestattungen Rechnung zu tragen. Die Bestattungsflächen verringern sich jedoch je nach Standort unterschiedlich. In Lank- Latum soll ein Fünftel der Fläche wegfallen, um den Wert pro Einwohner von 4,23 auf 3,43 Quadratmeter zu reduzieren, in Büderich sind es ungefähr ein Sechstel (4,16 auf 3,35 Quadratmeter pro Einwohner), in Osterath ein Fünftel (4,44 auf 3,12). Einzig in Strümp bleibt alles beim Alten, da dort mit einer Friedhofsfläche von 3,46 Quadratmetern pro Einwohner bereits jetzt die neuen Zielvorgaben erfüllt sind.

Fehlplanungen der Vergangenheit sollen beseitigt werden

Die Reduktion der Flächen funktioniert jedoch nicht von heute auf morgen, sondern hängt von der Art des Grabes ab. Unterschieden wird zum einen zwischen sogenannten Reihengräbern – sie werden von der Stadt zugeteilt und können 25 Jahre nach der letzten Beerdigung eingeebnet werden. Zum anderen gibt es Wunschgräber – dabei kann der Ort der Bestattung frei gewählt und das Grab nach Ablauf der 25 Jahre beliebig oft verlängert werden.

Da jedoch nicht jeder von dieser Möglichkeit Gebrauch macht, entstehen Lücken zwischen den Gräbern. Deshalb sollen nach Wunsch der Verwaltung an diesen Stellen in Zukunft keine neuen Gräber mehr ausgewiesen werden, um die Menge stetig zu reduzieren. Bestehende Gräber bleiben jedoch so lange an ihrem Ort, wie sich das die Angehörigen wünschen. Auch bleibe trotz der Verringerung der Flächen noch genügend Auswahlmöglichkeit für Grabstätten bestehen, wie Michael Betsch betont.

Gleichzeitig sollen mit dem neuen Konzept Fehlplanungen aus der Vergangenheit beseitigt werden. Eine davon ist auf dem Lanker Friedhof zu finden, wo die Gräber teilweise so nah aneinandergesetzt wurden, dass Angehörige und städtische Mitarbeiter Probleme haben, die Grabstellen zu erreichen. Die wegfallenden Flächen sollen jedoch auch in Zukunft Bestandteil der Friedhofsanlagen bleiben. Einige davon sollen bereitgehalten werden für mögliche zukünftige Bestattungsformen. „In der Bestattungskultur gibt es eine große Dynamik“, erzählt Betsch. Noch vor zehn Jahren seien beispielsweise Urnengräber unter Bäumen ungewöhnlich gewesen, heute gebe es immer mehr Menschen, die ihre Angehörigen auf diesem Wege bestatten wollten.

Die übrigen Freiflächen sollen dagegen genutzt werden, um durch eine parkähnliche Gestaltung die Atmosphäre auf den Friedhöfen zu verschönern. Denkbar seien dabei beispielsweise Kunstwerke, Bäume und Sträucher oder Bänke.

Bis die Veränderungen sichtbar werden, wird jedoch noch eine Weile vergehen. Das neue Konzept soll erst einmal in den kommenden fünf Jahren getestet werden, um zu schauen, ob sich die Friedhöfe mit den angepassten Stellschrauben tatsächlich verändern.