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Im Einsatz für die Malteser: Ein Grevenbroicher hilft im Libanon.

Im Einsatz für die Malteser : "Ich muss dorthin fliegen"

Clemens Graf von Mirbach-Harff war für die Malteser unterwegs. Die Katastrophe von Beirut schockt ihn.

. (Red) Das Strandfoto zeigt den anderen, den wunderschönen Libanon. „Ein unglaubliches Land mit starken, freundlichen Menschen“, sagt Clemens Graf von Mirbach-Harff. Drei Jahre lang war der Grevenbroicher mit Frau und zunächst drei, später vier Kindern im Libanon, als Länderkoordinator von Malteser International. Seine jüngste Tochter wurde dort geboren.

Seit Kurzem sind alle zurück im Rheinland. Als am Dienstag, kurz nach 17 Uhr, plötzlich WhatsApp auf Mirbachs Handy jede Sekunde klingelte, schaute er nach. „Da stand zunächst immer nur ‚I’m fine‘.“ Kurz darauf sind die ersten Videos zu sehen – von der Mega-Explosion in Beirut. An dieser Stelle versagt dem 39-Jährigen die Stimme und er muss sich kurz sammeln. Dann fährt er leise fort: „In den nächsten zehn Tagen fliege ich dorthin. Nicht als Ersthelfer, aber um zu sehen, was ich tun kann.“

Krasser noch als die Zahlen – mehr als 130 Tote, mehr als 5000 Verletzte und rund 300 000 Obdachlose – wirken die Bilder, die Beirut nach der Explosion in Scherben und Trümmern zeigen. „Dies ist die fünfte Katastrophe für dieses Land“, sagt der Mann, der im Libanon einfach nur „Clemens Mirbach“ war – „alles andere wäre zu kompliziert gewesen.“ Nach der Korruption, dem Währungsverfall von mehr als 400 Prozent, 1,5 Millionen Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien, dem Irak und Palästina und der Corona-Pandemie zerstörte ein großer Knall die Hoffnung der Menschen darauf, dass es von nun aufwärtsgehen könnte. Wie rasch kann ein Wiederaufbau gelingen. „Ganz ehrlich – dazu kann ich keine Prognose abgeben.“ Die Macht liege allein in den Händen der Warlords, die sich 15 Jahre lang in einem blutigen Bürgerkrieg befehdeten. Die Regierung sei ohne Rückhalt in der Bevölkerung – habe es aber geschafft, den Frieden zu sichern. In einem Land, in dem viele Religionen miteinander auskommen. „Eigentlich ist der Libanon in dieser Frage ein Beispiel für andere Regionen.“

Dass nun Helfer aus aller Welt einfliegen – sieht Clemens Mirbach kritisch. Vielfach gehe es bloß darum, Fernsehbilder zu produzieren. Die Malteser hätten sich seit 40 Jahren im Libanon deshalb einen Status erarbeitet, „weil wir erst die Menschen fragen, was sie wirklich brauchen und dies dann bedingungslos liefern“. Wer jetzt rasch helfen möchte, sollte am besten Geld spenden. „So blöd das auch klingt.“